Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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14.12.2019

Pfingsten
Die Kirche hat Geburtstag

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Zu Geburtstagen, zumal wenn die Jubilarin schon im fortgeschrittenen Lebensalter ist, wird gerne auch mal kräftig gefeiert. Die Familie und Freunde kommen zusammen und so mancher Zeitgenosse wacht am nächsten Morgen mit schwerem Kopf wieder auf.

Ausgiebiger Weingenuss, so lautete auch einer der Erklärungsversuche vor 2000 Jahren für die Ereignisse, die sich in Jerusalem zugetragen haben. Und in der Tat muss man sich um einige Teilnehmer der Veranstaltung dort größere Sorgen machen, wenn man den Bericht des Lukas in der Apostelgeschichte (2, 1-13) liest. Von Feuerzungen ist dort die Rede und von gewaltigem Brausen und von Zungenreden, d.h. einem unartikuliertem Lallen.

Mit einer Erklärung der Geschehnisse taten sich viele schwer. Und daran hat sich wohl bis heute wenig geändert. Umfragen auf der Straße nach Sinn und Inhalt des Festes fördern regelmäßig Kurioses zutage. Was also ist nun Sinn und Inhalt des Pfingstfestes, das neben Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im kirchlichen Festkalender darstellt?

Der Name "Pfingsten" entstand aus der Bezeichnung der griechisch sprechenden Juden für ihr Erntefest (Schawuot). Sie nannten es "pentekosté", was sinngmäß "am fünfzigsten Tag" bedeutet. Der griechische Name entwickelte sich über den gotischen Begriff "paintekuste" und den mittelhochdeutschen Ausdruck "pfingesten" schließlich zu seiner heutigen Bezeichnung.

Ursprünglich fand dieses jüdische Fest, mit dem die Weizenernte eingeleitet wurde, tatsächlich 50 Tage nach dem Pessah-Fest statt. Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr änderte sich die Bedeutung: An diesem Tag gedachten die Juden der alljährlichen Erneuerung des Bundes Israels mit Gott und das Pfingstwunder weitet den Bund Gottes mit seinem Volk auf die gesamte Menschheit aus.

Der Evangelist Lukas beschreibt, dass an Pfingsten die Apostel vom heiligen Geist inspiriert wurden und sie die Fähigkeit erhielten, Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache von den Taten Gottes zu berichten.

Eine große Bedeutung bei diesen Ereignissen in Jerusalem kommt dem Apostel Petrus zu. Er begeisterte die Zuhörer getragen vom Geist Gottes mit der Botschaft Jesu soweit, dass sich 3000 von ihnen taufen ließen. Somit gründete sich an Pfingsten die erste christliche Gemeinschaft; der Tag wurde zum Geburtstag der Kirche. Aus denen, die dort in Jerusalem beisammen waren wurden "Begeisterte". Vielen ging ein Licht auf, das zu dem festen Willen führt, aus dem Geist Jesu weiterzuleben.

Mit Begeisterungen tun wir uns allerdings oft schwer. Begeisterung ist allenfalls etwas für Naive, für Fußballfans und für Kinder, wenn's schulfrei gibt. Die Begeisterung mit der König David bei der Heimkehr der Bundeslade vor dem Herrn springt und tanzt, hat ihm die Verachtung seiner Frau Michal wegen dieses eines Königs unwürdigen Verhaltens eingetragen.

Die Folgen jenes Pfingstwunders, jener Begeisterung damals in Jerusalem waren weit reichend: Diejenigen, die vom Geist Gottes ergriffen waren, hielten Gemeinschaft miteinander und verkauften ihr Hab und Gut und verteilten den Erlös unter den Bedürftigen.

In der Rückschau erscheint uns jenes Zusammenleben in totaler Gütergemeinschaft überzogen. Spätere Vernunft und Einsicht haben das Übertriebene zurechtgerückt, die überquellende Begeisterung des Anfangs eingedämmt – aber vielleicht auch den Geist von Pfingsten vertrieben.

Die Nähe Gottes hat König David voller Begeisterung ganz würdelos tanzen und springen lassen. Ein König schreitet, wenn er schon zu Fuß geht, mag Michal abschätzig gedacht haben. Schade, wenn Menschen nur ausgetretene Trampelpfade kennen, erschreckend, wenn wir den Weg der Menschheitsgeschichte betrachten.

Im Geist Jesu ließe sich unkonventionelles Leben in Frieden und Freude, voll Lachen und Feiern, in Recht und Gerechtigkeit entdecken und gestalten. Ob es uns als Gemeinde und Kirche gelingt so "begeistert" und vielleicht auch "begeisternd" von Gott zu reden, ohne dabei abzuheben und sich im "Begeisterungssturm" oder "charismatischen Event" von den Schwachen der Gesellschaft zu entfernen? Zu wünschen wäre es, damit wir den Menschen begeistert von Gott erzählen können und bei ihnen bleiben.

Ein frohes Pfingstfest wünscht Ihnen Ihr

Pfarrer Michael Busch

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