ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.1.2019

Ostern 2006

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,



Nora Sturm: Rolling Stones

romanische Basiliken und gotische Kathedralen sind nach Osten ausgerichtet. Ex oriente lux – die Sonne geht im Osten auf. Und dieses Licht der aufgehenden Sonne bricht durch die Fenster in den dunklen Kirchenraum herein und erleuchtet ihn, prachtvolle Rosetten und kunstvoll gefärbtes Fensterglas lassen das Licht funkeln und glitzern.

Nach den kalten und dunklen Wintermonaten spüren wir es besonders: Wir sehnen uns danach, dass die Sonne über uns aufgehe, ihr Licht uns scheine und uns wärme. Es ist uralte Menschheitsanschauung, dass dieses Licht göttlichen Ursprungs sein muss. Im Licht der Sonne leuchtet die Gnade des väterlichen Gottes über uns auf. "Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden." Die Lichtzusage Gottes an sein Volk Israel scheint auf in den Trost- und Segensworten Aarons, die das Dunkel und die Ungewissheit der Wüstenwanderung erhellen.

Ostern ist wie kein anderes Fest der Kirche mit dem Licht der aufgehenden Sonne verbunden. In der Morgenfrühe des ersten Wochentages finden die Frauen nur noch das leere Grab. Der Stein ist weggewälzt. Der gekreuzigte Jesus ist auferweckt. Das aufleuchtende Morgenlicht erhellt die Spuren der Auferstehung. "Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?"

Die Ostersonne wird in der Erfahrung der Christenheit zum Zeichen der gnädigen Zuwendung Gottes zu seiner Schöpfung. Im Wunder der Auferstehung seines Sohnes schenkt Gott einen schöpferischen Neuanfang. Der Tod ist überwunden, das Licht erringt den Sieg. Es erinnert an den ursprünglichen Schein des ersten Schöpfungsmorgens, als Gott das Licht aus der Finsternis herausrief. Der Ostermorgen wird zum achten Schöpfungstag: Gott erweckt seinen Sohn von den Toten – als Ersten der neuen Schöpfung und einer neuen Menschheit von Schwestern und Brüdern auf dieser Erde.

Gerade Ostern erfahren wir es: Das Licht der aufgehenden Sonne ist Zeichen der Freundlichkeit Gottes. Er macht alles neu. Ostern verheißt uns eine lichte Gegenwart und eine strahlende Zukunft, Ostern erscheint unser neues Leben, erleuchtet von Wahrheit und Liebe.

Wir werden Ostern feiern im Morgengottesdienst in unseren Kirchen.

Die mittelalterliche Giesensdorfer Dorfkirche ist aus Feldsteinen als Wehrkirche errichtet. Ihre Fenster blieben schmal, niemand brauchte eine Glasfensterrosette, obwohl die Längsachse der Kirche genau nach Osten gerichtet ist.

Unsere Petruskirche auf dem Oberhofer Platz ist keine romanische Basilika und auch keine echte gotische Kathedrale. Sie ist eher nach Süden als nach Osten ausgerichtet: Das passte wohl besser ins bauliche Konzept von Lichterfelde im ausgehenden 19. Jahrhundert. Und sie hat seit 1955 auch keine Rosette mehr in der Altarwand, durch die das österliche Morgenlicht in den Kirchenraum hereinleuchtet. Das soll unser diesjähriges Osterfest nicht schmälern.

Dennoch bin ich gespannt auf die alte neue Rosette – zum Osterfest 2007 müsste sie vollendet sein.

Frohe Ostern!

Pfarrer Lutz Poetter