Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Pfingst-Träume

von Susanne Peters-Streu

Pfingsten, das war damals ein großes Wunder. Die Jünger waren in Jerusalem beieinander, Jesus war nicht mehr bei ihnen, und da geschah es: ein Brausen vom Himmel, der Heiligen Geist erfüllt sie. Aus allen Enden der Erde wuchs diese Gemeinschaft der ersten Christen zusammen. Eine enorme Ergriffenheit und Begeisterung hatte die Menschen erfasst. Das waren aufgeregte Zeiten, die Tage des ersten Pfingstfestes in Jerusalem. Die Leute wussten nicht, ob sie lachen oder weinen, singen oder auf der Straße tanzen sollten. Wie Verliebte haben sie sich aufgeführt, beschwingt und voller Begeisterung.

Von allen Enden der Erde waren sie zusammengekommen zum Fest der Kornernte nach Jerusalem. Sie redeten in fremden Sprachen und jeder verstand in seiner Sprache. Menschen entsetzten sich und wurden ratlos, andere spotteten und hielten sie für betrunken und Petrus erklärte: Hört zu, diese sind nicht betrunken, es ist ja noch früh am Morgen. Hier erfüllt sich, was der Prophet Joel voraus gesagt hat. Gott wird den Menschen seinen Geist geben, Söhne und Töchter werden weissagen, junge Menschen werden Visionen haben und die Alten Träume. Es war die Erfahrung der kulturellen Vielfalt, die lebendig macht, eine Quelle der Stärke und Freude am Leben.

Aber darüber hinaus war es noch etwas ganz Besonderes, was die Menschen ergriff: ein über die Sprachgrenzen hinweg tiefes Sich-Verstehen, eine Zusammengehörigkeit, eine Vision, dass der Geist Christi tröstet, indem er das Trennende überwindet. Es entsteht eine Vision von einer Gemeinschaft, die zusammenhält und untereinander alles teilt, das Modell der Weltgemeinschaft im Kleinen. Das waren Wunder besonderer Art, Wunder des Teilens, des gemeinsamen Brotbrechens, der Einmütigkeit. Deshalb, so berichtet die Bibel, strömten Tausende an jenem Tag zur Gemeinde.

Wenn wir in diesem Jahr zur Pfingstzeit 45 junge Menschen einsegnen, dann tun wir das mit der Bitte Gottes lebendig machender Geist möge sie erfüllen und in ihnen Träume und Visionen wachsen lassen, so wie sie besungen sind in dem Lied:. "Komm, bau ein Haus das uns beschützt, pflanz einen Baum der Schatten wirft...", dass sie die Orte finden, wo der Traum vom Leben wachsen kann.

Unser aller Leben ist ein Wachsen. Seit es begann, sind wir gewachsen, bis heute hin und bis ans Ende unserer Tage werden wir wachsen. Gerade oder krumm, mit tiefen Einkerbungen, glatt und kräftig, sicher auch mit mancher Verletzung, manches Mal eingeengt, gestutzt, angebunden, aber wir wachsen Jahr um Jahr äußerlich und innerlich.

Das Wachsen beginnt mit dem Pflanzen und Gepflanzt werden. Das ist ja, wenn es denn gelingen soll, ein sehr behutsames Tun. Eine kleine Pflanze muss man sehr vorsichtig behandeln, wenn man sie an den Platz auspflanzen will, wo sie dann wachsen soll. Man hält sie behutsam in der Hand, so dass die Erde, in der die Wurzeln stecken, nicht abfällt. Die kleinen Wurzeln sind noch empfindlich, mit abfallender Erde können sie leicht abgerissen werden. Pflanzen und Pflanzen pflegen, das braucht den Blick für die kleinen Dinge, für das Behutsame. So ist es doch auch sonst im Leben. Wir können die großen Dinge unserer Erde nur bewahren und behüten, wenn wir die kleinen Dinge unseres eigenen Lebens, die kleinen Pflanzen bewahren können.

Vieles, was wir an Pflanzen beobachten, können wir auch von uns Menschen sagen. Wie wir Pflanzen in der Hand halten, wenn wir sie in die Erde tun, so können wir das auch von Menschen sagen: "Ich habe dich in meiner Hand." Aber das klingt nicht gut. Das macht uns Angst. Da hat einer etwas gegen uns. Da sind wir abhängig. Da hat einer etwas gegen mich in der Hand. Der kann mir schaden.

Wir können anderen schaden. Sicher, oft wollen wir das gar nicht, und doch geschieht es immer wieder. Wir haben es ja ständig mit anderen Menschen zu tun. Wir gehen miteinander um. Ob wir gute Laune haben oder schlechte. Ob wir unsere Überlegenheit ausspielen oder uns mit dem anderen auf eine Stufe stellen. Es ist nicht egal, wie wir uns zueinander stellen. Ja, wir haben einander in der Hand, und wir gehen nicht immer behutsam mit einander um.

Aber es gibt auch diese Seite: Wir sind einander anvertraut. Wir können einander helfen zu wachsen. Wir können fest halten an der Vision, dass menschliches Zusammenleben gelingen kann. Wir können einander etwas zutrauen über die Generationen hinweg, uns Raum lassen zum Wachsen, zum Entfalten, zum Blühen. Es braucht Zeit und Geduld und Gelassenheit auch mit sich selber. Pflanzen können wachsen und gedeihen oder auch vertrocknen, das ist mit unseren Beziehungen so und mit dem Glauben, der kann wachsen und gedeihen, aber auch verkümmern und kaputtgehen. Auch der Glaube braucht Nahrung, braucht einen Ort, wo er verwurzelt ist und Halt findet.

Für mich ist die Gemeinde dieser Ort. Hier sind wir uns gegenseitig anvertraut, miteinander zu leben, zu feiern, zu singen, zu loben, zu danken, zu teilen Frohes und Trauriges. Hier ist ein Ort, Kraft zu schöpfen, Hoffnung zu behalten, nach Gottes Wort und Weg zu fragen, den Traum vom gelingenden Leben zu träumen.

Wenn wir das Pfingstfest in der Gemeinde feiern, lasst uns bitten, dass Gottes Geist unter uns lebendig ist und die Freude wächst, weil das Leben Kreise zieht.

Susanne Peters-Streu

Refrain: Komm bau ein Haus, das uns beschützt. Pflanz einen Baum, der Schatten wirft und beschreibe den Himmel der uns Blüht, und beschreibe den Himmel, der uns blüht.

1. Lad viele Tiere ein ins Haus und füttre sie bei unserm Baum. Laß sie dort munter spielen, wo keiner sie in Kreise sperrt. Lass sie dort lange spielen, wo der Himmel blüht.

2. Lad viele Kinder ein ins Haus, versammle sie bei unserm Baum. Laß sie dort fröhlich tanzen, wo keiner ihre Kreise stört. Laß sie dort lange tanzen, wo der Himmel blüht.

3. Lad viele alte ein ins Haus, bewirte sie bei unserm Baum. Laß sie dort frei erzählen, von Kreisen die ihr Leben zog. Laß sie dort lang erzählen, wo der Himmel blüht.

4. Komm wohn mit mir in diesem Haus, begieße mit mir diesen Baum. Dann wird die Freude wachsen, weil unser Leben Kreise zieht. Dann wir die Freude wachsen, wo der Himmel blüht.

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