Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.9.2019

"Brannte nicht unser Herz in uns...?"

von Susanne Peters-Streu

Liebe Gemeinde,

wenn die Tage endlich wieder länger werden und die Natur aufatmet, alles zu sprießen und zu wachsen beginnt, freuen wir uns an dem, was wir sehen. Kleine grüne Triebe aus der Erde, die ersten zarten Blumen, Schneeglöckchen, Knospen an Sträuchern und Bäumen, die aufspringen. Neues Leben vor den Augen weckt auch in mir neue Lebendigkeit neues Hinsehen.

Die Bibel erzählt uns die Geschichte von zwei Jüngern, die nach dem Tod Jesu auf dem Weg in das Dorf Emmaus unterwegs waren. Sie waren todtraurig, ihre Hoffnung zerstört, alles am Boden, auch ihr Blick. Nichts können sie mehr sehen, nichts wahrnehmen von neuem Leben. Da gesellt sich ein Dritter zu ihnen. "Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Ihr Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten!"

Die beiden Jünger kamen aus der dunkelsten Finsternis und der größten Trauer. Denn wenn selbst der gute Mensch " er, der die Welt erlösen sollte, getötet wurde, dann hatte das Böse endgültig gesiegt.

Aber ihre Augen werden geöffnet. Auf dem Weg, den sie gehen wird diese Augenöffnung vorbereitet. Der auferstandene Jesus redet mit ihnen: wisst ihr nicht, habt ihr nicht gehört, gelesen, was geschrieben steht. Aber sie begreifen nicht.

Dann bricht er ihnen das Brot, da werden ihre Augen geöffnet. Das tun sie nicht selber, das geschieht an ihnen. Gott öffnet ihnen die Augen. Selbst konnten sie das nicht. Auch wenn sie hörten und sahen. Wir können uns vorstellen, wie sie in ihrer eigenen Welt gefangen waren in allem was sie erlebt hatten.

Sie sahen ihn lebendig auf dem Wege, aber sie sahen ihn dennoch nicht. Sie hörten ihn die Schriften auslegen, aber sie hörten ihn dennoch nicht. Aber als sie mit ihren Sinnen die Begegnung mit ihm hautnah erlebten, als sie das Brot spürten, schmeckten und rochen, da öffneten sich ihre Augen.

So wie es uns erzählt wird bedient sich Gott der notwendigen Dinge des Alltags wie Brot, an denen er sich zeigt und sein Reich offenbart. Schmecken und riechen, essen, in sich aufnehmen. Ihre Herzen werden mit seinem Leben gefüllt.

"Brannte nicht unser Herz in uns?" Sie 'brennen', heißt es " so ist es, wenn man mit dem Herzen sieht. Mit dem Herzen sehen heißt in den Blick bekommen, dass wir nach der Auferstehung Jesu die Spuren Gottes dort suchen, wo sie am wenigsten erwartet werden. Denn der, dem die Augen aufgehen, sieht.

Mit dem Herzen sehen, das ist nicht die Stärke unserer Kultur. Wir sind vielmehr gewöhnt, mit dem Kopf zu sehen. Die Sprache des Kopfes ist oft eine Sprache des Entweder-Oder.

Die Sprache des Herzens dagegen kann sowohl als auch sagen. Oder die schärfsten Gegensätze stehen lassen und zusammenhalten und gemeinsam eine Wahrheit bilden lassen. Die Worte der Sprache des Herzens weisen über sich selbst hinaus und sind in sich Einladungen zu neuen Öffnungen.

Gebrauchen wir die Sprache des Herzens nicht oder missbrauchen wir sie, dann schließt sich unser Herz. Es wird ein Stein davor gewälzt. Auferstehung ist, dass sich die Augen des Herzens wieder öffnen und sich öffnen lassen. Dann können wir eine neue Welt und uns selbst mit einem neuen Blick sehen.

Wo wir zuvor nur ein Brot als Nahrungsmittel sahen, ist dies nun zugleich das Brot des Lebens. Wo wir zuvor unseren Mitmenschen nur als einen Arbeitskollegen, einen Nachbarn, einen Freund oder eine schwierige Herausforderung sahen, können wir ihn nun als das Bild Gottes sehen. Wo wir zuvor nur Leiden sahen, wenn Unglück und Trauer uns überwältigen, sind wir nun der Hoffnung im Leiden verbunden.

Jesus wurde unsichtbar und er verschwand vor ihnen heißt es in der Erzählung, vielleicht wundern wir uns darüber, fragen warum? Mit einem inneren Auge gesehen könnte die Antwort sein: Weil es nun nicht mehr um seine Auferstehung " sie haben wir gesehen " sondern um unsere Auferstehung geht. Unsere Augen und unser Herz werden nun geöffnet.

Ich wünschen ihnen ein gesegnetes Osterfest

Pfrn. Susanne Peters-Streu

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