Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Rückblick auf ein Leben im Glauben
Persönliche Erinnerungen an Schwester Liselotte Köhler

Am 20. März 2006 verstarb nach langer schwerer Krankheit unsere Schwester Liselotte. Als engagiertes Gemeindeglied und Älteste im Gemeindekirchenrat hat sie aktiv in der Gemeinde gewirkt.

An Schwester Liselotte Köhler erinnern sich Marianne Erlebach und Magdalena Fleischer:

"Es war vor elf Jahren am Ostermorgen in der Petruskirche als ich Schwester Liselotte kennen lernte. Zuerst hörte ich nur ihre klare freundliche Stimme, denn es war noch dämmrig und ich konnte sie nicht richtig sehen. Beim Osterfrühstück kamen wir ins Gespräch. Ich war beeindruckt von Schwester Liselottes herzlichem Wesen und ihrer offenen Art. Nun trafen wir uns oft beim Gang in die Kirche und beim Blumendienst, in der Bibelstunde und bei Veranstaltungen der morgenländischen Frauenmission. Wir sahen uns auch regelmäßig bei den festlichen Nachmittagen mit den Blinden in der Petruskirche. Wir kamen uns so näher und entdeckten viele Gemeinsamkeiten; daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre eine herzliche Freundschaft.

Mit ihrem erfrischenden Humor konnte Schwester Liselotte aus jeder Situation das Beste machen. Ihre ansteckende gute Laune verwandelte alles, so war sie unser Sonnenschein, wenn wir bei Regen im Garten zusammen saßen.

Als großes Geschenk empfand sie ihren 80.Geburtstag. Nie hatte sie gedacht, dass sie nach vielen Krankheiten diesen noch erleben würde. Wie eine Königin thronte sie auf ihrem Rollstuhl im Hotel Morgenland und freute sich über die zahlreichen Gäste, die ihr mit Rosen gratulierten. Sie bekam viel Post aus aller Welt, vor allem von ihren Freunden aus Tansania und Ägypten. Der Klavierspieler beglückte uns mit dem Bonhoeffer-Lied "Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag..." Diese Erfahrung Bonhoeffers finden wir auch in Schwester Liselottes Leben, ihre Kraft wuchs mit den Aufgaben."

Schon als Kind erwachte in Schwester Liselotte der Wunsch, einmal in Afrika als Missionarin zu arbeiten. Das lag an einer bemerkenswerten Frau, die als Vikarin Liselotte beeindruckte – nicht nur damit, dass sie Zigarren rauchte. Von den Bildern und Geschichten im Kindergottesdienst war sie fasziniert. Auch ihre Adoptivmutter war eine nonkonformistische Frau, die als Nazigegnerin zum Kreis um Pfarrer Heinrich Grüber gehörte, der durch sein "Büro Grüber" vielen Juden zur Flucht aus Deutschland half. Mit solchen Vorbildern ging Schwester Liselotte selbst einen ungewöhnlichen Weg.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie bei dem Zehlendorfer Diakonieverband als Krankenschwester ausgebildet. Vom Berliner Missionswerk wurde sie zu einem zweijährigen Bibelkurs geschickt, es folgten die Ausbildung als Hebamme, Sprachkurse in Schweden und England und ein Kisuaheli-Sprachkurs in Tansania. Wie viel Energie sie das alles gekostet haben mag, wo ihr Sprachen lernen nicht leicht fiel, bewundernswert!

Ihre Zeit in Afrika begann 1953 mit stundenlangen Fußmärschen zu den Hütten der Patienten. Als sie dann im Krankenhaus arbeiten sollte, wurde dort ihr deutsches Schwesterexamen nicht anerkannt. Da vertraute man ihr eine neue Aufgabe an: In den folgenden 13 Jahren baute Schwester Liselotte eine eigenständige Frauenarbeit in der Lutherischen Kirche Tansanias auf. Für ihren Reisedienst bekam sie ein Motorrad und später einen Volkswagen.

Sie teilte das Leben der Einheimischen, übernachtete in ihren Hütten, aß dasselbe wie sie und litt mit ihnen an dem Wassermangel während der Trockenzeit. Kindergottesdienste, Bibelarbeiten, mehrtägige Rüstzeiten standen auf dem Programm, außerdem Unterweisungen in Körperpflege, Geburtshilfe und Kindererziehung. Sie wurde Mama Liselotte genannt und überall, wo sie gepredigt hatte, wurden Frauen in den Gemeinden aktiv.

Ein Ergebnis dieser intensiven Arbeit war 1960 ein Brief der Frauen an die Pfarrer der gesamten Südregion, der ein einzigartiges Dokument afrikanischer Frauenemanzipation darstellt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich an Pfarrerin Dr. Almut Nothnagel wenden, sie ist Nahost- und Tansaniareferentin im Berliner Missionswerk und hat einen ausführlichen Bericht geschrieben über Schwester Liselottes Arbeit beim Aufbau einer kirchlichen Frauenarbeit in Tansania. Weitere berufliche Stationen waren die Deutsche Gemeinde in Kairo, in Kassel leitete sie ein Ferienheim und danach das Friedrich-Zimmer-Haus in Berlin-Zehlendorf.

In ihrem tätigen Ruhestand kam Schwester Liselotte nach Lichterfelde. Von 1992 bis 1998 gehörte sie zum Gemeindekirchenrat der Petrusgemeinde. Die oft mühevollen Stunden versüßte sie gern mit kleinen Überraschungen. Für ihren engagierten Einsatz in einer schwierigen Zeit, der sie oft einen Teil ihrer Nachtruhe kostete, sagt ihr die Gemeinde an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön.

Im Blick auf Schwester Liselotte können wir mit dem Kirchenvater Hieronymus sagen: Wir wollen nicht trauern, dass wir sie verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir sie gehabt haben, ja auch jetzt noch besitzen. Denn wer heimkehrt zum Herrn, bleibt in der Gemeinschaft der Gottesfamilie und ist uns nur vorausgegangen.

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