ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Oktober 2006

24.5.2019

Leben achten – Gewalt ächten – Nehmet einander an

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Brief an Georg Siebert

Lieber Georg!

"An diesem Abend stand ich mit einem Freund nach einer Sitzung vor dem Gemeindehaus am Ostpreußendamm, als die schwarz gekleideten Marschierer von der Osdorfer Straße in den Ostpreußendamm einbogen. Sie liefen auf dem Bürgersteig und skandierten Parolen, die ich allerdings nicht verstehen konnte. Auf der Fahrbahn wurden die Demonstranten von zwei Mannschaftswagen der Polizei begleitet.

Es war für mich schon ein befremdlicher Anblick, eine Gruppe Neonazis an unserer Dorfkirche in Giesensdorf vorbei marschieren zu sehen – dieser Aufmarsch passt nicht nach Lichterfelde und zu unseren Bewohnern und Gemeindegliedern.

Mir war sofort klar, dass es sich um eine Gruppe handeln musste, die hierher angereist war, um bei uns Stunk zu machen. Der Aufmarsch folgte dem Ostpreußendamm in Richtung Morgensternstraße/ Bahnhof Lichterfelde-Ost. Ich war froh, dass der Spuk vorbei war."

Soweit meine Erinnerung an diesen Abend, natürlich kannst Du gerne meinen Namen und meine Funktion als Gemeindepfarrer in Lichterfelde nennen, falls das nicht den Rahmen der Veröffentlichung sprengt oder andere trifftige Gründe dagegen sprechen.

Lutz Poetter

(Georg Siebert: SPD-Direktkandidat Wahlkreis: 4, Lichterfelde-Ost, zur Zeit Konfirmandenvater)

Liebe Gemeindeglieder,

Am 3.11.1992 fasste der Gemeindekirchenrat (GKR) der Petrusgemeinde einen Beschluss mit folgendem Inhalt:

"Die täglichen Nachrichten von Ausschreitungen gegen Flüchtlinge und Ausländer sowie die Duldung und sogar der Beifall vieler 'braver' Bürger beängstigen und beunruhigen uns zutiefst. Wir mißbilligen dies aufs Schärfste. Wir fühlen uns dem Gebot Gottes verpflichtet:

Wie ein Einheimischer aus eurer Mitte soll der Fremde gelten, der bei euch wohnt. Ich bin der Herr, euer Gott. (3. Mose 19,34 )

Wir werden jeder Form von Gewalt in unserem Einflussbereich entgegentreten ....."

Seit dem haben sich Menschen aus unserer Gemeinde mit einer Unterbrechung von drei Jahren einmal monatlich zur Mahnwache vor der Petruskirche unter dem Leitwort

LEBEN ACHTEN – GEWALT ÄCHTEN – NEHMET EINANDER AN

getroffen und so die Verbundenheit mit Menschen, denen aus aus rassistischen, religiösen, politschen und sonstigen Gründen Gewalt angetan wird zum Ausdruck gebracht.

Während des Wahlkampfes in Berlin und Mecklenburg Vorpommern hat es Übergriffe auf Wahlkampfhelfer und auch auf einen Wahlveranstaltung der SPD in Lichterfelde gegeben. Dies erinnert uns erneut wie wichtig es ist, gegen Gewalt öffentlich miteinander einzustehen, Leben zu achten und Gewalt zu ächten und damit Farbe zu bekennen.

Wir laden ein zur nächsten Mahnwache vor der Petruskirche am Samstag den 7. Oktober 2006 um 11.00 Uhr, vorher ist um 10.30 die Kurzandacht in der Petruskirche.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu