ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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27.5.2019

Einhundert Jahre Berliner Dom

von Torsten Lüdtke

Am Montag, dem 27. Februar 1905, gegen zwei Uhr nachmittags, herrschte Hochbetrieb im Berliner Lustgarten. Eine festlich gekleidete Menge, höhere Offiziere und Beamte in Galauniformen, wartete darauf, den soeben fertiggestellten Berliner Dom in Anwesenheit des Kaiserpaares und der protestantischen Reichsfürsten einweihen zu können.

Dieses Anlasses gedachte die Domkirchengemeinde – auf den Tag genau – hundert Jahre später, am 27. Februar 2005, mit einem Festgottesdienst und einem 'Tag der offenen Tür'. Der Baugeschichte des "größten protestantischen Kirchenbaues in Deutschland" sowie seiner Vorgängerbauten ist eine kleine Ausstellung gewidmet. Durch diese angeregt, soll hier – aus Anlass des Jubiläums – eine kurze Beschreibung des Baues und seiner Geschichte folgen:

Die Wurzeln des Berliner Doms reichen bis an die Wende des 13. zum 14. Jahrhundert zurück; das spätmittelalterliche Dominikanerkloster wie auch die aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammende Erasmuskapelle im Berliner Schloss sind als dessen Ursprung anzusehen. Der Erasmuskapelle war ein Kollegiatstift zugehörig, das später in ein Domherrenstift umgewandelt und 1536 – zwei Jahre vor Einführung der Reformation in Brandenburg – an die Dominikanerkirche verlegt wurde. Nach diesem Domherrenstift wurde die Stiftskirche vereinfachend als "Dom" bezeichnet.

Mit dem um 1698 begonnenen Umbau des Berliner Schlosses durch Andreas Schlüter und Johann Friedrich Eosander von Göthe entstehen erste Pläne, die auf dem heutigen Schloßplatz gelegene gotische Kirche abzureißen und an anderer Stelle einen Neubau der "Domkirche", die gleichzeitig als Staats- und Hofkirche dienen sollte, auszuführen. Die Entwürfe, die einen, in barocken Formen gehaltenen Kuppelbau vorsahen, wurden zwar nicht ausgeführt, doch dienten zum Teil diese Pläne dem Architekten des bestehenden, neobarocken Domes, Julius Carl Raschdorff, als Grundlage seiner Entwürfe.

1747 wurde auf Geheiß Friedrichs II. die baufällige und einsturzgefährdete gotische Kirche abgebrochen und der Standort auf dem Schloßplatz ebenfalls aufgegeben. Johann Boumann vollendete 1750 im Lustgarten den friderizianischen Dombau, dessen zurückhaltende Rokoko-Formen sich neben dem monumental-prächtigen Barockschloss eher kärglich ausnahmen.

Im 19. Jahrhundert schließlich häuften sich die Stimmen derer, die den Abbruch des Rokoko-Domes forderten. Karl Friedrich Schinkel, der den Dom in klassizistischen Formen umgestaltete, entwarf selbst erste Zeichnungen zu einer neogotischen Denkmalkirche zur Erinnerung an die Befreiungskriege. Besonders Friedrich Wilhelm IV. setzt sich für einen Neubau ein; unzählige Zeichnungen von seiner Hand zeigen verschiedene Entwürfe in verschiedenen Stilen und Formen. Aus allen Zeichnungen wird jedoch sein Anspruch, Thron und Altar unlösbar miteinander zu verbinden, deutlich sichtbar. Die in das monumental-phantastische spielenden Entwürfe kamen jedoch über das Fundament nicht hinaus; Mit dem Tod Friedrich Wilhelm IV. wurden alle Arbeiten eingestellt, doch blieb ein generelles Unbehagen über den Dombau von 1750 bestehen.

Mit der Reichsgründung 1871 erlebte Berlin einen Aufschwung; die Hohenzollernresidenz war zur Reichshauptstadt geworden, in der nun zunehmend repräsentative Verwaltungs- und Geschäftsbauten, aber auch neue große Kirchen entstanden. In den 80er Jahre des 19. Jahrhunderts gab es dann erneut Pläne für einen Domneubau, von denen ab 1891 die des Architekten Julius Carl Raschdorff umgesetzt wurden. Wilhelm II., wie Friedrich Wilhelm IV. Von der Untrennbarkeit von Thron und Altar überzeugt, sah den neu zu errichtenden Dom nicht nur als einen Kirchenbau und eine Predigtstätte, sondern vielmehr als steingewordene Manifestation des neugeschaffenen Reiches und als ein Symbol für den Protestantismus schlechthin.

Der dem Gebäude zugrundeliegende, asymmetrische Grundriss vereinigt drei hintereinander gelagerte Gebäudeteile, in denen sich auch die drei Hauptaufgaben des Gebäudes spiegeln. So sind von Süden gesehen die Tauf- und Traukirche, der zentrale Kuppelraum der Predigt- und die Denkmalskirche hintereinander gelagert. Die 1975 abgebrochene Denkmalskirche diente dabei als Grablege der Hohenzollern.

Die Außenansicht des Domes wird beherrscht von der mächtigen Kuppel, die wiederum von vier kuppelbekrönten Türmen an den Gebäudeecken flankiert wird. Dabei sind die Lustgartenseite und die ehemals dem Schloss zugewandte Südseite besonders prächtig gestaltet. Die Innenausstattung lehnte sich ursprünglich eng an die prachtvoll-barocke Fassadengestaltung an. Wilhelm II., der gerne in die Planungen großer Bauprojekte eingegriffen hat, änderte auch den Charakter der Innenausstattung und damit auch den Sinngehalt des gesamten Gebäudes. Der Dom stellt nun nicht mehr – wie zuvor geplant – ein repräsentatives Gotteshaus mit stilistischen Anklängen an die italienische Hochrenaissance wie an das gegenüber gelegene Schloss Schlüters und dessen Dombaupläne dar, sondern wurde zur einer Art 'protestantischer Peterskirche' umgestaltet, in der ein protestantisch geprägtes Heilsprogramm dargestellt wird: So befinden sich im Innenraum neben den überlebensgroß ausgeführten Standbildern der Reformatoren Luther, Melanchthon, Zwingli und Calvin und den Bildnissen der an der Reformation beteiligten Fürsten auch Mosaiken mit den Bildnissen der Evangelisten sowie die als Ornament aufgefassten Darstellungen religiöser Sinnbilder, wie zum Beispiel das aus griechischen Buchstaben gebildete Christusmonogramm, die Lutherrose oder das Christuslamm.

(Ähnlich reich mit einem in sich geschlossenen Bildprogramm wie der Dom ausgestattet war die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz, doch bildete hier das Gedenken an Kaiser Wilhelm I. den Mittelpunkt des Bildschmuckes; an den Mosaikresten und dem Turmstumpf lässt sich jedoch eine enge Verwandtschaft der zur gleichen Zeit errichteten Kirchen ablesen.)

Bei einem Bombenangriff am 24.05.1944 wurden die kupfergedeckte Hauptkuppel und der Innenraum schwer beschädigt, eine Luftmine, die durch die Kuppellaterne schlägt, führt zur Zerstörung des Fußbodengewölbes der Predigtkirche. Die nach dem Krieg durchgeführten Sicherungsmaßnahmen ziehen sich bis in die 1950er Jahre hin, so dass weitere Schäden eintreten. Erst 1975 wird der 1961 beschlossene Erhalt des Domes umgesetzt und mit dem Wiederaufbau begonnen. Finanzielle Unterstützung der westdeutschen Landeskirchen treibt die Wiederherstellungsarbeiten voran, doch wird der Dom äußerlich verändert; Kuppel und Kreuz werden abgeflacht, damit der Palast der Republik nicht hinter den mächtigen Kuppelbau zurücktreten sollte.

Erst 1993 konnten die Rekonstruktionsmaßnahmen abgeschlossen werden und der Dom neu eingeweiht werden. Heute gehört der Berliner Dom zu den bekanntesten Berliner Bauwerken, der – nicht zuletzt durch eine soeben erschienene Sondermarke der Post – auch weit über die Grenzen hinaus bekannt ist.