ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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19.1.2019

Auferstehung, wie geht das?

von E-Mail

Vor kurzem traf ich bei einem Besuch eine ältere Dame wieder, die vor einiger Zeit Witwe geworden war. Lange Zeit schien es, als könne sie den Verlust ihres Mannes und den Schmerz über diese endgültige Trennung nicht verwinden. Nun stellte ich erfreut fest, dass ihr alter Lebensmut und ihre herzliche Fröhlichkeit zurückgekehrt waren. "Ach, Sie wissen ja", erwiderte sie auf meinen Eindruck hin, "das Leben muss ja weitergehen. Und außerdem bin ich ganz sicher, er ist ja nicht fort. Er lebt weiter in unseren Kindern und Enkelkindern."

Etwas ratlos sah ich sie an. Diese Vorstellung war mir durchaus bekannt, dass die Verstorbenen wiederkehren in ihren Nachkommen, in ihrem eigenen Fleisch und Blut.

Ich weiß auch, dass dieser Glaube vielen Menschen in der bedrängenden Situation des Verlustes und der Trauer Trost und Halt gibt, aber dennoch konnte ich selbst nicht allzu viel damit anfangen. Denn ist nicht jeder Mensch, jedes Kind, das geboren wird, ein ganz eigenes Wesen, ein neuer, ganz eigener Mensch und nicht nur die Kopie eines Vorfahren? Wird bei dieser Vorstellung ein Kind mit seinen unverwechselbaren Eigenschaften und Charakterzügen nicht von vornherein festgelegt auf die Wiederholung eines Lebens, das vergangen ist? Und wie verhält es sich gar mit Menschen, die – willentlich oder auch nicht – keine Kinder und Enkel haben können? Wo und wie würden sie weiterleben?

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich der Frau nach einer Weile antwortete: "So kann ich das nicht sehen, und so möchte ich das auch nicht glauben. In der Bibel wird die Auferstehung der Toten als eine neue Schöpfung, nicht als die Wiederholung der alten beschrieben."

"Damit wir uns nicht missverstehen", sagte sie rasch, "ich will damit gar nichts gegen einen Glauben an die Auferstehung sagen. Ich bewundere Menschen, die darin Trost finden und daran glauben. Nur, ich kann damit einfach nichts anfangen. Das lässt sich doch nicht beweisen und ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns alle einmal im Himmel wieder sehen, irgendwo auf einer Wolke..."

"So naiv ist Auferstehung ja auch nicht gemeint", antwortete ich, "obwohl ich zugebe, dass es von den ersten Tagen nach der Auferstehung Jesu Christi an die Jünger sich sehr schwer taten, Worte und Bilder zu finden, mit denen dieses Geschehen überzeugend und einleuchtend beschrieben werden kann. Und diese Schwierigkeiten sind im Lauf der Zeit nicht kleiner geworden."

"Dann sagen Sie mir mal, wie Auferstehung zu verstehen ist. Auferstehung, wie geht das?"

"Ich will’s versuchen, obwohl ich es nicht so erklären kann, wie man den richtigen Weg zum Kino erklärt oder die Methode, eine Rechenaufgabe zu lösen. Für mich bedeutet Auferstehung zuerst einen neuen Anfang, eine Neuschöpfung des Lebens. Wenn wir sterben und begraben werden, ist unser irdisches Leben unwiderruflich zu Ende. Von nun an gibt es keine gemeinsame Zukunft mehr mit unseren Familien und Freunden, mit den den Menschen, die wir geliebt haben, mit der Erde, auf der wir gelebt haben; von nun an gibt es nur noch eine Vergangenheit, die erzählt und erinnert, aber lebendig nicht fortgesetzt werden kann.

Wenn es nun in unserem Glaubensbekenntnis heißt, ich glaube an die Auferstehung der Toten, und wenn ich mir diesen Glauben zu eigen mache, dann sage ich damit, dass jedes Leben, das vergangen ist, doch nicht spurlos und wirkungslos bleibt. Jesus selbst hat dieses Sterben und Neuwerden einmal mit einem Samenkorn verglichen: Ein Weizenkorn, das in die Erde gelegt wird, vergeht in seiner bisherigen Gestalt; und hervor kommt ein Halm, eine Pflanze, die neues und anderes Leben darstellt als das vergangene Korn.

So möchte ich Auferstehung verstehen und erklären: Ich glaube an die schöpferische Kraft Gottes, die unser bruchstückhaftes Erdenleben verwandelt und verändert, die unser begrenztes Erdenleben vollendet in seinem ewigen Leben.

Im wissenschaftlichen Sinn beweisen lässt sich die Auferstehung nicht. Wer nur an Beweise glaubt, für den ist der Glaube an Jesu Auferstehung eine Torheit. Vielleicht können wir aber mit zwei Wahrheiten leben: mit einer, die sich beweisen lässt, und mit einer, die Mut zum Leben macht."

Ein frohes Osterfest wünscht Ihnen Ihr

Michael Busch