Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Gemeindezentrum CelsiusstraßeGemeindehaus Ostpreußendamm
Gemeindehaus ParallelstraßeDorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juni 2005

22.9.2019

Zum Monatspruch Juni 2005

von E-Mail

"Per aspera ad astra", so besagt es ein altes lateinisches Sprichwort und das lässt sich vielleicht am besten so übersetzten: "Auf dem steinigen Weg zu den Sternen".

Schöner und poetischer hat die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach den Sinn und die Richtung dieses Sprichwortes einmal folgendermaßen formuliert: "Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen."

Dennoch bleibt dies in seiner Gesamtheit ein trüber Ausblick in sommerlicher Zeit, in der sich die Seele in Leichtigkeit aufmacht, den Himmel zu erobern. Gewiss die Erfahrung des Schmerzes gehört zum Leben. Aber lehrt er uns mehr als die Freude und das Glück? Kann uns das Schwere, Bedrängende womöglich näher zu Gott und seiner Wirklichkeit bringen, als das leichte, unbeschwerte Dasein?

Es wäre wohl mehr als zynisch, Menschen mit einer schweren Krankheit oder einem tiefen Leid mit diesem Satz zu konfrontieren, ihnen vorzuhalten, dass der mühsame Weg, den sie gehen, besonders gesegnet sei.

Nein, der christliche Glaube ist nicht in das Leiden verliebt, er findet seinen Ausdruck in einer tiefen Freude am Leben und nicht etwa in der Lust am religiös überhöhten Masochismus.

Wir sollen das Schwere im Leben weder schönreden noch gar begrüßen. Und dennoch dürfen wir mit Blick auf den Mann am Kreuz darauf vertrauen: Auch das ist ein Weg, der nicht an Gott vorbeiführt, sondern mitten hinein in sein Wohnen in unserer Mitte.

"Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen", sagt der Monatsspruch, der ebenfalls weit entfernt von frühsommerlichen Gefühlen uns eine andere Welt vor Augen führt. Wie eine allgemeine Lebensregel begegnet uns dieses Bibelwort und deutet das Leben in Bedrängnis als Kennzeichen christlicher Existenz. Kein christliches Leben scheint demnach ohne Leiden oder Mühsal möglich zu sein.

Zu den Zeiten, in denen dieses Wort verfasst wurde, war dies sicher auch mit Händen zu greifen. So erzählt uns Lukas in seiner Apostelgeschichte wie Paulus und Barnabas gerade eine Steinigung durch eine aufgebrachte zornige Menschenmenge erlebt haben. Halb tot ist Paulus vor die Stadtmauern geschleift worden. Und so predigt er auf dieser kaum erfolgreich zu nennenden Reise in der nächsten Stadt: "Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen."

Eine befremdliche Situation und von der Situation der Christen in unserem Land weit entfernt.

Und doch spricht dieses Bibelwort von einer menschlichen Grunderfahrung. Denn wer bedrängt und in die Ecke gedrängt wird, macht oft die Erfahrung wie ungeahnte Kräfte wachsen. Stärken können manchmal gerade in Krisenzeiten ans Licht treten, die ungenutzt schlummerten. Manchmal hilft äußerer Druck auch, um sich auf Wesentliches zu konzentrieren, auch das eigene Profil zu schärfen.

Wir Christenmenschen werden durchaus in die Verteidigung gedrängt, unsere Daseinsberechtigung als Christen wird zumindest infrage gestellt. Und wir haben oft unvermutet Auskunft darüber zu geben, worauf wir vertrauen, worauf wir hoffen, wohin wir unterwegs sind.

Dabei gilt es Rechenschaft abzulegen über die eigenen Hoffnungen. Dabei darf ich darauf vertrauen, dass mir die Tore zu Gottes Reich weit offen stehen. Das gilt für das, was kommen wird. Es gilt aber auch für das Hier und Jetzt. Druck gilt es auszuhalten, wenn die Vision vom Gottes Reich, von Frieden und Gerechtigkeit hier auf der Erde aufrechterhalten werden soll, wenn wir nicht aufhören, von Barmherzigkeit und Demut zu reden, von Geschwisterlichkeit und Solidarität.

Der scharfe Wind, der einem da entgegenweht ist dabei durchaus zu spüren. Kräftig und mit scheinbar unwiderlegbaren Argumenten kommt er daher. Von Eigeninitiative redet dieser Wind, von Machbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit. Und dabei wird die Existenz Gottes vergessen, verdrängt und negiert.

So ist es jetzt und heute notwendig nicht müde zu werden von der Hoffnung zu reden, die uns trägt, von der Verantwortung, von Gottes Welt der Gerechtigkeit und des Friedens – auch gegen alle Bedrängnis.

Michael Busch

zum Seitenanfang   Übersicht der Themen   blättern