Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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8.12.2019

Zum Monatsspruch Juli 2006

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,

willkommen zu sein, angenommen und aufgenommen zu werden, Platz zu nehmen und gastlich bewirtet zu werden, eben wirklich gewollt und erwartet zu sein, das ist eine heilsame Erfahrung.

In diesem Sommer sind wir Gastgeber, Menschen aus allen Ländern sind unsere Gäste anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in unserem Land. Es sieht aus, als ob wir uns gut machen als Gastgeber, als würden unsere Gäste ihren Aufenthalt in Deutschland, in unserer Stadt genießen können. Gute Gastgeber, zufriedene Gäste, ein offenes und unverkrampftes Miteinanderumgehen – diese Erfahrung übertrifft die Erwartungen vieler Inländer und Ausländer und ist ein guter Grund, stolz und zufrieden zu sein. Die Welt zu Gast bei Freunden – diese Vision scheint erlebbare Wirklichkeit zu werden. Das tut allen Beteiligten gut, unseren Gästen wie uns Gastgebern.

Auch unsere Kirchen und Gemeinden sind in dieser Zeit offen für Fußballfreunde. Hat Fußball etwas mit dem Evangelium zu tun? Willkommen zu sein, angenommen und aufgenommen zu werden – das hat auf jeden Fall sehr viel mit dem Evangelium zu tun.

Wir Christinnen und Christen verbinden Jesus Christus zuerst mit dem Advent, also der Ankunft Gottes bei den Menschen. Er kommt zu uns, als der menschgewordene Sohn Gottes. Wir aber kommen auch zu ihm. Das ist unsere unmittelbare Reaktion auf sein Kommen.

Die Evangelien sind voll von diesen Begegnungen: Jesus nimmt Menschen an, er wendet sich ihnen zu, kommt zu Leuten, denen andere aus dem Weg gehen. Arme, Kranke, Zöllner und Sünder, Frauen, Kinder, Fremde sind ihm wichtig und wertvoll. Jesus bricht religiöse Tabus, er entlarvt Vorurteile und überschreitet Standesgrenzen. Jesus sucht und findet die Bedürftigen und Verlorenen. Dabei weicht er auch den Vornehmen nicht aus: Dem römischen Hauptmann gewährt er die erhoffte Heilung der fernen Krankheit, der studierte Rabbiner bekommt sein Gespräch, der junge Mann mit dem großen Vermögen seine Wegweisung.

Wir lesen in der Bibel aber auch von den vielen Menschen, die sich zu Jesus auf den Weg machen. Sie alle nimmt er an, heißt sie willkommen im Namen Gottes. Die Jünger staunen nicht schlecht, wie ernst es ihr Herr und Meister mit der Gastfreundschaft nimmt: Eine große Volksmenge wird auf seinen Befehl hin bewirtet mit einer lächerlichen Ration an Fisch und Broten. Sogar für die Kinder hat Jesus ein Ohr, er unterbricht bei ihrem Kommen eine Diskussion mit den Gelehrten seines Landes.

Jesus von Nazareth lebt als Sohn Gottes die liebevolle, gütige Zuwendung seines himmlischen Vaters zu uns Menschen. Er kommt zu allen, und alle dürfen zu ihm kommen. Am tiefsten ist diese Wahrheit des Evangeliums wohl ausgedrückt in einem Gleichnis Jesu, vielleicht dem bekanntesten Gleichnis überhaupt: "Ein Vater hatte zwei Söhne. Der jüngere Sohn sprach zu ihm: Vater, zahle mir mein Erbteil aus, ich will weg von Dir und in die Fremde reisen..."

Auf dem Südwest-Friedhof in Stahnsdorf steht ein großer Marmorfries: Menschen kommen zu Jesus, mit ihren Hoffnungen und Ängsten, mit ihren Sorgen und Nöten, Junge und Alten, Kranke und Gesunde.

Der verlorene Sohn ist wohl auch dabei.

Pfarrer Lutz Poetter

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