Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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8.12.2019

Erich Mach
sein Einsatz in der Jungen Gemeinde Petrus

Erinnerungen von Helmut Lehmann

Erich Mach war von 1967 bis 1971 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, von 1955-1965 Bezirksstadtrat für Jugend in Steglitz

Wie erst zur Jahreswende bekannt wurde, ist der langjährige Abteilungsdirektor des damaligen Diakonischen Werkes Berlin (heute Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz), Erich Mach, am 20. Dezember 2006 im Alter von 91 Jahren in Berlin-Lichterfelde gestorben.

Erich Mach wurde am 18. April 1915 in Gosslershausen/Westpreußen geboren. Nach seiner Ausbildung zum Fürsorger (heute Sozialarbeiter), Diakon und Religionslehrer, 1936 bis 1939 im Evangelischen Johannesstift Berlin-Spandau, war er Soldat und geriet 1944 in amerikanische Gefangenschaft. Seine berufliche kirchliche Laufbahn begann Mach 1946 als Landesdiakon für evangelische Jugendarbeit in Berlin. Als Bezirksstadtrat für Jugend und Sport war er von 1955-1965 in Steglitz tätig. 1965 wurde er zum Abteilungsdirektor des damaligen Diakonischen Werkes Berlin für den Bereich Jugendwesen berufen und hatte dieses Amt bis zu seinem Ruhestand 1975 inne.

Dem Abgeordnetenhaus von Berlin gehörte Erich Mach von 1967-1971 als Vertreter der CDU an. Er führte den Vorsitz im Parlamentarischen Jugendausschuss.

Seine Ämter und Berufungen sind zahlreich: Mach war Mitglied der 5. Regionalsynode der Evangelischen Kirche und später auch Synodaler der Evangelischen Kirche der Union (EKU). Er gehörte zu den Mitbegründern des Landesjugendringes Berlin, dessen Vorsitzender er bis 1951 war. Die Berliner Jugend vertrat er im Bundesjugendring von 1952 bis 1954. Weiter war er Mitbegründer (1960) des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes.

In Anerkennung seiner vielfältigen Verdienste in der kirchlich-sozialen Arbeit wurde ihm 1975 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Für seine Verdienste in der Diakonie wurde er im März 1996 mit der Johann-Hinrich-Wichern-Plakette des Diakonischen Werkes ausgezeichnet.

Über seinen Ruhestand hinaus war Mach langjährig ehrenamtlich aktiv, vor allem im Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), im Theodor-Wenzel-Werk und in der Wadzeck-Stiftung.

Ein Anruf am Jahresbeginn überraschte uns: Erich Mach ist nicht mehr unter den Lebenden, vier Tage vor Heiligabend starb Vater im 92. Lebensjahr, im Kreis seiner Familie heimgerufen.

Nach über fünfzig Jahren seines Wirkens in unserer Gemeinde trafen sich über 20 Glieder der damaligen "Jungen Gemeinde" auf dem Lichterfelder Parkfriedhof, um mit ihrem Singen die Beisetzungsfeier zu gestalten. Aus verschiedenen Gegenden Deutschlands waren seine alten Freunde extra angereist, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Wer war Erich Mach? Wir gedenken seiner als Jugend-Diakon in Lichterfelde.

In der Nachkriegszeit gab es einen Neuanfang der "Jungen Gemeinde" in Petrus. Die Mädchenarbeit war schon im Gange. Grete Hengelvoß und Hilde Trotz stellten sich mutig und tatkräftig dieser Aufgabe. Die Jungenarbeit hatte es schwerer: Sie begann ehrenamtlich im ehemaligen Kokskeller des Gemeindehauses.

Mit Elan und guten Vorsätzen der Aktiven wuchs die Gruppenarbeit, bald sogar über unseren Kopf . In den engen Kellerräumen kamen wir schnell an die Grenzen unserer Möglichkeiten.

Das Landesjugend-Pfarramt unterstützte uns mit Materialien, um den Keller wohnlicher zu machen. Das Heizmaterial musste von uns mitgebracht werden. Die Leitungsaufgaben von uns Schülern, Studenten, Auszubildenden und berufstätigen Helfern waren größer als das praktisch Machbare. Hilfe war dringend nötig!

In dieser Situation kam Erich Mach zu uns, ein ausgebildeter Jugend-Diakon. Er ordnete die Jugendarbeit neu. Er drängte darauf, einen Mitarbeiterkreis zu gründen, der voll verantwortlich die Leitungsaufgaben übernehmen sollte. Er schaffte es auch immer wieder, neue Mitarbeiter zu gewinnen und sie für ihre Arbeit zu motivieren. Viele Lebensbereiche sollten berücksichtigt werden und die Bibelarbeit ein fester Bestandteil der Gruppenarbeit sein. Durch Erich Mach gewannen wir bald ein gutes Verhältnis zur Erwachsenengemeinde.

Es wurde ein Sonntag fest gelegt, an dem die "Junge Gemeinde" am Gottesdienst teilnahm und auch oft danach den Gottesdienst besprach. Ein fester, unerschütterlicher Glaube bestimmte Erichs Lebenshaltung, die uns auch bei Freizeiten und Fahrten sehr deutlich wurde, für viele wurde das Gebet wichtig in allen Lebenslagen.

Aus seiner Heimat, dem Sudetenland, brachte Erich Mach Volkstänze mit, die bald mit Begeisterung geübt wurden. In kleinem wie auch in größerem Rahmen stifteten sie viel Spaß, bei den Tänzern wie auch bei den Zuschauern.

Im Landesjugendring wurde die Aktivität von Erich sehr geschätzt. Durch seinen Einfluss konnten Unterwanderungen der FdJ verhindert werden. Es war immer wieder sehr spannend, wenn Erich nach Bonn fuhr! Die Freude war groß, wenn er über größere finanzielle Zusagen berichten konnte!

Eindrücke seiner Wirksamkeit kann ich nur subjektiv skizzieren. Hoffentlich tragen sie zur Verdeutlichung seines Schaffens in der Petrusgemeinde bei, das uns damals bereicherte und uns als ehemalige Gemeindejugend noch heute dankbar sein lässt. Sein Gottvertrauen wurde auch unseres! In diesem Sinne lebt Erich Mach in unserem Herzen weiter und macht uns fröhlich und dankbar!

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