Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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13.11.2019

Elisabeth Schmidt-Bellingkrodt

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Als ich vor nun gut zehn Jahren zum Chor der damaligen Petrus-Gemeinde kam, fiel mir eine Person sofort auf: Elisabeth Schmidt-Bellingkrodt: damals die einzige Frau im Tenor. Mit ihrer liebevollen, offenen Art war sie einem einfach sofort symphatisch und man konnte nicht anders, als ein gutes Verhältnis mit ihr zu finden.

Ihr Lächeln, ihr herzhaftes Lachen wird uns unvergesslich bleiben. Ein gutes menschliches Klima in der Gruppe, bei dem niemand ausgeschlossen wird, war ihr ein großes Anliegen, so fand sie immer gute Worte, wenn es darum ging, Streit zu schlichten; so mancher typische Ausspruch von ihr wird uns in Erinnerung bleiben.

Dabei geschah ein großer Teil ihres Wirkens im Verborgenen: freundlich, aber auch beharrlich gelang es ihr, viele Chormitglieder zu werben; auf neue Chormitglieder ging sie immer zu, mit Sätzen wie "Das ist aber schön, daß Du zu uns gekommen bist". Blieben Mitglieder fern, so war sie es oft, die sich zuerst um diejenigen kümmerte.

Allem neuen gegenüber offen war sie auch von jedem neuen Musikstück im Chor sofort begeistert.

So war sie auch in der Gemeinde vielen bekannt: Mitglied in der Bibelstunde und, als sie es körperlich noch konnte, oft im Gottesdienst.

Geboren 1914 wuchs sie in Neukölln auf. Kurze Zeit bis zu ihrer Eheschließung war sie berufstätig als Kindergärtnerin und Hortnerin. Die folgenden Jahre lebte sie gemeinsam mit ihrem Mann, Herrn Gerhard Schmidt, in Schleswig-Holstein und wurde Mutter von vier Töchtern.

Als Folge einer Erkrankung an Kinderlähmung war sie sehr schlecht zu Fuß und benötigte immer einen Stock zum Gehen. Dieses Schicksal nahm sie als unabänderlich an und sprach auch nicht weiter darüber.

Seit 1945 wohnte sie in der Glauberstraße; viele von uns erinnern sich an ihre Wohnung, an Chorproben bei ihr zu Hause, an gemütliche Treffen bei ihr.

Singen gehörte seit ihrer Kindheit zu ihrem Leben; den Chor in unserer Gemeinde hat sie eine lange Zeit hindurch geprägt: hatte nach Kriegsende zunächst ihr Schwager, Herr Gissel, einen eigenständigen Chor gegründet, in dem sie mitsang und der auch regelmäßig in der Petrus-Gemeinde auftrat, so war sie von Anfang an dabei, als einige Jahre später Frl. Dibelius begann, einen neuen Kirchenchor in der Gemeinde aufzubauen. Elisabeth brachte ihre Familie, sowie viele weitere Verwandte und Bekannte mit zum Chor; ihr Mann sang im Tenor. Ursprünglich Sopran-Sängerin, wechselte sie später in den Alt und schließlich zum Tenor. Es gab wohl kaum eine Probe oder einen Auftritt, den sie versäumte.

Soziales Engangment war ihr wichtig: jahrelang betreute sie Strafentlassene oder Insassen im Tegler Gefängnis; es war ihre Überzeugung, zuerst zu versuchen, den anderen Menschen zu verstehen, bevor sie sich selbst eine Meinung bildete.

Wenn es erforderlich war, so war sie auch immer bereit, im Chor der Kreuzberger St. Thomas-Gemeinde auszuhelfen; auch dort ist sie gut bekannt.

Sie war die Mitbegründerin des Singkreises ihrer langjährigen Freundin Edith Beese, der auch heute noch existiert.

Elisabeth hatte in ihrem Leben schwere Krankheiten zu überstehen, die sie jedoch alle überwand. In den letzten Jahren wurden dann jedoch ihre Kräfte geringer, sie lebte bei ihrer Tochter in Schleswig-Holstein; bis dahin war sie ständig Mitglied in unserem Chor.

Vor zwei Jahren konnten wir noch einmal ein Treffen des Chores mit ihr erleben, als sie bei ihrer Tochter in Teltow zu Besuch war. Hier erlebten wir sie noch einmal fröhlich und ausgelassen wie früher.

Am 7. März dieses Jahres verstarb sie im Alter von 92 Jahren; unser Chor, den sie mit begründet hat, denkt dankbar an die vielen schönen gemeinsamen Erlebnisse mit ihr zurück.

Michael Zagorni

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