ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.5.2019

Projekt 2005: AKINDA-Netzwerk
Einzelvormundschaften Berlin sucht ehrenamtliche Vormünder für junge unbegleitete Flüchtlinge

Vladimir (13) hat in den Bürgerkriegswirren in Tschetschenien seine Familie verloren. Er konnte mit Hilfe von Bekannten aus seiner zerstörten Heimat fliehen, um den Krieg endlich hinter sich zu lassen und in Deutschland eine neue Lebensperspektive zu finden. Sein Asylverfahren dauert noch an.

Mary (17) hat mit Hilfe einer kirchlichen Organisation unter dramatischen Umständen ihr Herkunftsland Sierra Leone verlassen, um den Soldaten der Rebellenarmee nicht länger als Sexsklavin dienen zu müssen. Nach einer dreimonatigen Odyssee kam sie in Berlin an. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, und sie erhielt eine Duldung, da eine Abschiebung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist.

Wie Vladimir und Mary halten sich ca. 1.000 Kinder und Jugendliche als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Berlin auf, um hier Schutz vor Verfolgung, Krieg, Sippenhaft oder Armut zu finden.

Sie alle eint, dass sie ihre Heimat unfreiwillig verlassen mussten und ohne Eltern oder andere Verwandte ins Berliner Exil geflohen sind.

Die Suche nach einer neuen Lebensperspektive ist für diese Kinder und Jugendlichen allerdings mit vielen Hürden bestückt: Sie müssen sich in völlig neue kulturelle Gegebenheiten integrieren, sie müssen Deutsch lernen, sich auf ein ihnen fremdes Schul- oder Ausbildungssystem einstellen, ein Leben im Jugendwohnheim führen und sich durch den deutschen Behördendschungel kämpfen.

Sie müssen mit der Ungewissheit leben, oft nicht zu wissen, was aus ihrer Familie geworden ist und Freunde vielleicht niemals wieder zu sehen.

Doch sie erleben auch ihre erste Liebe, ein erstes Gefühl von Sicherheit und Freiheiten, die sie in ihrem Herkunftsland nicht kannten.

Oftmals sind die Minderjährigen mit all diesen Problemen und Fragen überfordert. Sie wünschen sich eine Person zur Seite, die sie in lebenspraktischen Dingen berät, sie zu Ämtern begleitet, ihnen beim Deutschlernen hilft und ihre rechtliche Vertretung (Vormundschaft) übernimmt.

AKINDA - Netzwerk Einzelvormundschaften Berlin sucht und berät seit 8 Jahren ehrenamtliche Vormünder für unbegleitete Flüchtlingskinder. Das Projekt vermittelt den Kontakt zwischen Ehrenamtlichem und dem jungen Flüchtling und steht den Vormündern beratend in allen auftauchenden Fragen zur Seite. Die Ehrenamtlichen profitieren von mindestens 8 Fortbildungsveranstaltungen im Jahr und einem regelmäßig stattfindenden Gesprächskreis.

Vormund kann jede Person werden, die volljährig ist, die Spaß am Kontakt mit jungen Menschen hat und sich auf sehr direktem Wege für Flüchtlingskinder engagieren möchte – auch Sie können eine Vormundschaft übernehmen!

Mary und Vladimir haben mit Hilfe von AKINDA - Netzwerk Einzelvormundschaften Berlin einen ehrenamtlichen Vormund gefunden.

Frau K. trifft sich regelmäßig mit Vladimir und hilft ihm bei den Hausaufgaben. Manchmal lädt sie ihn am Wochenende zu sich nach Hause ein und ihre Familie und Vladimir unternehmen etwas gemeinsam. Sie hat Vladimir in einem Berliner Fußballverein angemeldet und hofft, dass er dort schnell Freunde findet.

Frau L. hat vor 2 Jahren die Vormundschaft für Mary übernommen. Sie hat ihr geholfen, das Asylverfahren zu verstehen und hat ihr einen Anwalt besorgt. Mehrmals im Monat besucht sie Mary in ihrer Jugend-WG. Die beiden reden dann viel über die Situation in Sierra Leone und das Leben in Deutschland. Mary macht gerade ihren Schulabschluss und möchte eine Lehre beginnen. Frau L. wird sie dabei unterstützen.

Wenn Sie Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit als Vormund haben, können Sie Kontakt zu AKINDA aufnehmen:

AKINDA – Netzwerk
Einzelvormundschaften Berlin
c/o XENION
Paulsenstr. 55-56
12163 Berlin
E-Mail
Tel.: 030 – 327 09 340
Ansprechpartner: Andreas Meißner / Claudia Schippel