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20.1.2019

Zum Monatsspruch im Februar

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Im allgemeinen Sprachgebrauch haben die Superlative Hochkonjunktur. Und gerne wird nach einer weiteren Steigerungsstufe gesucht. Da gibt es dann Monsterwellen, Megastürme und Blockbuster. Legt man diese zweifelhaften Bereicherungen der deutschen Sprache an den Monatsspruch an, dann würde die Bewertung wohl ähnlich gigantisch ausfallen.

Gleich drei "Megabegriffe" von großer theologischer Reichweite kommen in diesem Vers aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom mit voller Wucht auf uns: Gerechtigkeit, Glauben und Frieden. Sie markieren auch den Rahmen dessen, was den Reformator Martin Luther in nächtelangen Überlegungen um den Schlaf gebracht hat und ihn schließlich zu seiner so genannten "reformatorischen Entdeckung" brachte, nämlich: Die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben.

Auf die Frage: "Wie bekomme ich einen mir gnädigen Gott?", fand Martin Luther, unter dem Rückgriff auf Paulus, die für die ganze weitere Kirchengeschichte so entscheidende Erkenntnis, dass der Mensch allein durch die Gnade Gottes gerecht wird und nicht durch eigene Leistungen, gute Werke, Verdienste, Ablasszahlungen u.ä.. Gute Werke eines Menschen sind Frucht und Folge des Glaubens. Glauben heißt in dieser Sicht, die durch Jesus Christus ein für allemal geschehene Rechtfertigung anzunehmen und ihr im Leben zu entsprechen.

Soweit das theologisch Korrekte. Wie aber passt das mit unseren Lebenswirklichkeiten zusammen? Ist die Frage "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott" heute noch die existentielle Frage von Menschen? Fragen nicht viele eher grundlegender nach der Existenz Gottes? Ist die Rechtfertigungslehre also nur noch ein Kuriosum in der Asservatenkammer der Theologiegeschichte, denkwürdig zwar, aber nicht glaubwürdig?

Wer verstehen will, was "Frieden haben mit Gott" meint, tut gut daran die "Megawörter" ineinander zu lesen.

Wir haben es, folgen wir Paulus, nicht mit einem wohlfeilen Gott zu tun, der – wie die Schweizer in ihrer Hymne singen – folkloristisch zu packen ist: des Eidgenossen "fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland".

Nach Paulus ist Gott nur zu erfahren als der, der mich nicht bei meiner Verirrung behaftet und aus der Selbstverstrickung befreit. Die Wendung "durch Jesus Christus, unseren Herrn" mag auch gemeint sein als "durch unser Bekenntnis: Jesus Christus ist unser Herr".

Also: Indem wir Jesus als Herrn bekennen, ereignet sich der Frieden mit Gott in unserem Leben, weil ich dann weiß, wem und wohin ich gehöre. Und es ist gut zu wissen, wem ich gehöre und wem ich vertrauen kann, nämlich dem einen Herrn und nicht den vielen anderen Herren, dunklen Mächten oder finsteren Gestalten.

Der Glaube von dem Paulus spricht, ist sicher kein sanftes Ruhekissen, aber er lässt mich erfahren, dass ich nicht alles machen muss. Ich muss nicht ständig meinen Erwartungen und denen der anderen an mich gerecht werden, sondern Gott wird mir gerecht, nimmt mich ernst, nimmt mich wahr, so wie ich bin. Gott schließt Frieden mit mir und darum kann ich mit meinem Leben Frieden schließen, sogar mit meinen unerfüllten Hoffnungen, die davon erzählen, dass ich noch am Leben bin und vom Leben noch etwas erwarte. Es ist nicht alles hier und sofort erfüllbar. Und manches darf Vision bleiben, denn Erwartungen an die Zukunft bestimmen auch und gerade im Hier und Jetzt das Handeln.

Gerecht gemacht aus Glauben. Wie dieser Glaube heute unser Leben prägen kann, so kann auch die Sehnsucht nach der Gerechtigkeit unser Handeln heute schon bestimmen.

Pfarrer Michael Busch