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20.1.2018

Steglitz vor sechs Jahrzehnten – Ein Bezirk erinnert sich
Eine Ausstellung im Heimatverein Steglitz vom 22. Mai bis 22. Juni 2005

Am 22. April 1945 rollten russische Panzer auf der Osdorfer Straße Richtung Anhalter Bahn. Truppen des 3. Garderegimentes der 1. Ukrainischen Front überschritten in Lichterfelde die Stadtgrenze. Einer der ersten Panzer feuerte auf die Bahnüberführung. Schwer einzusehendes Gelände. Der Panzer, bei den Kämpfen zerstört, stand noch lange als warnendes Mahnmal an der Osdorfer Straße. Die Panzerkartousche, die im Bahndamm einschlug, wurde von einem Lichterfelder Bürger aufbewahrt und ist in der Ausstellung zu sehen.

"Der Einmarsch der Russen erfolgte von Teltow – Großbeeren – Osdorf her", schreibt Pfarrer Bergemann am 4. Juni, "und so war die Osdorfer Straße Einmarschstraße, nachdem sie vorher durch Panzer freigekämpft war. Das hatte zur Folge, dass unsere Wohnung, die ja unmittelbar vor der Osdorfer liegt, durch Panzerbeschuss, Handgranatenkämpfe und Ähnliches auf das schwerste mitgenommen wurde. Unsere Kirche ist völlig zerstört und ausgebrannt...".

Wenige Tage vor dem Einmarsch der Roten Armee, wurden die Häftlinge vom KZ-Lichterfelde nach Sachsenhausen gebracht und zum Todesmarsch in Richtung Ostsee gezwungen. Sie sollten dort auf Schiffe verladen und versenkt werden. Amerikanische und russische Truppen befreiten die noch Lebenden im nördlichen Mecklenburg.


Prof. Dr. Wolfgang Wippermann (Prof. für Geschichte an der FU Berlin) und Wolfgang Schönebeck (Vorstandvorsitzender des Heimatverein Steglitz e.V.) hielten die Eröffnungsreden zur Ausstellung.

In der gemeinsamen Ausstellung von Heimatverein Steglitz und Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde werden Not und Leiden der Häftlinge gezeigt.

Zu sehen ist auch der Alltag der Menschen in Steglitz: die massive NS-Propaganda, der Kirchenkampf, die Schicksale rassisch Verfolgter durch Deportation und Vernichtung; auch der Widerstand in Kirche und Gesellschaft gegen das Regime. Der Krieg erreicht die Stadt und die Steglitzer Familien: Zerstörung und Tod durch Bomben, gefallene und vermisste Söhne, Väter und Brüder.

Bei der Suche nach Material fand der Aufruf des Heimatvereins in den Gemeindezeitungen große Resonanz. Viele persönliche Gegenstände und Zeitdokumente wurden zur Verfügung gestellt. Viele von ihnen konnten in der Ausstellung verwendet werden.

Die Zerstörung unserer Werte von Freiheit und Demokratie, Menschenwürde und Menschenrecht erfolgte ohne großen Widerstand. Damit begann der Weg in die Katastrophe.

Unsere Aufgabe und Verpflichtung ist es, den Blick für die Gefährdung dieser Werte zu schärfen, Widerstandsbereitschaft und Zivilcourage zu stärken und für die glaubwürdige Weitergabe dieser Botschaft zu sorgen.

Wolfgang Schönebeck
Vorstandvorsitzender des Heimatverein Steglitz e.V.

Heimatmuseum Steglitz, Drakestr. 64a, 12205 Berlin-Lichterfelde, Bus: X11, Haltestelle Holbeinstraße. Die Ausstellung ist geöffnet montags 16 bis 19 Uhr, mittwochs 15-18 Uhr u. sonntags 14 bis 17 Uhr.

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