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22.5.2019

Der Durchbruch ist geschafft
Die Petruskirche erhält ihre Rosette zurück

von Torsten Lüdtke

An der südöstlichen Außenwand der Petruskirche – an der Rückwand des Chores und oberhalb der Sakristei – steht bereits seit längerer Zeit ein Baugerüst; auch innen im Chor – hinter dem Altar – steht ein mit Plastikplanen verhängtes Stahlgerüst – aufmerksamen Passanten und allen Kirchenbesuchern wird dieses längst aufgefallen sein: An der seit über fünfzig Jahren vermauerten Rosette wird gearbeitet.

Durch eine zweckgebundene Spende (Vermächtnis) ist es möglich, die Rosette der Petruskirche – 1898 der Stolz der Gemeinde – wiederzuerrichten bzw. sie erneut durchzubrechen. Das Rosettenfenster wurde beim Wiederaufbau und der Neugestaltung des Innenraumes der im II. Weltkrieg beschädigten Kirche in den fünfziger Jahren zugemauert; auch war die farbige Bleiverglasung, ein Geschenk des Kaiserpaares, im Krieg zerstört worden. Im runden Mittelfeld zeigte das Glasfenster ursprünglich den thronenden Christus und in den Seitenfeldern Engel mit den Evangelistensymbolen. An die Stelle der Rosette trat 1955 dann schließlich das schlichte Holzkreuz, das bis Juli 2006 über der Stelle hing, an der sich die Rosette befand. 1981 gab es während des Umbaues der Petruskirche zum ersten Mal Pläne, die Rosette wieder zu öffnen; diese wurden damals jedoch aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht.

Ende Juli 2006 begannen die Bauarbeiten: Innen wurde das große Holzkreuz von seinem Platz genommen; es harrt nun – gut verpackt – einer neuen Verwendung. An der nur noch von außen sichtbaren Rosette begannen die Arbeiter mit Prüfung der Stärke und Qualität der Vermauerung, indem sie von außen einzelne Steine entfernten. Die in das Maßwerk gesetzten Steine der Außenseite erwiesen sich als relativ leicht zu entfernen und Anfang August, als ich das erste Mal die Baustelle besuchte, war die Füllung bereits verschwunden. Die Vermauerung der runden Fensteröffnung von innen stellte sich jedoch als etwas stärker und nicht so einfach zu beseitigen heraus; sie bestand aus Ziegelsteinen, die Trümmerfrauen aus dem Ruinenschutt geborgen hatten. Leider wurden damals, um dieses Mauerwerk mit der Wand abschließen zu können, auch die das Innenrund begrenzenden Formsteine – Ziegelsteine mit einem Rundstab – zerschlagen.

Diese Steine, deren Reste sich noch immer in situ befinden, müssen nun aus Ton nachgefertigt werden, um sie dann – Stück für Stück – gegen die zerstörten Originale austauschen zu können. Erst wenn die Formsteine geliefert sind, können die Arbeiten im Innenraum abgeschlossen werden.

Bei meinem zweiten Besuch auf der Baustelle im September konnte ich mich vom Fortgang der Bauarbeiten überzeugen; inzwischen war auch die innere, gemauerte Füllung der Rosette verschwunden. Beim Blick auf die zerschlagenen Formsteine konnte ich eine interessante Entdeckung machen: an den Bauteilen der Rosette fanden sich Reste der gotisierenden Malerei aus dem Jahr 1925/26. Zu erkennen waren die schwachen Reste einer Blumenmalerei auf den Putzflächen der Rosette wie auch die kräftig bunte Farbgebung der 1898 als backsteinsichtig gedachten Formsteine. Diese Farbfassung ist bisher nicht durch Photos dokumentiert.

Seit Mitte September ist die Außenseite der Rosette mit durchsichtigem Glas verglast, diese Schutzverglasung bleibt auch dann erhalten, wenn eine neue Bleiverglasung eingesetzt wird.

Dem Kirchenbesucher, der die Kirche jetzt bei sonnigem Wetter betritt, bietet sich ein ganz anderes Bild: er kann bereits ahnen, wo sich die Rosette in der Chorwand der Petruskirche befindet, denn an der Plane zeichnen sich, von den Schatten des Maßwerkes begrenzt, die Umrisse der "neuen" alten Rosette ab.

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