ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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19.7.2019

Geschichten vom Leben
Lesung in der Petruskirche

die Tagesspiegelautoren H.P. Daniels, David Ensikat, Kirsten Wenzel

In seinem Buch "Was bleibt" zitiert der Herausgeber David Ensikat 50 Nachrufe auf unbekannte Berliner, die im Tagesspiegel erschienen sind. In seinem Vorwort heißt es u.a.:

Warum lesen die Leute Todesanzeigen? Es stehen keine Geschichten darin, nur ein paar Stichworte. Vielleicht funktioniert das wie im guten Thriller: Das Nichtgezeigte, das Geahnte macht den Reiz aus. Dass eine Tragik hinter jeder dieser Anzeigen steckt, so viel steht fest. Wenn der Tod Erlösung war, dann hat sich die Tragik zuvor ereignet. Wenn er unvermittelt kam, oder einfach, weil es Zeit war, so ist es der Verlust. Es geht also um den Tod, den echten Tod, den sich niemand ausgedacht hat.

Nachrufschreibern geht es um das Leben, das echte, das sich niemand ausdenken muss. Sie suchen in Todesanzeigen nach Lebenszeichen. Nach Hinweisen auf Geschichten, die sie ganz erfahren wollen, um sie aufzuschreiben. Entdecken sie solche Zeichen, fragen sie die Leute, die die Anzeige aufgegeben haben, ob sie über dieses Leben mehr erzählen würden, ob man einen Nachruf schreiben dürfe.

Nachrufschreiber gibt es in Deutschland nicht allzu viele. Eine Zeitungsseite mit Nachrufen, für die die Autoren Todesanzeigen lesen, gibt es hier zu Lande nur eine einzige, die im Berliner "Tagesspiegel".

Seit sechs Jahren erscheint sie an jedem Freitag im Lokalteil der Zeitung. Ein einziges großes Foto von einem Berliner Friedhof ist darauf und drei längere Texte über Leute, deren Namen den allermeisten Lesern unbekannt sind.

Die Menschen, über die da geschrieben wird, sind einige Wochen zuvor gestorben, allein dies ist der Anlass, über ihr Leben zu berichten. Es geht nicht um Verdienste, Auszeichnungen und Werke, es geht um Geschichten, Lebensgeschichten – tragische, anrührende, skurrile, auf jeden Fall: erzählenswerte.

Die Texte sind Nachrufe, auch wenn ihre Entstehung wenig damit zu tun hat, wie normalerweise Nachrufe für Zeitungen entstehen. Sie werden nicht schnell aufgeschrieben, um Informationen von aktuellem Belang weiterzugeben. Es geht nicht um "Personen der Zeitgeschichte", über die es ein gewisses Informationsrecht gibt. Sie basieren auf den Mitteilungen der nächsten Verwandten oder Freunde der Toten. Sie werden aufgeschrieben von Journalisten, die die Toten in den allermeisten Fällen nicht kannten.

Zwischen den Geschichten wird die Lesung der 3 Autoren am 14. Januar von Ansgar Vollmer (Klavier) und Tom Weise (Gitarre) in angemessener Weise musikalisch untermalt.

Im Anschluss an die Lesung besteht die Möglichkeit, mit den Autoren zu sprechen und zu diskutieren.

Geschichten vom Leben

Eine Lesung von den Tagesspiegelautoren H.P. Daniels, David Ensikat und Kirsten Wenzel am Sonntag, dem 14. Januar, 2007 um 19 Uhr in der Petruskirche.
Eintritt: 9 €. Bestellen Sie Ihre Eintrittskarten rechtzeitig, da es nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen in der Winterkirche gibt.