ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.10.2018

Steglitz vor sechs Jahrzehnten
Ein Bezirk erinnert sich

Rede von Dipl. Ing. Klaus Leutner, Vereinsvorsitzender der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde (IKZ)

Liebe Gemeindeglieder der Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf, sehr verehrte Anwesende,
als erstes möchte ich Sie zum 50. Jahrestag der Wiederbedachung Ihrer Kirchen beglückwünschen.

Dieser Gedanke verbindet sich bei den Mitgliedern unseres Vereins und sicher auch bei Ihnen mit dem Gedanken, dass es Deutsche waren, die den Menschen von Warschau, Rotterdam und Coventry – um nur einige Städte zu nennen – die Dächer von deren Häusern wegbombardierten. Gleichzeitig überzogen unsere Vorfahren die besetzten Länder Europas mit Mord und Völkervertreibung. Viele von den Menschen, die sich deutschem Herrschaftsanspruch widersetzten, wurden unter anderem auch in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Dazu zählte auch das KZ-Außenlager hier in Lichterfelde.

Wer das alles von einer Kulturnation, die Goethe und Schiller ihr eigen nennt, erlebt hat, wie mag der über unser Land und deren Menschen denken? Hier setzte bei uns mit vielen Lichterfelder Bürgern – auch aus Ihrer Gemeinde – ein Nachdenken darüber ein, sie, die Opfer Deutschlands einzuladen, ihnen zu sagen, dass wir das ihnen angetane Unrecht nicht wiedergutmachen können, aber uns verantwortlich fühlen. Dafür verantwortlich fühlen, dass sich ein solcher Albtraum der Barbarei nicht wiederholen soll.

Ihr Pfarrer Lutz Poetter sprach dies am 8. Mai 2001 an der Säule der Gefangenen am Teltowkanal aus und gab so dem ersten Treffen mit ehemaligen KZ-Häftlingen das Gepräge. Dieses Zeichen, das von ihm, von Ihnen und von uns ausging, haben die Menschen, denen dieses Unrecht widerfuhr, sehr dankbar entgegen genommen.

Ich erinnere mich, dass wir damals am 8. Mai zwei Opfern Deutschlands eine Plausibilitätsbescheinigung mit dem Siegel Ihrer Gemeinde mitgeben konnten, um ihnen so zu einer geringen materiellen Entschädigung verhelfen zu können. Gemeinsam mit Ihrer und weiteren Gemeinden feiern wir seitdem mit den zu Freunden gewordenen ehemaligen KZ-Häftlingen am 8. Mai den Jahrestag ihrer und unserer Befreiung von der Nazibarbarei.

Für diese und andere Gesten der Versöhnungsbereitschaft mit den Opfern Hitlerdeutschlands, die sich auch in Kollekten und anderen Spenden äußert, möchte ich Ihnen in Namen unserer Initiative sehr herzlich danken.

Ich wünsche uns allen einen nachdenklichen Gang durch die Ausstellung und lade Sie schon jetzt zum 8. Mai 2006 an die "Säule der Gefangenen" in der Wismarer Straße ein.

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