Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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18.9.2019

Urlaubs-Zeit

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Nur noch wenige Wochen, dann werden wieder Millionen Menschen die Koffer packen und in den lang ersehnten Urlaub aufbrechen. Und egal wo man hinkommt in diesen Sommertagen, gleich mit wem man ein belangloses Schwätzchen beginnt, die Frage nach dem Urlaub gehört dazu: Wo geht's denn hin?

Urlaub, die schönste Zeit des Jahres? – Nicht, wenn der Stress nur ein anderer ist.

Was ist eigentlich so faszinierend am Urlaub, an der schönsten Zeit des Jahres, wie die Urlaubszeit so oft bezeichnet wird? Was macht den Urlaub so herausragend?

Urlaub ist noch lange nicht Urlaub! Das Verständnis dafür, was den Urlaub zum Urlaub macht, ist individuell sehr unterschiedlich. Der eine misst seinen Urlaub nach Kilometern, der nächste an der Anzahl geschriebener Ansichtskarten und wieder ein anderer an den Eintrittskarten. Für viele ist erst dann Urlaub, wenn sie den Sonnenbrand mit einer dunklen Bräune getauscht haben.

Urlaub ist auch eine Art von Leistung. Man leistet oder hat sich was geleistet. Die Vorstellung, dass Urlaub mit Erholung gleichzusetzen ist, scheint sich aber in einigen Teilen der Bevölkerung längst überholt zu haben.

Jüngst hat eine Umfrage von Freizeitforschern gezeigt, dass drei von fünf Urlaubern im Nachhinein sogar dankbar für den erlebten Stress sind.
Die Freizeitforscher hatten wissen wollen, ob die Reisenden in ihrem Urlaub Stress erlebt hätten und was er für sie bedeutet habe. In den Antworten kehrten die bekannten Missstände wieder: überfüllte Straßen und Strände, Unfälle und Staus, klimatische Schwierigkeiten. Doch eine große Überraschung war, dass die Mehrzahl der Urlauber diese Beeinträchtigungen nicht bereut hat.

"Verkehrte Welt" – so mein erster Gedanke, begründen wir doch alle unseren Urlaub mit Überlastung und suchen die Ruhe, um ruhig zu werden. Oder doch nicht? Können oder wollen wir nicht anders?

Mir scheint, wir sitzen in der Klemme. Auf der einen Seite fühlen wir uns getrieben, haben wir den Eindruck, der Zeit hinterher zu laufen. Auf der anderen Seite scheinen immer mehr Menschen aus Angst, etwas zu verpassen nichts so sehr zu fürchten wie die Ruhe und die Stille, die Einkehr einer belastungsfreien Zeit.

Aber es gibt auch noch die Menschen, die ihren Urlaub deshalb so sehr genießen, weil sie einerseits der Alltagshektik entkommen sind, andererseits aber auch wieder Gelegenheit suchen, auf ihre innere Stimme zu hören: ihre Sehnsucht, ihre Hoffnungen, ihre Bedürfnisse.

Der Urlaub ist also Gelegenheit, aus der Klemme zu kommen, seine innere Mitte wiederzusehen. Und wenn der Urlaub vorbei ist? Gerade im Alltag ist es oft so schwer, diese Balance von Arbeit und Ruhe zu finden.

Darf es denn wahr sein, dass wir nur wenige Tage im Jahr zu uns selber finden, aus innerer Ruhe heraus leben können?

Von Jesus ist bekannt, dass er sich täglich in die Stille zurückzog, um sich zu sammeln, um auf die innere Stimme zu hören, um mit Gott zu sprechen und seinen Weg vor ihm zu bedenken: um zu beten. Es lohnt sich, diesem Beispiel zu folgen. Es kostet auch keine Zeit, die an anderer Stelle fehlt. Es schenkt vielmehr die Kraft und Ausgeglichenheit, die dabei helfen, das Leben mit Bedacht und konzentriert zu leben. Letztlich kommt das auch unseren Mitmenschen zu Gute.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir auch nach der Urlaubszeit dieses Sommers Phasen der Ruhe und der Besinnung auf uns selbst und auf Gott suchen. Wir werden reicher durch sie, nicht ärmer. Wir erleben unsere Lebenszeit letztlich erfüllter: wir gewinnen Zeit. Behüte Gott Sie auf Ihren Wegen in diesem Sommer!

Pfarrer Michael Busch

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