Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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15.11.2019

Paul Gerhardt: Leben und Werk
Zum Paul-Gerhardt-Jahr 2007

von Torsten Lüdtke

Im Jahr 2007 jährt sich der Geburtstag Paul Gerhardts zum vierhundertsten Male. Grund genug also, das Jahr 2007 zum Paul-Gerhardt-Jahr auszurufen und den Schöpfer Kirchenlieder mit Veranstaltungen und Ausstellungen zu ehren.

Das Leben und Wirken Paul Gerhardts fällt in das von Unruhe und Wirren des dreißigjährigen Krieges geprägte Zeit des 17. Jahrhunderts, und so bleiben die Nachrichten, die seine Lebensumstände beleuchten, spärlich.

Am 12. März 1607 wird Paul Gerhardt in Gräfenhainichen (Sachsen) geboren, bereits frühzeitig verliert der Knabe seinen Vater, der dort Gastwirt und Bürgermeister war. Mit fünfzehn Jahren kommt Paul Gerhardt an die Fürstenschule zu Grimma; 1628 bezieht er, zwanzig Jahre alt, die Wittenberger Universität, um Theologie zu studieren. Dort hat wohl auch der Professor der Rhetorik und Dichter August Buchner (1591-1661), ein Freund von Martin Opitz, einen entscheidenden Einfluß auf den Studenten.

1642 oder 1643 kommt Paul Gerhardt nach Berlin, wo er eine Stelle als Hauslehrer bei der Familie des Kammergerichtsadvokaten Barthold annimmt und bei der er wahrscheinlich bis 1651 bleibt. Auf ein Empfehlungsschreiben des Kollegiums der Berliner Geistlichkeit hin erhält Paul Gerhardt im November 1651 die Stelle des Probstes (Oberpfarrers) an der Mittenwalder Stadtpfarrkirche St. Moritz.

Wenige Jahre zuvor, 1648, waren die ersten geistliche Lieder des Dichters im Gesangbuch "Praxis pietatis melica" des Kantors an der Berliner Nikolaikirche und Lehrers am "Grauen Kloster" Johann Crüger (1598-1662) erschienen. Im Druck erscheint auch das von Paul Gerhardt verfasste Preisgedicht "Ein Weib, das Gott den Herrn liebt" auf seine Frau, die Tochter seines ehemaligen Brotherrn, Anna Maria Barthold, die er am 11. Februar 1655 in Mittenwalde heiratet.

Doch ist die Zeit in Mittenwalde nicht nur glücklich: So sterben dem Ehepaar Gerhardt in Mittenwalde zwei Kinder; außerdem ist der dichtende Oberpfarrer den stetigen Anfeindungen seines bei der Stellenbesetzung übergangen Pfarrkollegen ausgesetzt.

Im Mai 1657 folgt Paul Gerhardt dann dem Ruf an die Nikolaikirche in Berlin, wo er sich als Prediger schnell die Achtung und das Wohlwollen der Gemeinde erwirbt. 1657 erscheint auch ein neue Auflage des von Johann Crüger, dem Freund und Kollegen an der Berliner Nikolaikirche bearbeiteten Gesangbuches, in die wiederum neue Lieder Paul Gerhardts aufgenommen wurden. Die nächsten Jahre sehen den Dichter in der ruhigen Tätigkeit eines Seelsorgers und Predigers, bis er 1664 – auf dem Höhepunkt der Wirren im Streit zwischen Reformierten und Lutheranern – die Unterzeichnung des kurfürstlichen Toleranzediktes verweigert.

1666 wird er daraufhin als Prediger suspendiert, jedoch kurze Zeit später auf Bitten der Gemeinde und des Magistrats wieder in sein Predigtamt eingesetzt, welches er aber nur wenig später wieder aus Gewissensgründen aufgibt. Zwei Jahre schlägt Paul Gerhard sich und seine Familie in Berlin unter anderem als Hauslehrer durch. Im Mai 1669, rund ein Jahr nach dem Tod seiner Frau, tritt er die Stelle als Archidiakonus im damals sächsischen Lübben an, wo er noch sieben Jahre als Geistlicher wirkte. Am 27. Mai 1676 ist Paul Gerhardt dort gestorben.

Als Dichter ist Paul Gerhardt wohl der produktivste Schöpfer des evangelischen Kirchenliedes; allein 134 Lieder gehen auf ihn zurück. Seine zum Teil auch nach Psalmen oder mittelalterlichen Hymnen gedichteten Lieder stehen am Übergang vom protestantischen Bekenntnislied der Reformationszeit zum persönlichen Erbauungslied des Pietismus und bilden durch ihre zurückhaltende, aber kraftvolle Sprache einen erfrischenden Gegenpol zu der oftmals schwülstigen und durch vordergründige Gelehrsamkeit schwer verständliche geistliche Barockdichtung. Die schlichte, aber nicht kunstlose Sprache, die einfachen aber schönen Bilder, wie sie in den Liedern "Die güldene Sonne" (1667), "Geh aus mein Herz" (1656) oder "Nun ruhen alle Wälder" (1648) haben dazu geführt, daß die Lieder Paul Gerhardt zu echtem Volksgut geworden sind.

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