ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.1.2019

Seelsorge an kranken Menschen in Steglitz

Verena Heß, Wolfgang H. Neumann, Birgit Preis, Gabriele Weeke

Campus Benjamin Franklin

Das sind wir 5 von der Seelsorge im "Klinikum" (jetzt: Campus Benjamin Franklin der Charité) und im St.Marien-Krankenhaus. Unsere Büros sind eng, aber in unseren Häusern haben wir ein weites Feld für die Begegnung mit kranken Menschen.
Auch wenn sich unser Arbeitsfeld in den letzten Jahren immer wieder verändert hat und sicher auch in Zukunft verändern wird, bleibt unsere Motivation aus dem Jesuswort in Matthäus 25, 36b die gleiche: "Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht."

Die Arbeit im früheren "Klinikum Steglitz" hat sich verändert, das bleibt nicht ohne Folgen für uns. Durch die Gesundheitsreformen haben sich die hier ohnehin kurzen Liegezeiten der Patienten in den noch gut 1100 Klinikbetten weiter verringert. Häufig bleiben deshalb unsere Begegnungen am Krankenbett "einmalig". Andererseits kommen Patienten öfter wieder. Dann können wir Gesprächsfäden wieder aufnehmen. Unser Klinikum Benjamin Franklin ist jetzt als "Campus" Teil der großen Charité. Das bringt zusätzlichen Aufwand für uns, weil wir uns mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Campi abstimmen müssen. Es macht uns aber als nahezu 20köpfige Gruppe auch stärker in der Vertretung gegenüber der Klinikumsleitung. Im Klinikalltag sind wir fast wie eine Abteilung des Hauses angesehen, wir sind akzeptiert und öfter auch gern gesehen. In der Fortbildung (z.B. zum Thema Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden) sind wir sogar begehrt! Durch die Presse ging, dass Tausende Stellen eingespart werden müssen. Das sorgt nicht für gute Stimmung im Haus. Aber die bange Frage, ob das Haus überhaupt erhalten bleibt, ist erst einmal vom Tisch.

Unsere Arbeit vor Ort

Wenn wir kranke Menschen besuchen, dann steht für sie und ihre Angehörigen in der Regel die Krankheit im Vordergrund, sei es, dass sie gerade eine schwerwiegende Diagnose erfahren haben, sei es, dass sie sich Sorgen wegen einer Operation machen oder nicht wissen, wie es weitergehen soll. Aber auch in persönlichen Krisen, Fragen nach dem Sinn des Lebens, oder wenn sich jemand einfach mal aussprechen möchte, haben wir ein offenes Ohr – und das auch für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Hauses.

In der Regel gehen wir zu kranken Menschen, wenn sie selbst, ihre Angehörigen oder auch Ärzte oder Pflegende um einen Besuch gebeten haben. Wir suchen aber auch von uns aus den Kontakt zu ihnen, wenn sie bei der Aufnahme angegeben haben, dass sie evangelisch sind, oder gehen – wenn noch Zeit ist – auch durch alle Zimmer auf einer Station, um uns bekannt zu machen, gute Besserung zu wünschen oder gezielt zu einer unserer Veranstaltungen einzuladen. Eine weitere gute Gelegenheit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, ist der Verkauf von Kreuzen, Engeln und andere Symbolen unseres Glaubens, die wir in unserem Schaukasten ausgestellt haben und die im Laufe der Zeit immer größeres Interesse gefunden haben.

Besuche und Gespräche nehmen zwar einen breiten Raum in unserem Tagesablauf ein, doch erschöpft sich unsere Tätigkeit nicht in ihnen. Wie in den Gemeinden, so feiern auch wir an jedem Sonntag Gottesdienst, jeweils mit Abendmahl im Anschluss daran. Und an jedem Mittwoch bieten wir "Musik in der Kapelle" an, eine Stunde, in der Gelegenheit ist, bei meditativer Musik (von einer CD) aufzuatmen, ein Gebet zu sprechen oder eine Kerze anzuzünden als Ausdruck der Hoffnung oder des Dankes. Aber auch persönliche Feiern wie Krankenabendmahl und –segnung, Gedenkfeiern für verstorbene Patienten oder Mitarbeiter oder auch ein besonderer Dankgottesdienst finden bei uns statt.

Für vieles, was wir tun und planen, sind wir auf gute Zusammenarbeit im Haus angewiesen und bemühen uns darum: zunächst mit unseren katholischen Kollegen und den Psychologinnen des Hauses, aber auch mit ganz unterschiedlichen Abteilungen des Hauses, wie z.B. dem Sozialdienst, der grafischen Abteilung, der Technik oder den Pförtnern.

Von besonderer Bedeutung aber sind für uns unsere Ehrenamtlichen, die z. T. seit Jahren kranke Menschen auf einzelnen Stationen besuchen. Ohne ihren Einsatz wäre es uns nicht möglich, unsere Arbeit in der jetzigen Form zu tun. Deshalb sei ihnen an dieser Stelle auch ausdrücklich gedankt.

St. Marien-Krankenhaus

Manches ist hier anders für die Pfarrerin und die Mitarbeiterin der ev. Seelsorge als im Campus Benjamin Franklin. Zunächst einmal die Größe des Hauses: Mit derzeit 296 Betten ist das St. Marien-Krankenhaus um einiges überschaubarer. Um einen Vergleich zu bemühen: Fühlt man sich im ausgedehnten Klinikum wie in einer Großstadt, so ist es im St. Marien-Krankenhaus eher wie auf dem Dorf. Man kennt sich und ist erkennbar, man grüßt jeden auf der Straße, sprich: auf dem Gang.

Das Zweite, was anders ist: Viele Patienten sind hier älter. Sie kommen wegen geriatrischer Erkrankungen ins Haus. Die Seelsorge muss sich darauf in besonderer Weise einstellen.

Und das Dritte: Das St. Marien-Krankenhaus ist ein katholisches Krankenhaus, für das die seelsorgerliche Begleitung der Patienten ein unverzichtbarer Bestandteil seiner Aufgaben ist. Katholische und evangelische Seelsorge versuchen in guter Kooperation, dem auch in der Praxis Geltung zu verschaffen.

So gibt es z.B. eine Meditation für Mitarbeiter/innen in der Mittagszeit oder zweimal jährlich ökumenische Einführungsgottesdienste für neu Eingestellte.

Ausblick

Wir wissen, dass die Zukunft nicht rosig ist. Deshalb werden wir aber nicht griesegrau malen! Gerade in der letzten Zeit haben wir die Veränderungen unserer Arbeit öfter reflektiert und entwickeln genügend innovative Kräfte. Unsere Zukunft sehen wir in der Konzentration unserer seelsorgerlichen, fachpädagogischen und supervisorischen Kompetenzen auf die Arbeitsfelder in den Kliniken, den Alten- und Pflegeheimen, in den Besuchsdiensten. Dabei wollen wir mit den interessierten Kolleginnen und Kollegen in den Gemeinden enger zusammenarbeiten.

Verena Heß, Wolfgang H. Neumann
Birgit Preis, Gabriele Weeke