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23.4.2018

Der 8. Mai 1945 und seine Bedeutung

von Klaus Leutner

Zum 61. Mal jährt sich der 8. Mai 1945. Die Zahl derer, die diesen Tag als Opfer oder Täter bewusst erlebt haben, wird immer kleiner. Die Gefahr, die von Ewiggestrigen für unsere Demokratie ausgeht, ist nicht geringer geworden. Suchen wir also die Begegnung derer, die die diesen Tag als ihren "Befreiungstag" erleben konnten, solange es noch geht.

Auch Deutschland hat in der Nazizeit Opfer bringen müssen, schon deshalb, weil die braune Gefahr nicht immer als solche erkannt wurde. Diesen deutschen Opfern des braunen Terrors gegenüber sind wir dankbar und stolz, dass im Niederringen des Nazismus auch Deutsche, auch hier viel zu viele, u.a. in Berlin Plötzensee oder auch in den Konzentrationslagern ihr Leben für ein besseres Deutschland in die Waagschale gelegt und es verloren haben. Sie stehen gleichberechtigt neben den Opfern unserer europäischen Nachbarn.

Foto: mediaray
Ehemalige Häftlinge auf dem Gelände des damaligen Außenlagers bei Ihrem ersten Besuch im Mai 2001

Wir laden Sie ein, mit unseren Gästen, den ehemaligen KZ-Häftlingen des Außenlagers Lichterfelde aus vielen europäischen Ländern, diesen Tag ihrer und unserer Befreiung, würdig zu begehen.

Die Gedenkfeier an der "Säule der Gefangenen" in der Wismarer Straße 26 – 36 in Lichterfelde, wird also am 8. Mai 2006 um 10 Uhr beginnen und gegen 12 Uhr beendet werden. Aktive Gestalter der Feier- und Gedenkstunde werden Schüler/innen des Oberstufenzentrums Bürowirtschaft und Verwaltung und der Königin-Luise-Stiftung sein.

Das Wort werden der Botschafter Brasiliens, Seine Exzellenz Herr Luis Felipe de Seixas Corréa und der Innensenator von Berlin, Herr Dr. Ehrhardt Körting ergreifen.

Auch brasilianische Soldaten haben in der Erkenntnis zu den Waffen gegriffen, dass, wenn Hitler erst einmal Europa in seinem endgültigen Würgegriff hat, auch ihr Land in den begehrlichen Blick eines nach Weltherrschaft strebenden Nazideutschlands geraten könnte und selbst wenn es so nicht wäre, so war die Waffenhilfe Brasiliens genauso ein Akt der Solidarität wie die Aufnahme von jüdischen Verfolgten in ihrem Land.

Auch ein in Brasilien geborener deutschstämmiger KZ-Häftling war im Außenlager Lichterfelde inhaftiert. Glücklicherweise hat er Hitler und seine Gefolgschaft überlebt. Nach seiner Befreiung beteiligte er sich am Wiederaufbau seiner nunmehrigen Heimatstadt Magdeburg. Die Tochter erzählte mir, wie sehr sie das immer unverhohlener gewalttätige Auftreten von Neonazis in Magdeburg bedrückt. Diesen Neu- und Alt-"Ewiggestrigen" wollen wir zeigen, dass wir nicht bereit sind, die uns von den Opfern Hitlerdeutschlands übergebene demokratische Ordnung abzugeben.

Da wir diesmal die auch in diesem Lager inhaftierte Opfergruppe der "Zeugen Jehovas" ehren wollen, ist eine Lesung von Erlebnisberichten dieser Häftlingsgruppe durch Schüler vorgesehen. Eine Bürgerin, christlich und demokratisch engagiert, hat einen "Stolperstein" gespendet und diesen dem in Lager hingerichteten 22jährigen Wilhelm Nowak gewidmet. Die Spenderin wird uns das kurze Leben des Ermordeten darstellen und den Stein dem öffentlichen Gedenken übergeben. Die anwesenden Botschaften und auch Sie können dann Blumen der Erinnerung an der "Säule der Gefangenen" niederlegen.

Um 18 Uhr beginnt dann der schon zur Tradition gewordene "Abend der Begegnung" mit unseren Gästen in der Dahlemer St. Annengemeinde in der kleinen Kirche mit dem so bedeutungsvollen Tryptichon eines Jesus mit KZ-Hosen am Kreuze und einem auf die Brust genagelten "Judenstern". Der Ort ist für unsere Gäste aus Luxemburg, Holland, Polen, Deutschland und der Ukraine ohnehin mit einem hohen Symbolwert versehen. Pastor Martin Niemöller als Seelsorger dieser Gemeinde war der Begründer des Pfarrernotbundes und wurde ab 1937 im KZ Sachsenhausen und Dachau bis zu seiner Befreiung 1945 von den Nazis gefangen gehalten. Hier haben Sie Gelegenheit, in ungezwungener Atmosphäre mit unseren Gästen ein Gespräch zu führen.

Um 21 Uhr wollen wir unsere Gäste dann wieder in ihr Quartier zur wohlverdienten Ruhe bringen, der sie in diesem hohen Alter besonders bedürfen.

Und noch ein Wort zu den Akteuren. Ohne die großherzige Spendenbereitschaft eines Hoteliers wäre uns die Einladung unserer Gäste gar nicht möglich geworden. Das gleiche gilt für die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" ohne deren Zusage, für die Fahrtkosten aufzukommen, eine Fahrt unserer Gäste nach Berlin gar nicht zu realisieren gewesen wäre. Zu den treuen Sponsoren gehörten auch eine Firma, die uns bisher stets einen namhaften Betrag zur Verfügung gestellt hat, viele Kirchengemeinden und private Spender. Ihnen allen möchten wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank sagen.

Dennoch, die anderen Aufenthaltskosten sind nicht unerheblich, heute und in Zukunft. Eine Spende von Ihnen ist uns hochwillkommen. Ermöglicht sie uns doch, auch im nächsten Jahr unser Werk fortzusetzen und wer sich aktiv einbringen möchte, den begrüßen wir sehr gerne als unser Mitglied in der "Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde".

Ihr Klaus Leutner

Klaus Leutner ist Vorsitzender der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde und Initiator der alljährlichen Einladungen an noch lebende Häftlinge zum 8. Mai nach Lichterfelde zu kommen.

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