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26.3.2019

Zum Monatspruch Mai 2006

von Susanne Peters-Streu

Fühlen Sie sich angesprochen? Wer ist eigentliche gemeint mit diesem Ausspruch: "Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Jesus Christus."

Der Apostel Paulus schreibt einen Brief an Christen, an eine Gemeinde. Offensichtlich gibt es dort Konflikte und Probleme. Man grenzt sich ab gegeneinander, ist zerstritten über die Frage, was die rechten Voraussetzungen sind, um zur Gemeinde zu gehören.

"Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen" schreibt Paulus im weiteren. Da gibt es also ein verbindendes Kennzeichen, die Taufe! Mit der Taufe ziehen wir Christus an. Ein schönes Bild. Unsere Kleidung zeigt oft etwas von dem, wie wir uns fühlen.

Sie zeigt, was uns wichtig ist, was wir vorhaben, manchmal auch wohin wir gehören. Woran könnte man erkennen, dass ich Christus angezogen habe, dass er es ist in und aus dem heraus ich lebe? An einer andern Stelle in der Bibel treffe ich auch auf dieses Bild vom Anziehen.

"So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut und Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander. Über alles zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit (Kol, 3,12-14)."

Zunächst einmal wird uns zugesprochen: "Ihr seid auserwählt." – "Heilig seid ihr." Das gilt euch, die ihr getauft seid, euch Alten und Jungen, es gilt den Konfirmandinnen und Konfirmanden, die in diesem Monat in unserer Gemeinde ihre Konfirmation feiern. Von Gott her, von Jesus gilt dies, er heiligt Menschen, er macht heil und gut. Man könnte auch sagen: Um Gottes willen, ist jeder so Angesprochene etwas Besonderes, ist von Gott geliebt. Das soll das Leben und das Lebensgefühl bestimmen.

Jesus hat Menschen angesprochen, die Jünger zum Beispiel, Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus und die anderen, er hat sie mit ihren Stärken und Schwächen genommen und zur Kerngruppe der werdenden Gemeinde gemacht. "Heilig" hat er die Menschen gemacht, indem er mit ihnen Wege zu Gott ging.

Ich erinnere an Zachäus, den kleinen Mann: Zöllner von Beruf, geldgieriger Betrüger, einsamer Mann. Der blinde Barthimäus, die Leute wollten nicht, dass Jesus ihn sieht. Die samaritanische Frau am Brunnen. Sie war wegen ihrer Lebensführung ausgestoßen und traute sich nur mittags zum Wasserholen. Aber die Begegnung mit Jesus sorgte nicht nur für die persönliche Einsichten, hier ist "Wasser des Lebens", die Begegnung mit Jesus setzte auch ein neues Gespräch mit den anderen Dorfbewohnern in Gang. "Ob er wohl der verheißene Messias ist?" "Geliebt" hat Jesus die Menschen, indem er ihnen nahe blieb, auch wenn sie sich abwandten.

Ich erinnere an den reichen Jüngling, jenen perfekten jungen Mann, der trotz aller Moralität am Reichtum hängen blieb und dem Ruf in die Nachfolge Jesu ausgewichen ist. Auserwählt, geheiligt, geliebt. Im Evangelium wird uns zugesagt, das dies auch über die irdische Lebenszeit Jesu hinaus gilt. In Christus sind die Menschen zum Heil erwählt. In Christus sind die Menschen geheiligt. In Christus sind die Menschen geliebt. Die Menschen, die Jesus begegneten, aber auch wir, die wir heute darüber lesen.

Wie der Anlass die Kleidung bestimmt und sich das Lebensgefühl auf die Kleidung auswirkt, so sei das auch mit unserem Glauben. Ihr seid alle Gottes Kinder, das verbindet euch untereinander. Ihr seid Geschwister, aber Geschwister haben es oft nicht leicht miteinander. So hilft die Beschreibung wie es aussehen kann Christus anzuziehen. Zieh an herzliches Erbarmen, dann legst du dein dickes Fell ab und interessierst du dich für das Ergehen deiner Mitmenschen, dann fühlst und leidest du mit ihnen.

Zieh Freundlichkeit an und streife deine alten Maske ab, dann spüren die anderen, dass du es gut mit ihnen meinst. Zieh Demut an, dann stehst du zu deinen Schwächen und hörst auf selbstherrlich zu sein. Zieh Sanftmut an, so kannst du Menschen mit ihren Schwächen annehmen, kannst sie stärken in ihren Lebensmöglichkeiten. mehr "jetzt oder nie", dann kannst du anderen Menschen Zeit lassen und brauchst sie nicht vorschnell aufgeben.

Ihr seid alle durch den Glauben Kinder Gottes, so lernen wir uns gegenseitig anzunehmen. Christus anziehen, heißt dann, den anderen so sehen wie Gott ihn gemeint hat, ihn so ansehen wie Jesus ihn und uns ansieht. Welch Segen darauf vertrauen zu können, dass jede und jeder einzelne bei Gott wichtig ist.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu