Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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11.12.2019

Zum Monatsspruch im November

von Susanne Peters-Streu

Am Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, werden wir im Gottesdienst wieder die vielen Namen unserer im vergangen Jahr Verstorbenen lesen. Ehren wollen wir sie damit, jede und jeden mit seinem gelebten Leben, dem Geglückt oder Mißlungenen, dem Ausgelebten oder vorzeitig Abgebrochen.

In diesen Novembertagen, wenn viele von uns auf die Friedhofe gehen, wenn die Zeit der stillen Erinnernung da ist, dann werden die Bilder der verstorbenen Menschen in uns lebendig. Ihr Bild tritt vor die Seele, Erlebtes wird aufgeweckt, Trauriges und Heiteres, vielleicht geht eine Welle der Liebe und Dankbarkeit durch unser Herz. Oder ist es eher ein Stich, der den Schmerz und das Leid zurückbringt?

Es ist gut und wichtig, dass wir die Erinnerung pflegen und unsere Toten ehren, dass sie ihren Platz behalten als Teil unseres Lebens, es ist gut, dass wir über Abschied und Trauer nicht einfach hinweg gehen, ihre Namen nicht verschweigen, nicht wegdrängen.

Aber es ist auch wichtig, dass wir sie nicht festhalten, dass wir ihren Tod wahr sein lassen und uns lösen lernen. Es ist wichtig, sich auf den Weg machen, den eigenen Lebensweg weiterwandern, mit Erinnerung und Veränderung und Wandlung.

"Den eignen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der andern muss man leben."

Mit diesen Worten schließt ein Gedicht von Mascha Kaléko:

"Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem gleiches wiederfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: Den eigen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben."

Mit dem "Tod der andern...leben": das müssen alle, die im letzten Jahr einen lieben Menschen verloren haben, und ebenso alle, die an Menschen denken, die vor Jahren schon von uns geschieden sind. Wird es gelingen mit dem Tod der anderen zu leben?

Niemand ist davor gefeit, eines Nachts aufzuwachen und zu merken: Der Glaube ist weg. Die Liebe ist weg. Die Hoffnung ist weg. Alles ist ausgebrannt und leer. Das ist ein Stück Lebenserfahrung und Glaubenserfahrung. Niemand ist davor gefeit. Wenn du diese Erfahrung schon gemacht hast, weißt du auch, worauf du damals zurückgreifen konntest. Eine Liedstrophe, die in dir zu klingen begann ohne dass dir nach Singen zu Mute war, dein Konfirmationsspruch, oder der Psalm 23, den du lernen musstest begleitet dich durchs dunkle Tal.

Siehe, ich mache alles neu, so heißt es im Monatsspruch aus der Offenbarung des Johannes. "Siehe", es klingt wie eine Einladung auf die Welt mit anderen Augen zu sehen.

"Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr ... Und Gott wird bei den Menschen wohnen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Alte ist vergangen." Uns ist eine alle Grenzen des Vorstellbaren sprengende und eigentlich nicht in Worte zu fassende Hoffnung anvertraut und zugesagt. Selbst der Seher Johannes kann nicht beschreiben, was er sieht, sondern nur , was nicht mehr sein wird. Daran aber gibt es für ihn keinen Zweifel, das ist ihm eine trotzige Gewissheit.

Vielleicht kennen sie das ja auch, das die alten vertrauten, oft über lange Zeit fremden Worte aus der Bibel, oft genug wiederholt, mit einem Mal einen Glanz entfalten, als ob aus Gottes Wirklichkeit direkt ein Licht in mein Leben einfällt. Vielleicht kennen sie das, eine biblische Geschichte, mit ihren Hoffnungsbildern füllt den leeren Platz – um ihn bereit zu halten für die Zeit, wenn die Hoffnung und der Glaube zu dir zurückkehren.

Der, der nach dem Zeugnis der Bibel, den Anfang mit seinem Wort "es werde Licht" setzte, der schließt den Bogen mit seinem machtvollen Wort: "Siehe, ich mache alles neu". Was für eine Vision. Er wird eine Welt bauen in der Leid, Geschrei und Schmerz keinen Raum mehr haben, – weil er in dieser Welt die Mitte ist, weil er mitten unter Menschen Wohnung nimmt. Gott wird sie sein lassen diese neue Welt. Gott ist zu uns unterwegs. Und wo Gott kommt, da ist Leben.

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