Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.9.2019

Wolf-Dieter Zimmermann: Wir nannten ihn Bruder Bonhoeffer. Einblicke in ein hoffnungsvolles Leben.
Eine Leseempfehlung zum 60. Todestag Dietrich Bonhoeffers

von Torsten Lüdtke

Unzählige, pünktlich zum 60. Todestag Dietrich Bonhoeffers am 9. April erschienene Bücher widmen sich dem Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers, der am 4. Februar 1906 in Breslau geboren wurde, der als Zentralfigur der Bekennenden Kirche und des Deutschen Widerstandes gilt und 1945 hingerichtet wurde.

Aus der Menge der Biographien ragt das vor zehn Jahren erstmals erschienene, biographisch angelegte Werk von Wolf-Dieter Zimmermann heraus, das aber keine "richtige" Biographie sein möchte; vielmehr will es den Menschen Bonhoeffer – seine Persönlichkeit, sein Denken und Fühlen – in den Mittelpunkt stellen. Wolf-Dieter Zimmermann, 1911 geboren, ist dazu besonders geeignet; gehört er doch zu den Schülern und Weggefährten Bonhoeffers, den er 1932 als Student kennenlernte und den er später als Assistent an der Berliner Universität und bei der Bekennenden Kirche begleitete.

Der Schwerpunkt des Buches, das auch als "biographischer Nachtrag" verstanden werden will, liegt dann auch in den Jahren zwischen 1932 und 1943/44, die besonders plastisch und anschaulich dargestellt werden. Kindheit und Jugend sowie die Haftzeit Bonhoeffers treten gegenüber dieser lebendig und stark autobiographisch geprägten Beschreibung seiner Zusammenarbeit mit Bonhoeffer an der Universität und den illegalen Predigerseminaren der Bekennenden Kirche zurück.

Wolf-Dieter Zimmermann gelingt es jedoch meisterhaft, in diesen skizzenhaften Andeutungen die Wurzeln Bonhoeffers und seines Denkens zu charakterisieren wie auch die engen Beziehung der Familie Bonhoeffer zu den "alten Eliten" des preußischen Staates aufzuzeigen. Dadurch wird der Weg Bonhoeffers in den Wiederstand und die enge Bekanntschaft mit den Verschwörern des 20.Juli 1944 besonders deutlich. – Ähnlich präzise wird auch die Haftzeit Bonhoeffers im Schlusskapitel dargestellt; dazu greift der Autor auf sein 1969 erschienenes Buch "Begegnungen mit Bonhoeffer" und die Biographie Eberhard Bethges zurück.

Mehr als die Hälfte des Bändchens macht – wie bereits erwähnt – die Darstellung der Tätigkeit Bonhoeffers an der Universität und bei der Bekennenden Kirche aus. Wolf-Dieter Zimmermann schafft es dabei, nicht nur die Person Bonhoeffers in allen Facetten zu schildern, gleichzeitig entwirft er auch ein Zeitbild, in dem der Weg Deutschlands in den Abgrund des "Dritten Reiches" sichtbar wird.

Deutlich werden dabei auch die Spannungen und Widersprüche zwischen Bekennender Kirche und den "Deutschen Christen", die sich nach 1936 verschärft bemerkbar machen. Man erhält Einblicke in die sich am Rande der Legalität bewegende Arbeit der Bekennenden Kirche. Vor allem von Bonhoeffers Arbeit als Seminarleiter in den illegalen Predigerseminaren der Bekennenden Kirche, die neben der offiziellen, von der Amtskirche betreuten Pfarrerausbildung existierten, weiß Wolf-Dieter Zimmermann viel zu berichten; dabei ist es interessant wie es dem der Autor gelingt, die Persönlichkeit und das Werk seines Mentors immer wieder vor dem Zeitrahmen der NS-Diktatur zu verknüpfen: Bonhoeffer tritt hier nicht so sehr als Intellektueller und Theologe, sondern als Mensch und Lehrmeister in den Vordergrund.

Aber nicht nur deswegen ist Wolf-Dieter Zimmermanns Buch lesenswert; es ist bemerkenswert, wie es Zimmermann gelingt, den Menschen Bonhoeffer zu schildern, der durch seine Beziehungen zu den Akteuren des militärischen und zivilen Widerstandes gegen Hitler charakterisiert wird und – nicht zuletzt – Einblick in die Arbeit der Bekennenden Kirche zu geben. Das Büchlein kann zwar keine ausführliche Bonhoeffer- Biographie ersetzen, doch bietet es einen anderen Zugang zur Person Bonhoeffers, der auch 60 Jahre nach seinem Tod noch immer ein faszinierender Charakter ist.

Wolf-Dieter Zimmermann: Wir nannten ihn Bruder Bonhoeffer. Einblicke in ein hoffnungsvolles Leben.
3. durchgesehene und veränderte Auflage, Berlin: Wichern Verlag 2004, ISBN 3-8898 1-164-7, 120 Seiten, 9 Euro.

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