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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > September 2006 |
5.2.2012 |
1991 war ich 30 Jahre alt und arbeitete im Kirchenkreis Steglitz als Honorarangestellter für Videoprojekte. "Bewirb Dich doch bei der Holzkirche, die suchen gerade einen Jugendarbeiter." Gesagt getan und bald darauf fuhr ich zu meinem Vorstellungsgespräch in die Holzkirche, die in der Septembersonne und mit der großen, grünen Gartenfläche ein tolles Bild abgab. Auch das erste Gespräch mit dem Pfarrer Lutz Poetter und den anderen Gemeindevertretern verlief sehr positiv. Obwohl ich hier am Stadtrand ganz schön weit entfernt war von meinen bisher gewohnten Pfaden, so war ich gleich überzeugt hier eine interessante Arbeitsstätte vorzufinden. ![]() Constantin Huth und Ute Renung 1991 Zeitgleich zum 1.9.1991 begann in der Giesensdorf Gemeinde Ute Renung mit der Mädchenarbeit im Mädchentreff Bella. An einem Tag der Wochen arbeiteten wir zusammen in der Holzkirche und scharten schnell einige andere Mitarbeiter um uns, die aus Honorarmitteln bezahlt wurden. Volker Gogolin baute die Werkstatt auf und bald wurde auch ein fester Bandraum im Keller geschaffen, indem die Disco nach oben in den Saal verlegt wurde. Die ersten Annäherungen der Jugendlichen einer Jugendgang des nahen Umfeldes, waren zwar nur eine Auseinandersetzung um das Hausrecht und eine deutliche Machtprobe, wurden aber wie im Western in Szene gesetzt. "Weißt Du was man für einen toten Sozialarbeiter bekommt?" waren die an mich gerichteten Begrüßungsworte, martialische Gesten und Gebärden gehörten dazu, so wie die Bomberjacken mit dem entsprechenden Logo. Darauf war ich natürlich nicht vorbereitet worden, musste mich aber sehr schnell darauf einstellen. Polizeieinsätze, Einbrüche, Verletzungen und Aufenthalt im Knast waren die Erfahrungen von vielen Jugendlichen, die in den folgenden Jahren unsere Einrichtung aufsuchten. Der Begriff "Parallelgesellschaft" hätte schon damals gut gepasst. Unsere Partys mit teilweise 250 Jugendlichen waren laut und gut besucht, sie wurden mit vielen Mitarbeitern, Kontrollen und Sicherheit versehen. Nicht immer gelang das gewaltfreie Miteinander. Doch mit vielen Worten gelang es in den Jahren ein gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und oft als Schlichter und Berater anerkannt zu werden. ![]() Die Holzkirche nach dem Brand 1996 Die offene Jugendarbeit galt zwar immer als "besonders anstrengend", wurde aber damals immerhin noch finanziell gefördert. Bei dem Versuch unsere Angebote vielfältig zu gestalten fehlte natürlich immer irgendetwas, ob Schlagzeug, Zelte, Bälle oder Werkzeug. Doch zweimal im Jahr konnten Gelder bei der Landeskirche beantragt werden, formlos und damals noch ganz ohne Computer, aber immer mit mündlicher Begründung, manchmal sogar mit langen Grundsatzdiskussionen. Und so lernte ich Paul Schoen kennen, der den "Ausschuss offene Jugendarbeit" leitete. Unsere gemeinsamen Wege führten uns durch so manche Mitarbeitertage mit interessanten Themen, aber auch in fremde Städte mit eigenen Problemen. Auch mit Peter Dufour vom Amt für Jugendarbeit, der den Jugendhilfeverein zu neuem Leben erweckt hatte, einen der ersten freien Träger der Jugendarbeit in Steglitz, haben wir in vielen Projekten zusammengearbeitet. Die Probleme in den Stadtrandgebieten waren bekannt und so förderte der Senat in den neunziger Jahren Wochenendöffnungszeiten unter dem Motto "Jugend mit Zukunft". Doch die Zukunft war bald zu teuer und so wurde das Programm eingestellt. Die Holzkirche war all die Jahre immer ein Ort der Gegensätze und des Ausprobierens. Bürgerliche Jugendliche, andere mit sozialen Defiziten und solche mit Migrationshintergrund kamen hier zusammen. Viele Projekte haben wir uns dafür ausgedacht, haben Reisen nach Frankreich, Griechenland und ins Umland veranstaltet. Kanutouren, kleine Fahrten zur politischen Bildung nach Sachsenhausen und Ravensbrück, Jugendleiterseminare, Mitarbeitertage, Fahrten zu Kirchentagen und zu Landesjugendcamps. Und immer haben wir eine kleine Extrawurst für unsere Jugendlichen herausgeholt, alles im Zeichen der Holzkirche. Keine andere Religion, keine andere Herkunft und keine andere Meinung ist ein Grund für Ausgrenzung und Gewalt. Zu diesen Themen entstanden in den Jahren viele Projekte. Unsere Foto-Aktionen "Ich bin Stolz..." "Wir fordern von den Politikern...!" und "Was heißt hier deuts h?" mit Ausstellungen im Abgeordnetenhaus hatten große Resonanz und gingen als Wanderausstellung quer durch die Stadt. Lesen Sie zu diesem Thema auch:
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