ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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24.5.2019

Zur Jahreslosung 2005

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,

Jesus richtete diesen Satz an seinen Jünger Simon Petrus: "Ich habe für dich gebeten..." Wir können uns den heftigen Protest unseres Namenspatrons Petrus bildhaft vorstellen: "Wieso sollte denn mein Glaube aufhören? Ich bin bereit, mit dir durch die Hölle zu gehen, egal was es mich kostet. Mein Glaube ist stark und unverwüstlich – komme, was da wolle, auf mich kannst du dich felsenfest verlassen!"

Jesus muss gewusst haben, worauf er sich verlassen konnte: Petrus würde noch in dieser Nacht dreimal schwören, mit diesem Jesus von Nazareth rein gar nichts zu tun zu haben. "Ehe er Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben."

Jesus kannte seinen Simon. Am See Genezareth hatte er den Fischer von seinem Boot und seinen Netzen weg zum Jünger berufen: "Folge mir nach, ich will dich zum Menschenfischer machen!" Simon, sein Bruder Andreas und die Brüder Jakobus und Johannes wurden die ersten der Zwölf.

Simon zeichnete sich durch große Bereitschaft und eine schnelle Auffassungsgabe aus: Als erster sprach er aus, was die anderen vage hofften und dunkel ahnten: "Du, Jesus von Nazareth bist der Christus, Sohn Gottes!" Und Jesus sprach aus, wie er Simon sah: "Du bist der Felsen, auf den ich meine Gemeinde bauen will!"

Dieser Felsenjünger war ein Glaubensheld mit Kardinalfehlern: Großspuriger Heldenmut wechselten bei ihm mit furchtsamem Kleinmut, maßlose Selbstüberschätzung war gepaart mit völligem Versagen… Als er Jesus über das Wasser des Sees Genezareth wandeln sah, wollte er es auch wagen – und versank schreiend in den Fluten. Auf dem Berg der Verklärung wollte er Hütten bauen, wieder im Tal angekommen scheiterte er sofort an den einfachen Aufgaben eines Jüngers. Als Jesus von seinem bevorstehenden Leidensweg sprach, erklärte Petrus diesen Weg für grundfalsch. Jesus musste ihm klar machen, dass aus ihm nicht die Stimme Gottes, sondern des Versuchers sprach. Keinesfalls wollte sich Simon von Jesus die Füße waschen lassen, niemals wollte er seinen Herrn und Meister alleine lassen auf seinem schweren Weg. Am Ölberg jedoch schlief er ein wie die anderen Jünger, als Jesus im Garten Gethsemane im Gebet mit seinem himmlischen Vater rang. Bei der Gefangennahme Jesu war Petrus wach, aber sinnlos unbeherrscht: Er schlug einem der Knechte das Ohr ab mit seinem Schwert...

"Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre!" Vielleicht haben diese Worte dem Jünger Simon Petrus das Leben gerettet. Am nächsten Morgen war er völlig verzweifelt. Nachdem der Hahn gekräht hatte, fiel ihm sein feiger Verrat an seinem Herrn Jesus auf. Er ging hinaus und weinte bitterlich. Der Schmerz über sein Versagen erschien ihm unerträglich Auch der andere Jünger, der Jesus verraten hatte war hinaus gegangen – um seinem Leben ein Ende zu machen.

"Wenn du dich einmal bekehrt haben wirst, dann stärke deine Brüder." Jesus vertraute dem unzuverlässigen Jünger Simon Petrus 8211; und er vertraute ihm eine große Aufgabe an. Dieses Vertrauen machte Petrus stark und bestimmte sein Leben. Er wurde der erste Gemeindeleiter der christlichen Urgemeinde in Jerusalem. Und er stärkte seine Brüder und Schwestern. Nicht aus eigener Kraft und Glaubensgewissheit, sondern aus der Kraft seines Herrn und Meisters: "Ich habe für dich gebeten..."

Simon Petrus gilt als der Mann mit der Schlüsselgewalt. So schmückt er das Eingangsportal unseres Gemeindehauses Parallelstraße, so zeigt ihn das Mosaik der Bekennenden Kirche in der Petruskirche. Oft aber sieht man ihn auch abgebildet mit einem krähenden Hahn als Begleiter. Er konnte ihn wohl sein Leben lang nicht mehr vergessen.

Lutz Poetter