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23.7.2019

Zum Monatspruch April 2005

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Die Stelle aus dem Hebräerbrief nimmt Bezug auf eine Geschichte im Buch Genesis: Eines Tages erscheinen bei Abraham drei Männer, die er gastlich aufnimmt. Er lässt ihnen Wasser bringen, Brot backen, ein Kalb schlachten und bewirtet sie, wie es sich für einen guten Gastgeber gehört. Ob er von Anfang an weiß, dass seine Gäste keine gewöhnlichen Menschen sind, wird nicht ganz klar. Als zwei seiner Gäste aber bald nach Sodom weiter ziehen und dort von Abrahams Neffen Lot ebenso gastlich aufgenommen werden, spricht alles dafür, dass Lot nicht weiß, wie wichtig dieser Besuch wirklich ist. Er tut eben das, was der Brauch fordert, wenn er den Fremden den Schutz seines Hauses anbietet, ja aufnötigt. Bald gerät er dadurch in Schwierigkeiten, denn seine Nachbarn, die übrigen Bewohner von Sodom, halten es mit der Gastfreundschaft weniger genau als Lot und bedrohen ihn und seine Gäste. Trotzdem ist Lot nicht bereit, die Gastfreundschaft zu brechen. Damit erweist er sich als der einzig Gerechte in der ganzen Stadt, der einzige, der tut, was richtig ist. Seine Gäste belohnen ihn dafür, indem sie ihn warnen, so dass Lot die Stadt verlassen kann, bevor sie vom Strafgericht Gottes zerstört wird.

Unser Monatsspruch richtet nun das Hauptaugenmerk dabei darauf, dass Abraham und Lot wohl noch nicht einmal wussten, wen sie als Gast aufnahmen, sondern ihnen erst im Nachhinein klar wurde, was sie da eigentlich getan haben und wie wichtig eine für sie selbstverständliche Geste dann für ihr ganzes Leben wurde.

Wenn man Menschen, die richtig gehandelt haben, die hin- und nicht weggesehen haben, die beherzt eingegriffen haben, hinterher fragt, warum sie das gemacht haben, wissen sie oft keine Antwort. Sie haben es gemacht, weil es für sie selbstverständlich war. Wenn sie darüber nachgedacht hätten, sich gefragt hätten, was ihnen das jetzt bringt oder was es ihnen nützt – die meisten hätten es gelassen. Trotzdem – die meisten würden es hinterher wieder tun. Weil ihnen später aufgegangen ist, dass sie doch das richtige getan haben. Das allein kann schon eine Belohnung sein, der Monatsspruch erinnert uns aber daran, dass die gute Tat zwar schon Lohn in sich selbst ist, aber noch mehr werden kann, gerade dann, wenn sie aus aufrichtigem Herzen kommt, denn die gute Tat, das richtige Handeln, das nicht auf kurzfristigen und eigennützigen Gewinn abzielt mag absichtslos sein, sinnlos ist es nicht.

Die Gastfreundschaft, die für Abraham und Lot geschildert wird, stammt aus einer Welt vor Pauschaltourismus und Globalisierung, wo der Mensch weit weg vom eigenen zu Hause dringend auf die Hilfe anderer angewiesen war. Ein Dach über dem Kopf, eine warme Mahrzeit – das war noch nicht mit Geld zu bezahlen, sondern setzt Hilfsbereitschaft voraus. Noch wichtiger aber war, dass der Fremde außerhalb seines eigenen Stammes, fern der Heimat rechtlos war und deswegen den Schutz eines Gastgebers dringend brauchte. Deswegen findet sich überall in der Bibel die Aufforderung, den Fremden gastfreundlich aufzunehmen, ihm zu geben, was er braucht, ihn zu schützen und nicht schlechter zu behandeln als einen Einheimischen.

Was Abraham und Lot tun, ist also das, was man tun soll, aber eben nicht jeder beherzigt. Es ist zugleich das, was allen nützt, denn jeder ist irgendwann mal ein Fremder, der auf Gastfreundschaft angewiesen ist.

So kann die absichtslose gute Tat dem Täter Lohn bringen, nicht als kurzfristiger Nutzen für ihn selbst, der kleinlich vorausberechnet wird. Wenn Lot gesagt hätte, dass er jeden Fremden deshalb gastlich bewirtet, weil ja einmal unerkannt ein Engel Gottes bei ihm Einlass begehren könnte und dass dieser Engel Gottes dann, wenn er ihn aufnimmt, ihn vielleicht schützen könnte, falls Gott seine Heimatstadt zerstören würde, dann hätte ihn zu Recht jeder ausgelacht. Aber genau so hat Lot eben nicht gedacht. Er hat nicht gefragt, was es ihm bringt, einem Fremden Gastfreundschaft zu gewähren. Er hat es einfach getan. Weil man das so macht, weil es so geboten ist, weil es das richtige ist.

Seine Geschichte kann uns daran erinnern, dass es bei jeder Handlung, auch wenn sie klein und scheinbar selbstverständlich ist, die Möglichkeit gibt, dass daraus etwas Bedeutsames wird und etwas, das für andere, aber auch für uns selbst gut ist. Und diese Möglichkeit sollten wir uns nicht von kleinlichen Nützlichkeitserwägungen nehmen lassen.

Annette Pohlke