ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.7.2019

Zum Monatspruch Juli 2005

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,
kein Priester, Theologe oder frommer Israelit legte dieses Bekenntnis zum Gott Israels ab, sondern Darius, König und Gott der Meder und Perser erließ ein königliches Dekret an alle Völker: "Das ist mein Befehl, dass man in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels fürchten und sich vor ihm scheuen soll. Er ist ein Retter und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden."

Wer war dieser Daniel, und wer war sein Gott? Daniel stammte aus Juda, mit seinen Gefährten wurde er nach der Eroberung seiner jüdischen Heimat durch Nebukadnezar als Gefangener in die Verbannung nach Babylon gebracht. Jahwe, dem Gott Israels blieb Daniel auch in dieser schweren Zeit der Prüfung unerschütterlich treu. Für seine neuen Herrscher sollte Daniel mit seinen Gefährten nützlich sein: Nach einer Zeit der Vorbereitung wurde er in die Zunft der "Weisen" aufgenommen. So bezeichnete man im Altertum respektvoll die Wahrsager und Schicksalsdeuter, die am Königshof eine Vertrauensstellung als Magier und Hofberater inne hatten. Drei dieser sagenhaften Weisen und Magier aus dem Morgenland sollten Jahrhunderte später einen Stern beobachten, der sie zur Geburt eines Königs nach Bethlehem führte...

Schnell erwies sich Daniels Meisterschaft in der Deutung von Träumen und Visionen, sein Einfluss am babylonischen Hof wuchs zunehmend. Im Rang eines obersten Statthalters und Traumdeuters unter mehreren Herrschern wurde Daniel einer der mächtigsten Männer im Großreich zwischen Euphrat und Tigris. Besonders viel Ansehen genoss Daniel unter König Darius, unter dem das Reich der Meder und Perser seine größte Machtfülle erreichte. Der weise und fromme Daniel wurde die rechte Hand dieses Königs. Sein kometenhafter Aufstieg vom Gefangenen zum Statthalter des Herrschers erinnert uns an seinen berühmten Vorgänger: Joseph, Sohn des Jakob brachte es am Hof des Pharao von Ägypten zu höchstem Ansehen und Einfluss – ebenfalls durch seine Kunst der Traumdeutung.

Erfolg schafft Neider, großes Ansehen weckt Feindschaft. Die Konkurrenten bei Hof überlegten, wie sie Daniel in Misskredit und zu Fall bringen können. So sehr sie aber auch suchten: Es fand sich kein Grund zur Anklage, keine Schuld, kein Vergehen. Daniel war untadelig in seiner Treue und Redlichkeit.

So musste eine Intrige gesponnen werden: Ausgerechnet seine Gottesverehrung sollte ihm zum Verhängnis werden. Die Fürsten und Statthalter regten beim König Darius scheinheilig ein neues Gesetz an: Der Staatskult als göttliche Verehrung des Königs sollte absolutes Gesetz werden. Jeder, der einer anderen Gottheit huldigte, sollte getötet werden, indem er den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurde. Als Gesetz der Meder und Perser sollte dieses Gebot unaufhebbar sein, das heißt ohne die Möglichkeit der Begnadigung und des Straferlasses. Dann lauerten die heimtückischen Höflinge Daniel auf und ertappten ihn beim gewohnten Gebet zum Gott Israels. Plötzlich war der Musterstatthalter ein Gesetzesbrecher, jetzt erst dämmerte es dem Großkönig, dass seine intriganten Ratgeber ihn hereingelegt und seinem Günstling Daniel eine tödliche Falle gestellt hatten.

Getreu dem Gesetz der Meder und Perser musste nun aber Darius die Strafe verhängen und Daniel in die Löwengrube werfen lassen, allerdings mit dem inbrünstigen Wunsch "Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir!" Der Großkönig Darius verbrachte eine schlaflose Nacht mit Fasten in Angst und Sorge um seinen geschätzten Wesir Daniel. Früh am nächsten Morgen eilte er zur Löwengrube und fand Daniel lebendig und wohlbehalten inmitten der hungrigen Löwen. Von Daniel erfuhr der erstaunte König, wie der lebendige Gott einen Engel sandte, der den Löwen den Rachen zuhalten und so dafür sorgen musste, dass sie dem frommen Diener Daniel kein Leid zufügen konnten. Nachdem Daniel auf Geheiß des Königs aus der Löwengrube gezogen war, erließ dieser gleich ein neues Gesetz: In meinem ganzen Königreich ist der Gott Daniels zu fürchten, denn er ist der lebendige Gott...

Daniel war gerettet, sein guter Ruf wieder hergestellt, seinem Gott die Ehre gegeben. Das Buch Daniel wollte Mut machen in einer Zeit schwerer Bedrängnis im nachexilischen Israel. Die Botschaft lautete: Der lebendige Gott bleibt unbesiegbar. Er lenkt die Geschicke der Welt. Das müssen auch die mächtigen Könige der Großreiche anerkennen. Die Feinde Gottes und seiner Gerechten jedoch werden vernichtet. Diese Einsicht führt uns das Buch Daniel besonders drastisch vor Augen. Die hungrigen Löwen in der Grube bekamen nämlich noch ihr Futter: Darius ließ die intriganten Hofberater samt Anhang in die Löwengrube werfen: "Und ehe sie den Boden erreichten, ergriffen die Löwen sie und zermalmten alle ihre Knochen." Kein Engel diesmal, der den Löwen die Rachen zugehalten hätte...

Lutz Poetter