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21.1.2019

Der heilige Martin von Tours

von Lutz Poetter

Um 316 wurde Martin in Sabaria, Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien im heutigen Ungarn, als Sohn eines römischen Offiziers geboren, der ihn nach dem römischen Kriegsgott Mars "Martinus" nannte.

Er wuchs im norditalienischen Pavia auf, wohin sein Vater als Stabsoffizier versetzt wurde. Mit 15 Jahren trat Martin in die römische Armee ein, wie üblich für Söhne von Berufssoldaten schwor er den Fahneneid. Martin diente in einer Eliteeinheit, der "Berittenen Kaiserlichen Leibgarde" unter Kaiser Constantin.

Während seiner Dienstzeit in Gallien bereitete sich Martin auf seine Taufe vor. Er wollte Christ werden und lebte bereits praktisches Christentum und tätige Nächstenliebe. Seine frühe Biografie zeichnet ihn als selbstlosen jungen Mann: Er stand Kranken bei, brachte Notleidenden Hilfe, gab Hungernden Nahrung, bekleidete Nackte. Von seinem Sold behielt er nur das für sich selbst, was er unbedingt zum Leben brauchte. Auch bei seinen Kameraden war Martin beliebt – nicht als Haudegen und Draufgänger, sondern wegen seiner Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit. Dabei war er ein erfolgreicher Soldat und wurde bereits nach kurzer Dienstzeit zum Offizier befördert.

Um das Jahr 334 war der achtzehnjährige Gardeoffizier der Kavallerie in Amiens stationiert. Sein Schlüsselerlebnis hatte der junge Martin in dieser Stadt.

Der Winter war hart, viele Menschen erfroren in der strengen Kälte. Martin begegnete am Stadttor von Amiens einem armen, unbekleideten Mann. Martin trug seine Waffen, seinen Harnisch und seinem Militärmantel. Der nackte Bettler bat die Passanten um Erbarmen, doch niemand kümmerte sich um den Erfrierenden. Da begriff Martin, dass der Bettler gerade auf ihn gewartet hatte, da die anderen Menschen kein Erbarmen mit ihm hatten.

Martin nahm sein Schwert, teilte seinen Mantel in der Mitte und gab die eine Hälfte dem Armen als Schutz gegen die Kälte. Die übrig gebliebene Hälfte legte er sich selbst um die Schultern und sah damit lächerlich aus. Schaulustige machten sich lustig über den reitenden Offizier mit dem abgeschnittenen Mantel. Zum Spott seiner Mitmenschen kam die Bestrafung durch seine Vorgesetzten: Drei Tage Arrest wegen mutwilliger Beschädigung von Militäreigentum. Die Mantelteilung war Martin anscheinend übel bekommen.

In der folgenden Nacht jedoch hatte Martin einen bedeutsamen Traum: Er sah den Bettler wieder vor sich mit seinem halbem Soldatenmantel – und diesmal erkannte in ihm Jesus Christus! Was er dem frierenden Bettler am Stadttor getan hatte, das hatte er in Wahrheit Christus getan. Der Herr selbst war ihm begegnet und lobte ihn nun im Traum für seine Tat!

Die Zeit der Vorbereitung war vorbei. Martin ließ sich taufen, er wollte offiziell Christ sein.

Später trat er auch aus der kaiserlichen Garde aus. Er wollte lieber als Ritter Christi leben. So wurde er zunächst Priester und mit 56 Jahren Bischof der Stadt Tours – auf Drängen der einfachen Bevölkerung, die ihn liebte und verehrte. Er lebte einfach und diszipliniert in einer Klosterzelle, von bischöflichem Prunk hielt er nichts. In seinem Dienst und seiner Bescheidenheit galt er als warmherzig und liebevoll, in seiner christlichen Überzeugung gradlinig und unbeugsam. Mächtige römische Kaiser und Kirchenfürsten bekamen seine Furchtlosigkeit und Härte zu spüren, wenn es um die Wahrheit ging.

Schon zu Lebzeiten wurde Bischof Martin im Kirchenvolk wie ein Heiliger verehrt, viele Wundergeschichten ranken sich um ihn. Er wurde der erste Heilige der Kirche, der nicht gewaltsam als Märtyrer getötet wurde.

Bischof Martin lebte über 80 Jahre lang, er starb auf einer Dienstreise. Am 11. November 397 wurde er in Tours unter ungeheurer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Seitdem ist der 11. 11. sein Tag im Festkalender. Wir feiern ihn mit einem Martinsumzug und einem Martinsfeuer. Das ist gut zu erkennen in der Dunkelheit. Ebenso gut wie der junge Offizier auf seinem Pferd, der sich barmherzig zum frierenden Bettler herabbeugt und seinen Mantel mit ihm teilt. Die Leuchtkraft dieses heiligen Reiters hält bis heute an.

Die Bilder zeigen moderne Skulpturen von Martin und dem Bettler. Ich fand sie vor der Burg Blomberg im Weserbergland.

Pfarrer Lutz Poetter

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