ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.5.2019

Schweden

von Susanne Peters-Streu und Roman Stolzenberg

Liebe Gemeinde,
in diesem Jahr hatten 20 Jugendliche im Alter von 14 – 17 Jahren die Gelegenheit, an einer Paddeltour in Schweden teilzunehmen.

Diese Jugendreise, vorbereitet von unseren Pfarrern Lutz Poetter und Susanne Peters-Streu, führte uns für eine Woche in die "Wildnis" von Schweden. Von Tag zu Tag waren wir mit dem Kanu unterwegs, übernachteten immer an einer Stelle mitten im Wald nur mit Feuerstelle und Plumpsklo, die zweite Woche verbrachten wir im Basiscamp in Gustavsfors. Dieser kleine Ort liegt direkt auf der Grenze zwischen Värmland und Dalsland. Eine Schleuse verbindet die beiden großen Seen Lelang und Västra Silen miteinander.

Zur Abfahrt am 30. Juni um 19.30 Uhr standen alle pünktlich an der Petruskirche bereit, trotz einiger Unkenrufe kam der Bus pünktlich und es ging los Richtung Norden. Nach der mehr oder weniger durchwachten Nacht im Bus und auf den 2 Fähren – von Rostock nach Gedser fuhren wir von Mitternacht eine Stunde und fünfundvierzig Minuten und dann um 4.30 Uhr für 20 Minuten von Helsingör nach Helsingborg – kamen wir um 10.30 müde in Gustavsfors an. Die meisten in der Erwartung, erst einmal einen Tag Ruhe zu haben, doch wir brachen nach diversen notwendigen Erledigungen, wie Lebensmittel verteilen, Brot und Milch einkaufen, Probezeltaufbau und abholen der Gerätschaften für das Paddeln und Campen, noch am selben Tag auf. Auf dem Wasser waren auch die Lebensgeister wieder geweckt.

Von jetzt an hieß es jeden Abend: Wir brauchen ein geeignetes Plätzchen um unsere Zelte auf möglichst eben Boden und ohne zuviel Wurzeln im Untergrund aufbauen zu können. Manches Anlanden gegen Abend glich dann einer Landeroberung einschließlich Wettlauf um den besten Platz. Zelt aufbauen, kochen, schwimmen und vor allen Dingen an der dafür vorgesehenen Stelle Feuer machen, eine gemeinsame Runde am Abend mit Rückblick und Ausblick auf den neuen Tag. Am Morgen dann in umgekehrter Reihenfolge: Schwimmen, Frühstücken (leider hatten wir 4 kg Müsli im Basiscamp vergessen), Zelt abbauen, wieder alles in den Booten verstauen.

Der erste Regen war ein Naturschauspiel: Herrlichster Sonnenschein, wir machen Pause am Ufer, einige sind im Wasser schwimmen, andere essen, lesen oder lassen sich einfach die Sonne auf den Bauch scheinen. Plötzlich ein Geräusch: Prasseln, wir sehen und hören wie sich die Regenfront auf dem über einem Kilometer breiten See in Windeseile auf uns zu bewegt, kaum eine Chance noch die Regenjacke aus dem Boot zu ziehen, in Minuten sind wir durchweicht, auch die Flucht unter die Bäume hilft kaum. Nach einer Viertelstunde ist alles vorbei. So werden wir schnell wieder trocken, aber die Regenjacken werden von jetzt an nicht mehr so tief verstaut.

Mit unserer Naturkarte sind wir berechtigt auf den für Gruppen eingerichteten Plätzen zu übernachten, an diesem Tag sollt es noch eine ganze Zeit dauern, bis wir ziemlich erschöpft unseren Platz im Blomsjön erreichten. Den Lelang hatten wir durch einen kleinen Bach verlassen, dort trafen wir auf eine kanadische Wildgansmutter und ihren zwei Junge, am Ende des Baches folgt die erste Landumtrage. Das heißt Boote auf den Bootswagen setzen und dann mit viel Kraftanstrengung Berg hoch und runter über Land bis zur Einsetzstelle im nächsten See. Wenn wir an diesem Tag gewusst hätten, welche zwei schweren und eine besonders lange Umtrage uns am nächsten Tag bevorstehen... gut das man nicht immer alles vorher weiß!!

Über den Nederen und den Övre Blomsjön erreichen wir am dritten Tag den Foxen, heute sollte uns das erst mal der Wind kräftig von vorn entgegen blasen, aber die Sonne meinte es gut mit uns. Wir fanden eine schöne Insel zum Anlegen viel Platz für die Zelte und einem Bestaunenswerten Ameisenhügel von gut 1,50 Höhe und Durchmesser.

Am nächsten Morgen, das Müsli war alle, der Wind blies kräftig von vorn, ein Boot wäre fast abgetrieben auf die andere Seeseite, aber alles ging gut und Lennartsfors mit Schleuse und Einkaufsladen lag vor uns, nach vier Tagen endlich wieder ein Wasserklosett, Chips, und was man so an lebenswichtigen Dingen so braucht. Die letzte der drei Schleusenkammertüren öffnete sich und uns pfiff ein heftiger Wind entgegen, der Schleusenwärter hatte uns schon mit auf den Weg gegeben nicht wie geplant die nächste Insel anzusteuern, sondern uns unter Land zu halten und so eben ein erheblich längeres Stück als ursprünglich geplant zu paddeln. Der Kräfte zehrende Wind von vorn begleitet uns auch die letzten zwei Paddeltage, so dass wir alle doch froh waren, als wir am Donnerstag nach ca. 80 gepaddelten Kilometern wieder gesund in Gustavsfors eintrafen.

Jetzt war erst mal ausruhen, duschen, spielen, jederzeit einkaufen gehen können, alles was nicht anstrengt angesagt. Die Verpflegung wurde erheblich besser, keine Fertiggerichte aus der Tüte mehr, sondern Geschnetzeltes und Spitzen-Buletten von Viktor und Armin, Köttbullar und Thailändische Gemüsepfanne, riesige Salatschlüsseln, aber alles doch auch begleitet von dem Murren: Was, mehr nicht? Ich habe aber gar nichts abgekommen! Die letzten Tage im Camp vergingen bei brütender Hitze schnell. An langes Ausschlafen war in den Zelten nicht zu denken. Die Unentwegten liefen jeden Tag zur sehr schönen aber 2 km entfernten Badstelle. Ein hartes und schweißtreibendes Vollyballturnier fand statt und am Montag ging’s nach Oslo, das nur ca. 150 km entfernt liegt.

Nach zwei schönen Wochen ging es überNacht wieder zurück Richtung Süden, der Bus kam gut voran, so dass wir nicht wie geplant um 12.30 in Berlin waren, sondern schon um 8.00 Uhr an der Petruskirche von den herbeitelefonierten Eltern in Empfang genommen wurden.

Schön war’s!

Roman Stolzenberg / Susanne Peters-Streu