Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.9.2019

Zum Gedenken an Roger Schutz

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Weltweit trauern Christen verschiedener Nationalitäten und Konfessionen um Frere Roger, den Begründer der Gemeinschaft von Taizé. Schon in dieser Feststellung ist das enthalten, was Roger Schutz und sein Werk so besonders machten: Die Kraft, über Grenzen hinweg zu versöhnen und zu inspirieren.

Schutz war am 16. August während des Abendgebetes von einer vermutlich geisteskranken Frau niedergestochen worden und starb kurz darauf. Am 23. August wurde er auf dem kleinen Friedhof in Taizé beigesetzt, an dem Trauergottesdienst nahmen Vertreter der evangelischen, katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche und prominente Politiker, darunter auch Bundespräsident Horst Köhler, teil.

Schutz war am 12. Mai 1915 in der Schweiz als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren worden, auch er selbst studierte Theologie. Seine Mutter kam aus Frankreich, wohin er 1940 übersiedelte. Er ließ sich in dem kleinen Ort Taizé nieder. Die Erfahrungen der Kriegsjahre, die er dort machte, bereiteten bereits seine spätere Arbeit vor. Er versteckte Juden und andere Verfolgte, musste selbst vor der Gestapo fliehen und kümmerte sich nach Kriegsende um deutsche Kriegsgefangene.

Auch die ersten Mitstreiter fand er in dieser Zeit, die mit ihm ein Leben in christlicher Gemeinschaft, Liebe und Spiritualität führen wollte. 1949 gründeten sie eine Gemeinschaft von Brüdern, die sich, obwohl zunächst alle Brüder Protestanten waren, durch Gelübde zu Ehelosigkeit, Armut und Gehorsams verpflichteten. Was die Gemeinschaft von Taizé daneben auszeichnete und bis heute auszeichnet sind ihre besonderen Formen der Spiritualität und der Liturgie, in denen Gemeinschaft, Gebet, Gesang und Lichter eine besondere Rolle spielen.

Die Gemeinschaft wuchs beständig und zieht als internationales Pilgerzentrum seit Jahrzehnten Tausende von Menschen an, unter ihnen viele Jugendliche, die ganz besonders die Spiritualität und das Gemeinschaftserleben suchen. Die Gebete, Gottesdienste und Gesänge von Taizé haben so bereits ganze Generationen von Christen geprägt und ihren Weg in die Praxis unzähliger christlicher Gemeinden gefunden.

Zur Faszination von Taizé gehört, dass es den Brüdern um Frere Roger gelungen ist, vieles zu verwirklichen, was sich Christen heute wünschen, was sonst aber oft nur sehr schwer erreichbar scheint: Gemeinschaft, Ökumene, Spiritualität.

Gelungen ist ihnen das, weil sie es überzeugend gelebt haben, heute noch leben und über den Tod von Roger Schutz hinaus leben werden. Taizé lebt vor, dass Offenheit nicht Unverbindlichkeit, die Pflege alter Traditionen nicht Verknöcherung nach sich ziehen muss und das Neuanfänge nach 2000 Jahren Christentum immer noch möglich und sinnvoll sind.

Es sind diese Erfahrungen, die die Brüder von Taizé und mit ihre Gästen aus aller Welt und allen Konfessionen auch weiter teilen werden. Wir haben mit Frere Roger einen geliebten und verehrten Menschen verloren, aber sein geistiges und geistliches Erbe wird weiterleben. Für das nächste große Jugendtreffen in Mailand zur Jahreswende werden bereits Zehntausende erwartet.

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