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18.7.2019

Projekt Stolpersteine
"Hier wohnte..." oder: Denkmale für Nachbarn

von Frank Steger

Chronik der "Stolpersteine"

1993 Köln Erster Anstoß für die Idee. Bei der Errichtung eines Mahnmals für Roma und Sinti ruft eine Zeitzeugin: "Hier bei uns haben doch nie Zigeuner gewohnt."

1994 Köln Erste Anfragen bei der Stadtverwaltung bleiben hängen.

1996 Berlin Ausstellung "Künstler forschen nach Auschwitz" – Verlegen von 55 "Stolpersteinen" ohne Genehmigung. Das Tiefbauamt Kreuzberg genehmigt nachträglich.

1999 Kassel Ablehnung: "Die Auswahl der Personen, die einen Stein bekommen sollen, erinnert an die Selektion an der Rampe in Auschwitz."

1999 Leipzig Ablehnung: "Die Stolpersteine erinnern formal und inhaltlich an den Hollywood-Boulevard in L. A."

2000 In Berlin und Köln werden im großen Umfang "Stolpersteine" genehmigt.

2003 Frankfurt/Main Brief von Dr. Salomon Korn: "... nachdrücklich unterstütze ich das Projekt 'Stolpersteine' und empfehle als Beauftragter des Zentralrates der Juden in Deutschland für Gedenkstätten, Denkmäler und Mahnmal dessen Realisierung."

2001 bis 2004 In zahlreichen Städten, unter anderem in Halle, Leverkusen, Duisburg, Hamburg, Bonn, Freiburg, Düsseldorf, Neustadt/Weinstraße, Stuttgart, Prenzlau, Neuruppin, Frankfurt/Main, werden insgesamt mehr als 2000 "Stolpersteine" verlegt.

2005 Steglitz-Zehlendorf - Das Bezirksamt genehmigt dem Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf die Verlegung von "Stolpersteinen". Im Dezember 2005 wird der erste Stein für den Kinderarzt Dr. Fritz Demuth in der Onkel-Tom-Straße gelegt.

Sie sind klein und unscheinbar, aber sie halten die Erinnerung wach. Sie nennen Namen. Sie verweisen auf ehemalige Nachbarn. Oft sind sie auch Steine des Anstoßes. Die Rede ist von zehn mal zehn Zentimeter großen Pflastersteinen mit beschrifteten Messingtafeln, die in den Bürgersteig eingelassen sind. Als "Stolpersteine" erinnern sie Passanten daran, wo einst Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Die Idee zu den Gedenksteinen stammt vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig. Seit langem setzt er sich – nicht selten gegen den Widerstand von Stadtverwaltungen und Hauseigentümern – dafür ein, dass an die Vertreibung und Vernichtung genau an den Orten erinnert wird, wo sie ihren Ausgangspunkt nahmen – nämlich mitten unter uns. Für Demnig ist entscheidend, dass "das Gedenken in unsere Lebensmitte gerückt wird und Erinnerungsmerkmale nicht weitab liegen, wie die zahlreichen nach 1945 entstandenen Gedenkstätten und Mahnmale, die man bequem auch links liegen lassen kann".

Demnigs Idee findet immer mehr Zuspruch. In Berlin hat der Künstler 1996 die ersten "Stolpersteine" in der Kreuzberger Oranienstraße noch ohne Genehmigung der Behörden verlegt. Vier Jahre später beschließt dort die Bezirksverordnetenversammlung, 2000 Stolpersteine ins Pflaster einzulassen.

In Mitte hat der Bürgerverein Luisenstadt das Erinnerungsprojekt aufgegriffen. Die Projekt-Mitarbeiter arbeiten dabei eng mit den Schulen im Bezirk zusammen. Schüler stöbern in Archiven und werten die dort entdeckten Hinweise in Unterrichtsprojekten und Freizeit-Arbeitsgruppen aus. Sie besuchen die ehemaligen Wohnorte der Opfer und sprechen mit den heutigen Bewohnern. Die Jugendlichen entwickeln Vorschläge für neue "Stolpersteine" und gestalten die Gedenkfeiern bei der Verlegung der Steine. Inzwischen sind vor vielen Hundert Häusern in fast allen Berliner Bezirken die kleinen Denkmale gesetzt worden.

Vor Kurzem hat sich auch in Zehlendorf eine Initiative "Projekt Stolpersteine" gegründet. Sie wird getragen von Mitarbeitern des Kirchenkreises und mehrerer Kirchengemeinden, vor allem aus der Jugendarbeit. Anstoß dazu gab Anfang Juni die Feier zum zehnjährigen Bestehen der "Spiegelwand" in Steglitz. Erstmals wurden dort die Namen von Juden aus Zehlendorf verlesen, die in die Vernichtungslager deportiert und dort ermordet wurden.

Der Historiker Friedrich Hoßbach hat die Schicksale von 281 jüdische Männern, Frauen und Kindern recherchiert, die zwischen 1933 und 1945 in Zehlendorf lebten. Hermannstraße, Chamberlainstraße, heute Niklasstraße, Schmarjestraße 9 B, Schweitzerstraße 27, Hochsitzweg 17, Sophie-Charlotte-Straße – das waren einige ihrer letzten Wohnorte.

Die Initiative "Projekt Stolpersteine im Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf" will sich dafür einsetzen, dass die Namen dieser und vieler anderer Menschen vor dem Vergessen bewahrt werden.

Aufruf

Wenn Sie Hinweise geben können, wo Menschen lebten, an die "Stolpersteine" erinnern sollten, dann wenden Sie sich bitte an uns.

Weitere Infos

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