ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.7.2019

Jahreslosung 2006

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde!

Es steht so in der Bibel: Niemand reichte an Mose heran. Keiner, der nach ihm kam, konnte ihm das Wasser reichen. Die Schuhe, die er hinterließ, waren viel zu groß für seine Nachfolger. Auf wen traf dieser Spruch besser zu als Josua, den direkten Nachfolger des großen Mose? Als Führer des Volkes Israel steht Mose in der Bibel da als ein einzigartiger Gigant.

Jahwe, der Gott der Väter hatte ihn berufen, der Heilige Israels selbst hatte sich dem Flüchtling Mose im brennenden Dornbusch zu erkennen gegeben: "Ich bin, der ich bin!" Aus göttlichem Mund vernahm der dann seine Berufung: "Mose, geh du hinab nach Ägypten und sage dem Pharao, er soll mein Volk ziehen lassen!" Und Gott selbst war mit Mose und seinem Gefährten Aaron – beim Kräftemessen mit dem ägyptischen Gottkaiser und seinen Zauberpriestern, bei den schrecklichen Plagen und schließlich beim Auszug des Volkes Israel aus der Gefangenschaft.

Mit der Macht Gottes vernichtete Mose die Streitmacht des Pharao im Schilfmeer, fand Wege und Nahrung auf der endlosen Wüstenwanderung. Am Sinai lagerte sich das Volk abwartend am Fuß des Berges, während Mose allein zum Gipfel aufstieg, um Gott zu begegnen und von ihm die Tafeln der Tora empfing.

Das hebräische Findelkind Mose, benannt und erzogen von einer ägyptischen Prinzessin am Pharaonenhof war nach Mord, Flucht und Rückkehr die hervorragendste Persönlichkeit Israels und zur Schlüsselfigur des Exodus und der Wüstenzeit geworden. Im Rang stand er neben den großen Urvätern Abraham, Isaak und Jakob, wie mit ihnen hatte Gott auch mit Mose von Angesicht zu Angesicht einen Bund geschlossen.

Aber die Zeit des großen Führers neigte sich ihrem Ende zu. An der Grenze des versprochenen Landes angekommen, hatte er seine Lebensaufgabe erfüllt. Mose war hochbetagt, nun stand ihm nur noch sein Tod vor Augen. Er bestimmte nach dem Willen Gottes Josua zu seinem Nachfolger: "Sei getrost und unverzagt; denn du wirst dies Volk in das Land bringen, das der Herr ihren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, und du wirst es unter sie austeilen. Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht!"

Bald nach diesen Worten an Josua sang Mose sein Abschiedslied, segnete die 12 Stämme Israels und starb auf dem Berg Nebo – mit dem Blick über den Jordan auf das Gelobte Land, das er nicht betreten würde. Sein Volk beerdigte Mose im Tal und beweinte ihn 30 Tage lang.

Josua aber war nun allein. Er, der Sohn Nuns, ein einfacher Mann aus dem Volk, noch ohne große Erfahrung. Besaß er wirklich die hervorragenden Eigenschaften, die ihn zum neuen Führer des Volkes Israel bei der Eroberung und Besitznahme Kanaans befähigten? Vielleicht hegte er selber Zweifel, wenn er an die letzten Worte seines großen Vorbildes dachte: "Fürchte dich nicht und erschrick nicht!" Die Lage war tatsächlich zum Fürchten und Josua erschrak heftig mit allem Volk, wenn er auf das Land jenseits des Jordans blickte: Mächtige Stadtstaaten in uneinnehmbaren Festungen wie Jericho und Ai beherrschten das kanaanäische Umland, der Einzug des Volkes Israel konnte leicht zu einem Himmelfahrtskommando werden...

War Josua der geeignete Mann für diese eigentlich unlösbare Aufgabe? Mose hatte sie ihm zugetraut und ihm göttliche Unterstützung zugesichert. Aber nun war er tot und begraben. Und was würden die Männer, Frauen und Kinder des Volkes Israel tun? Würden sie ihm glauben, ihm folgen über den Jordan wie sie Mose gefolgt waren bei der Flucht aus Ägypten und dem langen Zug durch die Wüste?

Eine neue Ära brach an, beschrieben im Buch Josua. Und gleich zu Beginn lesen wir das erlösende Wort Gottes an Josua: "Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir, sein."

Alles würde gut werden.

Lutz Poetter