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16.1.2019

Südafrika-Reise
Teil 2

Bericht von Sonja Wagner

Im April war eine Gruppe aus dem Kirchenkreis Steglitz in Südafrika, um dort die Gemeinden im Partner Kirchenkreis, dem MORIA-Circuit (früher: South-East-Cape-Circuit) zu besuchen und sich über die dringendsten Probleme dort, Armut und AIDS, zu informieren.

Sie erinnern sich sicher an meinen ersten Bericht von der Südafrikareise und warten vielleicht schon gespannt auf die angekündigte Fortsetzung.

Am 03. April waren 14 Teilnehmer aus den Gemeinden Lankwitz Dorfkirche, Matthäus mit mir als Vertreterin von Petrus-Giesensdorf nach Südafrika geflogen. Nach ein paar Tagen in Kapstadt besuchten wir alle Partnergemeinden im Moira-Kirchenkreis im Süden des Landes. Am Mittwoch nach Ostern hieß es dann Abschied nehmen. Nach dem Flug von Port Elisabeth nach Johannisburg teilte sich die Gruppe, 9 Teilnehmer traten den Rückflug nach Deutschland an, für Pfr. Laser, Hajo Fentz, Loni und Andrea Stenger und mich begann der zweite Teil der Reise.

Wir hatten gerade unseren VW-Bus abgeholt, als Pfr .Algernon Coerecius, der in einer Gemeinde in Soweto arbeitet, uns mit Frau, Töchterchen und den beiden Söhnen in Empfang nahm. In einer fast nicht enden wollenden Fahrt in der Johannesburger Rushhour leitete er uns nach Soweto, wo wir im Gebäude der Zentraldiozöse untergebracht waren.

Eindrücklich vermittelte der Besuch des Hector Peterson Museum einen Einblick in die Zeit der Apartheid. Dieser 12 jährige Junge wurde vor 30 Jahren bei einem Schüleraufstand in Soweto getötet und so zu einem Symbol der Aufstände der Schwarzen Bevölkerung gegen das Apartheid-Regime. Ein Besuch des Hauses von Nelson Mandela durfte natürlich auch nicht fehlen.

Insgesamt waren die beiden Tage in Soweto recht bedrückend. Gern wäre ich über einen der Märkte geschlendert und hätte mir die bunte Vielfalt der exotischen Früchte und Düfte von Nahem angesehen, aber das Verlassen des Busses war strengstens untersagt, viel zu gefährlich für Weiße. Die Hausdame bekam fast einen Herzinfarkt als sie hörte, dass wir ohne Begleitung der afrikanischen Gastgeber vor dem Abendessen ein Stündchen mit dem VW-Bus durch Soweto gefahren sind, um dem geschäftigen Treiben der zahllosen Sammeltaxis zuzusehen.

Als wir freitags Soweto verließen waren wir dennoch dankbar und frohen Mutes, da die Tasche mit den Ausweispapieren, die Pfr. Laser 14 Tage vorher in Groot Constantia verloren hatte, nach vielem Hin und Her endlich wieder vollständig in seinem Besitz war und uns so die unbeschwerte Fortsetzung der Reise ermöglichte.

Auf der Autobahn kamen wir Richtung Nordosten ins 400 km entfernte Nelspruit, der Hauptstadt der Provinz Mpumalanga, gut voran. Von dort waren es nur noch 20 Km bis nach White River KaBokweni, wo wir von Vinette und Familie freudig begrüßt wurden.

Sie war vor einigen Jahren als Gemeindehelferin in der Dorfkirchengemeinde in Lankwitz. Jetzt lebt sie mit Ihrem Mann Rodney und Söhnchen Thereston dort in der Gemeinde. Wenige Wochen nach unserem Besuch machte die Geburt ihrer Tochter die kleine Familie komplett.

Wir wurden von allen freundlich aufgenommen und schnell auf vier Familien verteilt und so wieder in das Leben der Einheimischen einbezogen. Hier erwartete uns eine ganz andere Welt, Schwarzafrika. Man spricht Swasi und die Menschen gehören zur selben Volksgruppe, wie im benachbarten Swaziland. Schon beim Abendessen wurde es deutlich, während die Männer zusammen auf der Terrasse aßen und sich unterhielten, saßen wir Frauen im Haus. Auf meine Frage, ob wir nicht auch raus gehen wollten, um den schönen lauen Abend zu genießen, hieß es nur kurz "nein, das schickt sich nicht, Frauen bleiben besser unter sich!".

Am Samstag machten wir einen großen Ausflug in die nahe gelegenen Drakensberge. Die Schluchten des Blyde River, der Besuch des Berlin-Wasserfalls und ein Ausblick durch „God’s Window (Gottes Fenster) waren nur einige Ziele in dieser atemberaubenden Landschaft mit den grün, orange oder gelb gefärbten Felsen. Ich hätte einfach nur dasitzen und die Bilder und Farben in mich aufsaugen können.

Der Gottesdienst am Sonntag fand nicht in der Kirche in KaBokweni statt, sondern in einem über 40 Km entfernten Ableger der Gemeinde in Sandriver. Natürlich begleiteten wir Rodney dorthin. In dem Ort gibt es nur noch zwei lutherische Familien, die aber immerhin zwölf Gottesdienst-Besucher stellen und sogar einen kleinen (Familien)Chor haben. Man hatte uns schon erwartet. Während des Gottesdienstes fragte ich mich einige Male, wie die Gemeinde dem Gottesdienst und der Predigt folgt, da Rodney vorwiegend Englisch oder Afrikaans sprach, da er selber kein Swasi kann, die Gemeindemitglieder aber nur wenig oder kein Englisch.

Einmal im Monat hält der Pfarrer den Gottesdienst mit Abendmahl in den entlegenen Teilen der Gemeinde, an den übrigen Sonntagen wird der Gottesdienst von Gemeindemitgliedern gehalten. Nach dem Gottesdienst sollten wir sitzen bleiben. Schnell wurde ein kleiner Tischaugestellt, die Kirchenbänke zusammen geschoben und aus dem Kofferraum des Autos Teller und viele Töpfe in die Kirche getragen. Sie hatten ein Mittagessen für uns vorbereitet. Wir bekamen sogar Löffel oder Gabeln, was wohl etwas Besonderes war, denn die meisten aßen mit den Fingern. Während sich die Erwachsen nach dem Essen unterhielten, schienen sich die Kinder zu langweilen. Ich erinnerte mich an die Baumwolltaschen, von denen wir immer noch welche im Wagen hatten. Kurze Zeit später waren alle Kinder mit Feuereifer beim Bemalen Ihrer Stofftaschen, wobei die Kirchenbänke kurzerhand zu Maltischen wurden.

Auf dem Rückweg wollten wir noch einen ein Abstecher nach Nelspruit machen, doch ein fürchterliches Gewitter zwang uns zur Flucht in ein Kaffee. Oh, wie schön, es war ein Internet-Cafe, die günstige Gelegenheit, der Familie in Berlin einen Gruß zu senden. Am Ende blieb noch etwas Zeit für einen weiteren Gemeindeteil.

Wieder wurde mir bewusst, wie wichtig es dort anscheinend ist, eine eigene Kirche zu haben. In Pacaltsdoorp, Proteaville bei Haarlem, Port Elisabeth, Soweto, überall hatten Gemeindeglieder eine Kirche gebaut bzw. planten den Bau. In diesem Teil der Gemeinde von KaBokweni bauen 14 Personen seit 11 Jahren an Ihrer Kirche. Einige Dachbalken des Rohbaus sind bereits morsch, ob diese Kirche wohl jemals fertig wird? Was treibt sie an, ein Haus für Ihren Gottesdienst zu bauen. In einer Zeit, in der sich Gemeinden hier bei uns wegen immer knapper werdender finanzieller Mittel von Gebäuden trennen, ist es schwer die Beweggründe der Gemeinden in Südafrika zu verstehen.

Die letzten drei Tage verbrachten wir fünf im Krüger Nationalpark am Letaba Fluss in einem Camp, wo wir in der Begegnung mit Giraffen, Flusspferden und Elefanten noch mal ein ganz anderes Südafrika als Tourist kennen lernen durften.

Am Freitagabend traten wir von Johannisburg aus die Heimreise nach Berlin an, wieder per Flugzeug über Dubai nach Frankfurt, und von dort mit dem Zug nach Berlin, wo wir am Samstagabend von unseren Lieben nach fast vier Wochen Abwesenheit freudig empfangen wurden und von unserem Erlebnissen ausführlich berichten mussten.

Wer mehr von der Reise hören und sehen möchte, den lade ich ganz herzlich am Donnerstag, dem 16. November um 19:30 Uhr, ins Gemeindehaus in der Parallelstraße ein.

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