ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.7.2019

Unser diesjähriges Projekt: Sierra Leone
Vom Gewehr zur Nähmaschine

Brot für die Welt

Die Republik Sierra Leone ist etwa so groß wie Bayern. Ungefähr fünf Millionen Menschen leben in dem westafrikanischen Land. Der Krieg (1991-2001) war einer der brutalsten Kriege der jüngeren Zeit. Rebellen der Vereinten Revolutionären Front RUF fielen in die Süd- und Ost-Provinz Sierra Leones ein und terrorisierten jahrelang die Zivilbevölkerung und verstümmelten ihre Opfer.

Wichtiger Mann im Hintergrund war der liberianische Präsident Charles Taylor, der 1989 in seinem eigenen Land einen Krieg begann. Zuletzt besaß Taylor allein die Kontrolle über die liberianischen Diamantenschürfgebiete und profitierte durch den Handel mit der RUF auch von den Diamantenvorkommen in Sierra Leone.

1997 übernahmen eine Militärjunta und die RUF die Macht. Zwei Jahre später überfielen sie die Hauptstadt Freetown und wurden erst nach heftigen Kämpfen mit den ECOMOG-Truppen zurückgeschlagen. Schätzungsweise zehn Prozent der Angreifer Freetowns waren Kinder. Doch nicht nur die RUF verstieß gegen die Menschenrechte. Auch örtliche Selbstschutzverbände rekrutierten Kindersoldaten. Selbst die ECOMOG-Truppen richteten während des Angriffs auf Freetown viele Rebellen außergerichtlich hin. Darunter befanden sich auch Kindersoldaten.

Bis Anfang 2002 haben bis zu 50.000 ehemalige Kämpfer und Kämpferinnen ihre Waffen abgegeben. Die Vereinten Nationen unterzeichneten mit der Regierung Sierra Leones einen Vertrag über die Einrichtung eines speziellen Gerichts für Kriegsverbrechen.

2002 fanden erstmals friedliche Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Zahlreiche UN-Truppen sicherten den Urnengang. Mit 70 Prozent der Stimmen ist Sierra Leones Präsident Ahmed Tejan Kabbah, der 20 Jahre lang als Funktionär bei den Vereinten Nationen gearbeitet hat, für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden.

Rosalis Geschichte

Tränen rollen über Rosalies Gesicht, als sie von ihrer Zeit mit den Rebellen erzählt. Vor dem Überfall wohnte sie mit ihren Eltern und ihrem Baby im Südosten von Sierra Leone. Jetzt hat sie niemanden mehr. "Mein sieben Monate altes Baby wurde in den Busch geworfen. Mein Vater von den Rebellen erschossen und unser Haus verbrannt", bringt sie mühsam hervor. Die Rebellen befahlen ihr, ihre Mutter zu töten. Rosalie weigerte sich. Zur Strafe wurde sie so verprügelt, dass sie auf einem Auge blind wurde. "Ich weiß nicht, was sie meiner Mutter angetan haben", fährt sie fort.

Die heute 30-jährige Rosalie musste mit den Rebellen durch den Busch ziehen. Unzählige Male wurde sie vergewaltigt und dann einem Rebellen zur Frau gegeben. Vier Jahre hieß es plündern, töten und dem "Mann" gefügig sein.

Rosalie zählt zu den 50.000 Kämpfenden, die ihre Waffen abgeliefert haben und jetzt im Flüchtlings-Camp Waterloo in der Nähe der Hauptstadt Freetown einen Neuanfang wagen. Rosalie war eine der ersten Auszubildenden bei MADAM (Mankind’s Activities for Development Accreditation Movement.

Rosalie klagt über Albträume und Angstzustände. Sie weiß nicht, ob sie jemals wieder nach Hause zurückkehren kann. Bei MADAM versucht sie, ihre traumatischen Erinnerungen zu verarbeiten.

Rosalie ist nicht mehr alleine. Im Flüchtlings-Camp hat sie Alice kennen gelernt. Auch die heute 18-Jährige wurde verschleppt und zu grauenhaften Taten gezwungen. Alice lernt ebenfalls Schneiderin. Nach der Ausbildung bekommen die beiden ein kleines Startkapital in Höhe von umgerechnet etwa 150 Euro, damit sie eine Nähmaschine, Schere, Nadeln, Faden und den ersten Stoff kaufen können. Dann werden die ersten Kleider genäht, die sie auf den Märkten verkaufen.

Sie können Ihre Spende in allen Weihnachtsgottesdiensten in die Kollekte geben – wenn Sie das Geld in einen mit Ihrem Namen und Adresse versehenen Umschlag tun, erhalten Sie eine Spendenquittung von uns – oder direkt überweisen auf das Konto beim Kreiskirchlichen Verwaltungsamt Steglitz (Konto-Nr. 77 64 75 EDK Kiel, Blz 100 602 35). Bitte als Stichwort "Petrus-Giesensdorf, Brot für die Welt" nicht vergessen.