Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Reuterstadt Stavenhagen
Ein Rückblick auf den Tagesausflug am 14. September

von Liselotte Studinger

Endlich war wieder einmal ein Tagesausflug mit Herrn Stellmacher angesagt, und ich freute mich schon darauf, denn diese Fahrten sind immer sehr schön und gemütlich, fast familiär. Unser Ziel war die Reuter-Stadt Stavenhagen.

Wir trafen uns um 8 Uhr an der Petruskirche, denn wir mussten mit einer langen Fahrzeit bis zum Ziel rechnen. Der Himmel war grau, aber wir hatten Glück. Je weiter wir uns von Berlin Richtung Norden entfernten um so mehr kam die Sonne hervor, so dass wir schließlich doch noch einen schönen sonnigen Tag hatten.

Herr Stellmacher benutzte ganz gegen seine sonstige Gewohnheit erst einmal die Stadt-Autobahn Richtung Hamburg, um aus Berlin hinaus zu kommen. Da knubbelte sich der Verkehr, aber wir konnten noch von Glück reden, dass es nicht zum Stau kam. Wir konnten nur im Schritt-Tempo fahren. Bei Nassenheide verließen wir die Autobahn und folgten der Straße 96. Dann durchfuhren wir Teschendorf, Löwenberg, Gransee, Dannenwalde und in Fürstenberg gab es einen kleinen Aufenthalt, damit wir die Möglichkeit hatten, die Toilette aufzusuchen, bei der sich dann eine lange Schlange bildete. Erleichtert ging es dann weiter über Neustrelitz und Neubrandenburg. Es gab verhältnismäßig wenig Waldbestand, aber um so mehr weite Flächen von Feldern. Das Getreide war natürlich schon geerntet und der Acker wieder umgepflügt und bereit, die Saat für das nächste Jahr aufzunehmen. Es gab jedoch immer wieder große Flächen mit Mais, der noch nicht geschnitten war, und ich erfuhr, dass der zur Fütterung der Kühe gebraucht wird. Geschnitten und in großen Ballen aufbewahrt, ist damit für die Ernährung des Rindviehs im Winter gesorgt.

Herr Stellmacher machte uns auch immer wieder auf die "Herrenhäuser" und "Schlösser" aufmerksam, an denen wir vorbeifuhren. Ich hatte mich schon oft gewundert, wie viele es davon in ganz Brandenburg gibt. Sie sind zur Zeit Friedrich des Großen entstanden. Die preußischen Könige führten viele Kriege und brauchten dazu auch viele Soldaten. Wenn sich nun der eine oder andere im Kampf bewährt hatte, wurde er vom König in den Adelstand erhoben und mit einem großen Stück Land in Brandenburg belohnt, denn die Besiedelung ringsherum war sowieso sehr dünn.

Zur Mittagszeit erreichten wir Stavenhagen. In einem Restaurant am Marktplatz erwartete man uns schon, weil das Mittagessen vorbestellt war. Auf dem Platz befindet sich vor dem Geburtshaus von Fritz Reuter (1810-1874) ein Denkmal von ihm, welches wir natürlich sogleich ansahen. Aber zuerst stärkten wir uns bei einem guten Essen und danach befassten wir uns mit Fritz Reuter und besuchten das Reuter-Literatur-Museum, welches sich in seinem Elternhaus befindet. Die Führung dauerte über 1 1/2 Std. und in dieser Zeit erfuhren wir alles über das Leben und Wirken des Dichters. Er schrieb hauptsächlich im dort üblichen Dialekt, so dass es oft schwer ist, ihn zu verstehen. Wegen Teilnahme an "Umtrieben" der Burschenschaft in Jena wurde Reuter zu 7 Jahren Festungshaft verurteilt, die er auch absitzen musste. Danach war er 10 Jahre in der Landwirtschaft tätig (zuerst als "Strom" – das ist ein Wirrtschaftseleve). Als er später als Schriftsteller arbeitete, entstanden auch unter anderem die bekannten Werke "Ut mine Festungstid" und "Ut mine Stromtid".

Die Sonne lockte uns ins Freie und da auf dem Programm noch der Besuch der 1000jährigen Eichen in Ivenack stand, bestiegen wir schnellstens unseren Bus, der gewartet hatte und uns die kurze Strecke dorthin brachte. Ich genoss die Sonne und den schönen Wald und stand andächtig vor der eingezäunten 1000jährigen Eiche und stellte mir vor, was sie schon alles erlebt hatte. Ja, sie lebte! Nicht nur der Stamm war unwahrscheinlich dick und gesund, auch die Krone breitete sich mit vielen Ästen sehr umfangreich aus und hatte gesunde grüne Blätter. Von solchen Bäumen gab es auch noch mehr. Manche waren "nur" 800 Jahre alt, aber das ist ja auch schon ein beachtliches Alter. Auf diesem großen Gelände gab es auch noch einen Tierpark.

Bei solchen Baumriesen liegt es auf der Hand, dass sich Sagen und Legenden im Laufe der Jahre entwickelten. Eine Sage erzählt, dass sieben Nonnen im Schlafe von Räubern überrascht wurden und halbnackt in den Wald flohen. Am Morgen darauf stellten sie fest, dass ihr Anblick sündhaft sei und baten den Herrgott, dass er sie den Bäumen gleich im Walde schützen möge. Die Bitte wurde erhört, und sie wurden in Eichen verwandelt.

Nach diesem Besuch gab es noch eine Kaffee-Stunde in Stavenhagen mit leckerem Pflaumenkuchen und dann traten wir den Heimweg an.

Am Tollense-See machte Herr Stellmacher nochmals halt, um uns die Möglichkeit zu geben, in einem großen Fischladen, der alle Arten von frischen und geräucherten Fischen anbot, einzukaufen. Dann ging es aber ohne einen weiteren Aufenthalt nach Berlin. Herr St. unterhielt uns noch mit Musik und so beendeten wir den schönen Tag mit dem gemeinsamen Gesang von Wanderliedern.

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