ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > April 2006

17.7.2019

Pfarrer Wolfgang H. Neumann
* 23. 11. 1947   † 3. 3. 2006

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu und Pfarrer Lutz Poetter

Wir trauern um Wolfgang Neumann. Er war Pfarrer in der Krankenhausseelsorge im Universitätsklinikum Benjamin Franklin und wohnte in der Gemeinde Petrus-Giesensdorf, der er auf vielfältige Weise verbunden war. Der Tod riss ihn mitten aus seinem Leben, er starb im Dienst: Während er eine Trauerfeier für eine Patientin hielt, erlitt er schlagartig eine innere Blutung. Er starb im Krankenhaus, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Am 23. November 1947 kam Wolfgang zur Welt als zweiter Sohn der Familie Neumann. Er wuchs in der Thorwaldsenstraße in Friedenau auf. Dort besuchte er die Grundschule. Seine gewinnende Art machte ihm den Umgang mit Menschen leicht.

Der junge Wolfgang war begabt, einfallsreich, gewandt in Schrift und Sprache. Er besaß einen unkonventionellen Humor und eine ausgeprägte komödiantische Ader: Er konnte seine Mitmenschen nach kurzer Beobachtung perfekt imitieren. Lachen war seine Domäne. Er führte eine spitze Feder als Redakteur der Schülerzeitung des Steglitzer Gymnasiums. Dem Lehrkörper jedoch missfiel Wolfgangs Humor, er wurde als Clown verkannt, nur Herr Gotthardt hielt damals seine schützende Hand über ihn. Nach der 9. Klasse wechselte Wolfgang zum Goethegymnasium Wilmersdorf.

Kirchlich wuchs Wolfgang in der Nathanaelgemeinde auf. Pfarrer Fritz Eißfeldt, gewann ihn als Jugendleiter und Konfirmandenteamer in der Jungen Gemeinde. In dieser Zeit wuchs Wolfgangs Interesse für Gemeinde und Theologie, woraus sein späterer Berufswunsch entstand.

Bereits als Schüler lernte Wolfgang Elke Hannemann kennen. Ihre Freundschaft begann am 23. September 1967. Im folgenden Jahr bestand Wolfgang das Abitur und begann sein Theologiestudium in Berlin, dann folgten Semester in Marburg und Bethel.
1974 heiratete der Vikar Wolfgang die Buchhändlerin Elke in Berlin. Dem Ehepaar wurde 1978 die Tochter Nora geboren.

Nach dem Vikariat von 1973 bis April 76 wurde er am 20. Juni 1976 ordiniert und arbeitete in der Kirchengemeinde Charlottenburg Nord. Die Gedenkgottesdienst zum 20. Juli in der Gedenkstätte Plötzensee, waren ein wichtiger Teil seines ökumenischen Engagements.

Zu seinem beruflichen Lebensweg gehörte es immer wieder Kontakte zu knüpfen, die lange hielten und aus denen manche Freundschaften erwuchs, wie viele Namen wären hier über all die Jahre zu nennen.

Von 1975-1980 hat er nebenberuflich Erziehungswissenschaften an der FU studiert mit dem Schwerpunkt Erwachsenbildung. 1975 hatte er schon die Ausbildung in der Telefonseelsorge gemacht und dort viele Nachtdienste übernommen.

Im Mai 1988 wechselte er in die Arbeit als Krankenhausseelsorger im Klinikum Benjamin Franklin. Es folgte der erste Kurs in der Klinischen Seelsorge Ausbildung in Bethel. Kontinuierlich hat er sich in diesem Bereich über all die Jahre mit großer Beharrlichkeit fortgebildet, so dass er zum Seelsorgeberater wurde und dann zum Supervisor in der Klinischen Seelsorgeausbildung. 2003 hat er das Kolloquium bei der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie in Straßburg abgelegt und war damit für unsere Landeskirche ein tragender Mitarbeiter für die Seelsorgeausbildung.

Im Klinikum hat er den Patientenbegleitdienst ins Leben gerufen. Er hat Ehrenamtliche für den Besuchsdienst gewonnen und fortgebildet, er hat den Interdisziplinären Arbeitskreis für Psychosoziale Onkologie 1992 mitbegründet, seine letzte Amtshandlung war der Trauergottesdienst für eine dieser Patientinnen, die er über viele Jahre begleitet hat.

Auch in der Ethikkommission des Krankenhauses hat er mitgearbeitet.

So viele Aufgaben und Verantwortung, die er an den verschiedenen Orten übernommen hat, – was dies für uns so wertvoll macht, ist die Art in der Wolfgang Neumann all diese Dinge tat, die Art in er Menschen begegnet ist, die Aufmerksamkeit, die er für andere hatte, die Freude und den Humor, die er ausstrahlte.

Wir danken für alle Gaben die Wolfgang Neumann gegeben waren. Wir danken für alles was er anderen zugute getan hat. In aller Traurigkeit wissen wir in Gott geborgen und wollen uns tragen lassen von dem Glauben und der Hoffnung, die auch ihn getragen haben und die er zu anderen Menschen gebracht hat.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu
und Pfarrer Lutz Poetter