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16.7.2018

Gedenken an 1945
Januar-Februar: Flucht aus Ostpreußen – Untergang der "Wilhelm Gustloff" – Bomben auf Berlin und Dresden. – Erinnern und Gedenken

von Torsten Lüdtke

Mit dem Februar 1945 jähren sich – im Jahr, in dem sich am 8. Mai das Ende des II. Weltkrieges zum sechzigsten Male jährt – auch die Monate, in deren Verlauf sich die Grausamkeit und das Elend des Krieges manifestierte.

Unzähliger Opfer ist zu gedenken, dabei auch unzähliger ziviler Opfer, die im Januar und Februar 1945 bei der Flucht aus Ostpreußen über die zugefrorenen Haffe, beim Untergang der "Wilhelm Gustloff" oder bei den Bombenangriffen auf Berlin und Dresden umkamen.

Das Leid des Einzelnen tritt dabei beim Offenbarwerden millionenfachen Leidens zurück, welches mit Worten kaum zu beschreiben ist – das Leiden Einzelner oder Tausender soll – und kann – nicht minutiös geschildert werden. Es sollen hier die oben genannten Ereignisse – möglichst nüchtern geschildert – für sich sprechen, um an sie zu erinnern.

Januar 1945: Flucht aus Ostpreußen

Mit dem Jahreswechsel 1944/45 hatte sich die Situation verschärft; der "totale Krieg" – vom Deutschen Reich ausgegangen – war auf den Boden Deutschlands zurückgekehrt: Von der Eifel kommend, waren britische und amerikanische Verbände im Westen bis ins Rheinland vorgestoßen, während die Rote Armee, fest entschlossen, auf Berlin zu marschieren, im nordöstlichen Ostpreußen die Grenze überschritten hatte.

Im Januar und Februar 1945 verließen daher große Flüchtlingstrecks Ostpreußen. Auf Pferdefuhrwerken die wenige gerettete Habe verteilt und die Familienangehörigen tief in Decken und Betten gehüllt, zogen die vor der Roten Armee fliehenden Ostpreußen bei eisigem Wind und strengem Frost in langen Kolonnen über das zugefrorene Frische Haff nach Westen. Von Tieffliegern bedroht und immer in der Gefahr, in das trügerische, nicht überall tragfähige Eis einzubrechen, spielten sich unbeschreibliche Szenen ab und ein unsagbares Leid wurde sichtbar; bald säumten Tote – Menschen wie Tiere – ebenso wie Reste von Wagen und Hausrat den Weg.

30. Januar 1945: Untergang der "Wilhelm Gustloff"

Die in den Hafenstädten an der Ostsee liegenden Schiffe sollten bei der "planmäßigen Evakuierung" der Bevölkerung eingesetzt werden, so sollte auch der Stolz der KdF-Flotte, die "Wilhelm Gustloff" als Lazarettschiff dienen. Als am Mittag des 30. Januar die mit Verwundeten und Flüchtlingen vollbesetzte Gustloff den Hafen von Gdingen auf Westkurs verließ, muss die hell gestrichene "Gustloff" die weit vom Land entfernte, unverminte Fahrrinne erreichen. Dort wurde sie recht bald von einem sowjetischen U-Boot entdeckt, welches gegen 21.15 angegreift. Von drei Torpedos getroffen, sinkt das Schiff nach einer Stunde, mehrere tausend Menschen mit in den Tod reißend.

3. Februar 1945: Bomber über Berlin

1944 erarbeiteten Royal Air Force (RAF) und United States Army Air Force (USAAF) zusammen ein neues Konzept der Luftkriegsführung; durch den verstärkten Angriff auf deutsche Städte mit großen Bomberflotten und Flächenbombardements sollte die „deutsche Kampfmoral“ geschwächt werden. Seit der Mitte des Jahres 1944 führten britische und amerikanische Bomberverbände nun verstärkte Angriffe auf deutsche Großstädte durch, in deren Folge fast alle deutschen Städte durch Bomben zerstört werden. Als am 3. Februar 1945 Luftalarm für Berlin ausgelöst wurde, ahnte niemand, dass dieser Tagesangriff von RAF und USAAF zu den schwersten Bombenangriffen gehören würde, die Berlin im Verlauf des Krieges erlebte. Knapp tausend Bomber und mehr als 750 Jagdflugzeuge waren an dem Angriff beteiligt, der – mit der alten Mitte Berlins – auch die am dichtesten bevölkerten Stadtteile treffen sollte. In den Bezirken Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain wird eine Fläche von rund 400 Hektar zerstört, darunter so bedeutende Bauwerke wie Staatsoper, Hedwigskirche und Stadtschloss. Rund 25 000 Menschen verlieren ihr Leben.

13./14. Februar: Dresden versinkt im Feuer

Auf der Konferenz von Jalta ordnete Churchill den Angriff von RAF und USAAF auf Dresden an, der dann – aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse – verschoben, am 13. Februar 1945 durchgeführt wurde. Rund 250 Flugzeuge stiegen von den Flugplätzen der 5. Bomberflotte in Südengland auf, die gegen 22.00 Uhr das mit Flüchtlingen angefüllte Stadtgebiet erreichten, nur eine Viertelstunde nach der Auslösung des Luftalarms. Gegen 22.30 Uhr brennt Dresdens Innenstadt.

Wenige Stunden später, am 14. Februar gegen 1.30 Uhr, rollte eine zweite Angriffswelle über das brennende Dresden, die Stadt mit ihren reichen Kunstschätzen vollends im Feuersturm versinken ließ; die historische Elbmetropole mit ihren barocken Palästen und Bürgerhäusern, Kirchen und Plätzen hatte aufgehört zu existieren. Mehr als 35 000 Menschen verloren vorsichtigen Schätzungen zufolge im flammenden Inferno ihr Leben, doch dürfte die tatsächliche Zahl weitaus höher liegen.

Am Jahrestag des Kriegesendes – dem 8. Mai – wird deutlich, wie unterschiedlich mit dem Gedenken und Erinnern im In- und Ausland umgegangen wird. So finden in einem zusammenwachsenden Europa noch heute in Großbritannien und den GUS-Staaten Militärparaden zur Erinnerung an den Sieg über das NS-Regime statt, ein Gedenken ohne militärischen Prunk scheint hier undenkbar zu sein. Auch hierzulande wird inzwischen eine bedenkliche Erinnerungskultur gepflegt: werden doch inzwischen auch hier Filme – nicht nur durch den allpräsenten Guido Knopp – gezeigt, die den Untergang des "III. Reiches" in voller Länge und in Farbe zeigen.

Daneben gibt es auch andere Bestrebungen, die das stille Gedenken und die erinnernde Trauer als Weg der Erinnerung sehen. Die Kathedralgemeinde von Coventry, das wie Rotterdam 1940 durch die deutsche Luftwaffe bombardiert und dem Erdboden gleichgemacht wurde, hält die Erinnerung durch das "Nagelkreuz von Coventry" aufrecht, dessen gleichsam als Zeichen der Versöhnung den ehemaligen Gegnern und ehemaligen Alliierten überreicht wird. Als Stätten des Gedenkens und der Versöhnung sollen auch die in aller Welt verstreuten Kriegsgräberstätten dienen, auf denen nicht nur Soldaten sondern zum Teil auch Zivilisten ihre letzte Ruhe gefunden haben, und deren Botschaft ist, dass es nicht "süß und ehrenvoll" ist, "für das Vaterland zu sterben" ( "Dulce et decorum est pro patria mori" – Horaz, Oden III,2,13.)

Denken wir an den II. Weltkrieg, so denken wir an alle Opfer, wir gedenken derer, die an den Fronten als Soldaten fielen, aber auch der Zivilisten die aufgrund der unmenschlichen Kriegführung, für die der II. Weltkrieg das Beispiel ist, umkamen. Unser Gedenken gilt auch all denen, die Opfer von Gewalt und Terror wurden.

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