ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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19.1.2019

Goldene Konfirmation 2004

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Mehr als 20 Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden haben sich eingefunden zum Jubiläumsgottesdienst in der Petruskirche am Palmsonntag. Helga Matussek und Bärbel Witte ließen die Telefondrähte glühen, um möglichst viele Mitkonfirmanden der Jahrgänge 1953 und 1954 ein zu laden. Die meisten Jubilare hatten ihre Konfirmation in der Petrusgemeinde erlebt, eine Konfirmandin aus Giesensdorf und zwei Konfirmanden aus anderen Gemeinden nahmen teil.

Es wurde ein festlicher und inhaltsreicher Gottesdienst: Unser Kantor und Organist Michael Zagorni sorgte mit dem Petruschor und an der Walcker-Orgel für den würdigen kirchenmusikalischen Rahmen. Die Erinnerungen von Helga und Bärbel an die Jugendjahre im Lichterfelde der Nachkriegszeit hinterließen einen starken Eindruck - bei den Altersgenossen wie bei den Jüngeren, die diese Zeit nur aus Erzählungen kennen. Welch ein gewaltiger Unterschied zur Situation unserer Konfirmanden heute! In der Palmsonntagspredigt nahm Pfarrer Lutz Poetter das Bild vom Einzug auf: Jesus Christus zieht ein - mitten hinein in unsere Lebenswirklichkeit. Sind wir bereit für seinen Einzug, geben wir ihm Raum in unserem Leben?

Ein anrührendes Bild boten auch die Jubilare selbst: Im Kreis um den kleinen Altar aufgestellt empfingen sie ihre persönliche Urkunde zur Goldenen Konfirmation. Im anschließenden Abendmahl bekräftigten alle ihre Verbundenheit in Christus. Im Anschluss an den festlichen Gottesdienst waren die Goldenen Konfirmanden zum geselligen Beisammensein, Plaudern und Erinnerungen austauschen in der Winterkirche eingeladen. Das reichhaltige Bufett haben die Jubilare selber beigesteuert, die Gemeinde sorgte für die passenden Getränke. Mit „Tante Hilde“ Trotz und Helmut Lehmann waren zwei Gemeindeglieder dabei, die für die damals Halbwüchsigen als junge Erwachsene Vorbilder und Leitfiguren waren...

Es wurde ein intensives Gespräch über Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde. Dabei entstand die Idee, die Erinnerungen der noch lebenden Zeitzeugen zu sammeln, um ein Bild von der Gemeindesituation im Zweiten Weltkrieg zu zeichnen. Dies soll mit Unterstützung es Gemeindekirchenrates im nächsten Jahr ein Projekt der Gemeinde Petrus-Giesensdorf werden: 60 Jahre nach 1945.

Der Erfolg der diesjährigen Feier der Goldenen Konfirmation macht Mut für die nächste Feier 2006. Ein herzliches Dankeschön an alle, die zum Gelingen beigetragen haben.

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Gedanken zur Goldenen Konfirmation
von Helga Matussek

O4.O4.O4 – ein denkwürdiges Datum.
Wer hätte gedacht, einen Gottesdienst in der Kirche mitzugestalten?

Wie war es denn nun vor 50 Jahren?

Am Ende der 2 Jahre Konfirmandenunterricht wurde vom Superintendent Tecklenburg eine Prüfung abgenommen. Die Aufregung war groß. Wir hatten alle Prüfungsangst, aber der Herr Pfarrer hat uns beruhigt.
Zur Prüfung brauchten die Mädchen ein Prüfungskleid. Es wurde also Stoff gekauft, und ich habe mein Kleid selbst genäht. Die Konfirmation war eine große Sache!

Manch ein Konfirmand mußte noch ein weiteres Jahr warten, denn viele Familien hatten kein Geld dafür. Alle haben auf dieses große Ereignis gespart. Oft wurden Geschwister verschiedener Jahrgänge aus Kostengründen gemeinsam konfirmiert.

Die Jungen bekamen einen neuen Anzug oder ein Sakko, die Mädchen ein neues Kleid, meist aus Taft, das später dann ab- und umgeändert werden konnte. Es gab ein Paar neue Schuhe und außerdem für die Mädchen ein Paar Perlon–Strümpfe und die 1. Dauerwelle.

Die Geschenke, die es zur Konfirmation gab, waren natürlich wichtig. Sie waren aber meistens praktischer Art. Es gab Nachthemden, Unterwäsche oder schon etwas für die Aussteuer. Wenn man ganz viel Glück hatte bekam man eine Uhr oder Ohrringe.

In den beiden Jahren 1953 und 1954 gab es in der Petrusgemeinde 280 Konfirmanden.

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Meine Konfirmation 1953
von Bärbel Witte

Mein Konfirmationsspruch:

Wie war es damals!

Die meisten von uns hatten keine Väter mehr, die nämlich im letzten Krieg gefallen oder als vermisst gemeldet waren.. Viele Ehen gingen in die Brüche, weil die Frauen in den schwierigen Jahren des Krieges und der Nachkriegszeit von der Mutter bei den Kindern zuhause und am Herd zur berufstätigen Frau in aller Selbständigkeit und mit Selbstbewußtsein zum Familienvorstand geworden war. In Bombennächten und Hungerzeiten hatte sie ihre Kinder mit viel Phantasie und Lebenswillen durchgebracht. Nun hatten sich viele Partner entfremdet. Die aus dem Krieg heimgekehrten Männer erkannten ihre Frauen nicht wieder. Sie mussten Arbeit finden, was nicht leicht war und fühlten sich oft von ihren starken Frauen in der Familienhierarchie entthront.

Die wichtigste Aufgabe war, für Essen und Trinken und die einfachsten täglichen Bedürfnisse zu sorgen. Es gab keine Waschmaschine, aber dafür einen Waschtopf oder eine Waschküche, in der die Wäsche noch sauber gekocht wurde. Wir hatten auch noch Ofenheizung. Das Geld war knapp. Es gab noch viele Ruinen, besonders auf unserem Schulweg nach Lankwitz hin. Wir fuhren bis Steglitz mit der Straßenbahn 73, die im Jungfernstieg ihre Endhaltestelle hatte (ein Schülerfahrschein kostete 15 Pfennige, um die zu sparen, sind wir - solange wir noch kein Fahrrad hatten, gelaufen ). Berlin war eine 4-Sektorenstadt, es gab keine Mauer (Mauerbau: 1961) Es gab aber 2 Währungen: im englischen, amerikanischen, französ. Sektor die DM und im russischen Sektor die Ost-Mark. Es gab Wechselstuben, in denen wir 1,- DM zu 5,- Ostmark tauschen konnten. Für Freizeitgestaltung war kein Geld da. Es gab kein Fernsehen, aber das Radio: Niemand versäumte die Sendung "der Insulaner" und die Hörspielsendungen "Paul Tempel und der Fall van Dijk" oder "Jonathan" "Es geschah in Berlin" und die Berliner Geschichte von "Familie Buchholz".

In der Lorenzstraße konnten wir noch auf Kopfsteinpflaster Völkerball spielen. Aber wer konnte sich einen Kinobesuch leisten?

Wir Kinder hatten die Schule, unsere Aufgaben zuhause und waren froh, dass wir in der Gemeinde neben dem „Konfer“ eine Gemeinschaft fanden, in der wir mit Gleichaltrigen unsere Probleme und Anliegen besprechen konnten. Aber vor allem, wo wir den familiären Sorgen zum Miteinander- Fröhlichsein entfliehen konnte.

Es gab fein säuberlich getrennt Jungenkreise und Mädchenkreise, in denen Bibelstunden gehalten, gesungen und gespielt wurden. Später wurden gemeinsame Volksliederabende mit Helmut Lehmann veranstaltet. Beliebt war auch der Volkstanz mit Erich Mach.

Ab Mitte der 50er Jahre gab es eine Laienspielgruppe, die der damalige Vikar Herbert Schulze ins Leben rief. Diese hielt sich ein paar Jahre, da Herbert Schulze, der dann Industrie- und Sozialpfarrer war, immer noch Spaß hatte, sie weiter zu führen.

Übrigens wurden damals die Glocken der Petruskirche verantwortlich von zwei Jungen aus dem Konfer Arnulf Lemke u. Frieder Schröder – beide sind nicht mehr am Leben) zu den Amtshandlungen, sonntags zur Kirche und um 18.00 Uhr am Sonnabend mit der Hand geläutet. Eigentlich durften nicht mehr als drei Leute hinauf in den Turm, aber es wusste ja niemand, dass oft vier oben waren.

Das war ein Spaß für sich: einmal wegen der Aussicht vom Turm und weil die schweren Glocken uns auch mit dem Seil hochhoben, wenn sie im Schwingen waren. Man musste sehr aufpassen und die große Glocke konnte nur zu zweit wieder zur Ruhe gebracht werden. Heute würde man diese Art des Glockenläutens jungen Leuten gar nicht mehr erlauben Es war eine besondere Ehre, jede Woche den Plan der Amtshandlungen von der Gemeindehelferin zu holen, und dann pünktlich zu läuten. Später hatten Werner Schwinn und andere die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen.

Wir trugen auch mit Stolz das Kugelkreuz am Revers unserer Jacken, das Zeichen der Ev. Jugend damals.

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