Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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10.12.2019

Südafrika-Reise
Ein erster Bericht

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Im April war eine Gruppe aus dem Kirchenkreis Steglitz in Südafrika, um dort die Gemeinden im Partner Kirchenkreis, dem MORIA-Circuit (früher: South-East-Cape-Circuit) zu besuchen und sich über die dringendsten Probleme dort, Armut und AIDS, zu informieren.

Am 3. April war es endlich soweit und 14 Teilnehmer aus den drei Gemeinden Lankwitz Dorfkirche, Matthäus und Petrus-Giesensdorf mit mir als Vertreterin machten sich auf die lange Reise nach Südafrika um die Partnergemeinden im dortigen Kirchenkreis Moira-Kirchenkreis zu besuchen.

Über Frankfurt, Dubai, Johannisburg erreichten wir ziemlich erschöpft nach 33 Stunden unser erstes Ziel Kapstadt, wo wir von Pfarrer Otto Kohlstock am Flughafen freundlich empfangen wurden. Mit den gemieteten Autos ging es dann zum Hotel, was recht gewöhnungsbedürftig war. Ein freistehendes Toilettenbecken direkt neben dem Kopfende des Bettes in einem Zimmer, ließ zwei Damen sofort das Hotel wechseln. Wenn ich die 5 cm große Kakerlake, die mich am Morgen begrüßte, als ich mir etwas Frisches zum Anziehen aus dem Koffer nehmen wollte, bereits beim Einzug gesehen hätte, wäre ich sicher auch ausgezogen.

Doch so verbuchte ich sie unter Abenteuerurlaub ebenso wie den Lichtschalter für mein Bad, der außerhalb des Zimmers auf dem Gang war und in der ersten Nacht mehrfach von unkundigen Nutzern der Etagentoilette mein Zimmer taghell erleuchtete. Den Tag ließen wir etwas ruhiger angehen und genossen die grandiose Aussicht bei einem Ausflug zum Tafelberg. Die Sonne bei 25-30°C forderte mit einigen Sonnenbränden zwar gleich ihre Opfer, aber das nahmen wir gern in Kauf.

Der nächste Tag ließ uns mit dem Besuch des Diakonie-Zentrum iThemba Labantu in Philippi mit seinen Problemen Kriminalität, Hunger und AIDS in die südafrikanische Realität eintauchen. Bewegend waren die Eindrücke in dem Elendsviertel der sog. Squattersiedlung, wo Menschen in Behausungen aus Abfallmaterialien wohnen, und dem AIDS-Hospiz. Nach einem Ausflug zum Kap der Guten Hoffnung fuhren wir am Samstag in den 400 Km entfernten Partnerkirchenkreis, wo wir in Mossel Bay, dem Sitz des Superintendenten und der Partnergemeinde von Matthäus die nächsten Tage Station machten.

Der Gottesdienst am Palmsonntag zeigte gleich etwas von der anderen Mentalität der Partner. Warum soll man vorm Gottesdienst still in der Bank sitzen, wenn man die Zeit doch zum Singen nutzen kann? Jemand stimmt ein Lied an und die anderen singen oder klatschen mit. Auch die Kollekte wird nicht eingesammelt, sondern man bringt seinen Teil singend zum Altar. Für das gebastelte Palmkreuz, was am Ende jeder Besucher geschenkt bekam, hatten auch einige aus der Gruppe eine Nachtschicht eingelegt. Fragen nach Inhalten und Zielen der Partnerschaftsarbeit in der Zukunft begleiteten uns von da an bei den vielen Treffen während unserer Besuche in den Partnergemeinden, wo wir meist sehr freundlich aufgenommen wurden.

Täglich standen zwei lutherische Gemeinden auf unserem vollen Programm. So besuchten wir in den nächsten Tagen entlang der Garden Route Pacaltsdorp, Knysna und Riversdale, dann in der Klein Karoo: Kraalsdorn, Amalienstein, Ladismith und Calitzdorp. Wir trafen den Bischof in Riversdale, besuchten eine Schule in Amalienstein und waren bei der Bürgermeisterin von Ladismith zu einem offiziellen Besuch eingeladen. Auf die Übernachtungen im Rufuszentrum in Kraalsdorn mit Strom per Dieselaggregat, Wasser aus dem Tank und Telefonempfang nur, wenn man 30 Minuten den Berg hinauf wanderte, verzichteten einige der Gruppe und blieben lieber im Hotel im 16 Km entfernten Calitzdorp. Wir anderen genossen singend und erzählend die sternenklare Nacht unter dem Stern des Südens. So vergingen die Tage bis Gründonnerstag wie im Fluge.


Kirche in Haarlem
Die Osterfeiertage sollte jeder Teilnehmer in seiner Partnergemeinde verbringen, d.h. die 9 Teilnehmer aus der Dorfkirchengemeinde Lankwitz in Oudtshorn, die 4 Teilnehmer aus Matthäus in Mossel Bay und ich in Haarlem, einer der ältesten Gemeinden im Kirchenkreis.

So fuhren Pfarrer Laser und ich am Gründonnerstag nachmittags von Outshorn ins 160 km entfernte Haarlem, was mit seinen Bewohnern schon etwas Besonderes darstellt. Der Regen, der uns dort im Apfeltal begrüßte, ließ fast vergessen, dass wir uns immer noch in Südafrika befanden. Die deutschen Siedler, die sich dort vor etwa 150 Jahren niederließen, müssen sich gleich recht heimisch gefühlt haben. Mit den freilaufenden Hühnern, Eseln und Kühen, die links und rechts am Straßenrand weiden, dem wenigen Verkehr in diesem Tal weit ab von den Touristenrouten scheint die Zeit still zu stehen. Die vielen verlassenen, verfallenen Gebäude verbreiten im Ort eine gewisse Melancholie und könnten die Kulisse liefern für ein Remake des Films "Spiel mir das Lied vom Tod".

Pfarrer Shadrick Matthys ist mit seiner Frau Esmeralda und dem 9 Monate alten Söhnchen Nathan seit etwa einem Jahr dort in der Gemeinde. In den Gottesdiensten am Gründonnerstag mit der traditionellen Fusswaschung und am Karfreitag gab es erste Kontakte zu Gemeindegliedern.

Am Samstag nach dem Frühstück fuhr Pfr. Laser zurück nach Oudtshorn, bis zum Ostermontag war ich nun allein in unserer Partnergemeinde, dann sollten alle Teilnehmer sich in Haarlem zu einem Abschlusstreffen dort wieder zusammenfinden, um die Frage nach der Partnerschaftsarbeit in der Zukunft in großer Runde noch einmal zu diskutieren. Der Samstag begann mit einem Treffen mit Mitgliedern des Gemeindekirchenrates. 2010 wird die Kirche 150 Jahre alt, das soll groß gefeiert werden. Doch vorher ist noch einiges zu tun. Das Reetdach muss dringend erneuert werden, es regnet schon durch. Es gibt in der Gemeinde außer einem sehr alten Mann niemand, der in der Lage ist, die alte intakte Orgel zu spielen, so ist der Gesang in Haarlem im Gottesdienst im Vergleich zu den sonst in Südafrika erlebten eher kläglich.


Familie Draai
Schön war das Wiedersehen mit Pastor Draai und seiner Familie, die 1992 Giesensdorf besucht hatten.

Wegen eines Unfalls im Gemeindehaus, bei dem Esmeralda sich das Gesicht und eine Hand verbrannte, wurde ich noch am Samstagabend umquartiert. Eine seltsame Stimmung verbreitete der Gottesdienst am Ostermorgen, der vor Sonnenaufgang im Schein von Petroleum- oder Taschenlampen morgens um sechs auf dem Friedhof gefeiert wurde. Nachmittags am Ostersonntag besuchten wir verschiedene Gemeindemitglieder, die z.T. bis zu 30 Km entfernt, weit verstreut im Umkreis von Haarlem wohnen. Besonders das Leben in den RDP- Häusern in Proteaville und Louterwater (RDP steht für Reconstruction Development Programm – also ein Aufbau-Entwicklungs-Programm, in welchem nach Abschaffung der Apartheit für die farbige Bevölkerung Wohnraum geschaffen wurde) beeindruckte und belastete mich stark. Auf etwa 30 qm leben in 2 Zimmern mit winziger Küche und einer Toilette meist 6-8 Personen. Leider hatte ich niemanden mit dem ich diese bedrückenden Erlebnisse im Gespräch verarbeiten konnte. So war ich froh, als montags die Gruppe wieder vereint war. Bei dem Treffen mit den Vertretern der verschiedenen Gemeinden wurde nochmals den Wunsch auf eine Fortführung der Partnerschaften dokumentiert.

Am Nachmittag fuhren wir zu unserer letzten Partnergemeinde ins mehr als 200 Km entfernte Port Elisabeth, wo wir mit einem ergreifenden Gottesdienst mit Tanz und Gesang am Dienstagabend verabschiedet wurden. Von Port Elisabeth aus flog die Gruppe am Mittwoch nach Johannisburg, wo der erste Teil der Südafrikareise beendet war. 9 Teilnehmer traten von dort den Rückflug nach Deutschland an, für uns restliche 5 Teilnehmer begann der zweite Teil der Reise, der uns über Soweto und Kabokweni/White River zum Krüger Nationalpark führte, doch davon werde ich im nächsten Schlüssel berichten.

Wer mehr von der Reise hören und sehen möchte, den lade ich ganz herzlich am Donnerstag, dem 29. Juni um 19:30 Uhr ins Gemeindehaus in der Parallelstraße ein.

Eine Woche vorher, am 22. Juni lädt Pfr. Laser um 19.30 Uhr ins Gemeindehaus Alt-Lankwitz 15 ein. Er berichtet über den Besuch in Südafrika mit Bildern und Video-Aufnahmen.

Sonja Wagner

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