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23.4.2018

8. Mai 1945 und 8. Mai 2004
Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde

von Klaus Leutner

Foto: mediaray
Ehemaliger Zwangsarbeiter bei der Einweihung des Mahnmahls im Mai 2001
8. Mai 1945 und 8. Mai 2004 – gewöhnliche Tage? Wohl kaum.

Als endlich am 8. Mai 1945 die Waffen schwiegen und der von Deutschland entfesselte Weltkrieg wieder am Ausgangspunkt seines Entstehens, nämlich in Berlin war, da atmete die Welt auf. Weit über 50 Millionen Tote als Folge deutscher wahnwitziger Pläne, waren umgekommen. Alleine die damalige Sowjetunion hatte über 20 Millionen, unser Nachbarland Polen 6 Millionen Tote zu beklagen.

Diesen Tag aus dem deutschen Gedächtnis zu streichen bedeutet, die Wurzeln, positive wie negative, unserer unmittelbaren Nachkriegsgeschichte zu streichen. Das die Ewiggestrigen in unserem Lande gerne dieses Datum aus ihrer Erinnerung streichen wollen, ist bekannt. Die negativen Folgen, auch für die individuelle Freiheit, sind aber vielen Menschen nicht ganz klar.

Die Zeichen, nicht nur in Deutschland, mehren sich, dass Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit auf dem Vormarsch sind. Hier gilt es rechtzeitig dagegen zu wirken. Jüngstes Symbol dafür ist die Schändung der "Säule der Gefangenen" mit Hakenkreuzen, die sicherlich nicht von Freunden der Demokratie angebracht wurden. Haben diese Leute nicht bessere Symbole, mit denen sie werben können als das Hakenkreuz, wenn denn, wie sie glauben, ihre Idee der Menschheitsbeglückung die Bessere sei? Unter diesem Symbol sind unsere jüdischen Landsleute, Andersdenkende, Christen und "Lebensunwerte" zuerst in Deutschland und dann in ganz Europa umgebracht worden. Ist das ein Symbol, dass für ein gutes Deutschland steht? Von diesem Hakenkreuz trieft das Blut von Millionen unschuldiger Menschen, auch Deutscher. Sind diese deutschen Opfer etwa unehrenhaft gestorben und die Nazis, die Schlächter, etwa ehrenhaft? Die roten Hakenkreuze auf dem Denkmal, an wen sollten sie erinnern?

Wir erinnern an die Opfer. Mit den Tätern haben wir nichts gemeinsam. Hier sind wir mit unseren Gedanken wieder am 8. Mai angelangt. Diesmal aber beim 8. Mai 2004.

Auch dieses Jahr können wir, die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V., dank der Spenden der hiesigen Kirchengemeinden und einer namhaften Steglitzer Firma wieder ehemalige KZ-Häftlinge dieses Außenlagers von Sachsenhausen zu uns nach Steglitz-Zehlendorf einladen und mit ihnen gemeinsam den Tag ihrer und unserer endgültigen Befreiung von der Nazidiktatur feiern, von ihnen Dinge hören, die kein Geschichtsbuch parat hat, und uns neu stärken für die Aufgaben, die uns in Zukunft erwarten.

Wer noch spenden möchte, damit wir auch weiterhin, solange sie anreisen können, die ehemaligen Häftlinge einladen können, der kann dies tun. Jeder Euro ist nicht nur Ausdruck des Willkommens für unsere Gäste aus Polen, Ukraine, Luxemburg und den Niederlanden, nein es ist auch die Stärkung eines demokratischen Gedankens, der darin zum Ausdruck kommt.

Unser Konto lautet:

Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 100 205 00
Kto-Nummer: 3003700
Kto-Inhaber: Initiative KZ-Außenlager

Wir stellen Ihnen auch gerne Spendenbescheinigungen aus.

Unsere Gäste werden im Laufe des 5. Mai in Berlin eintreffen. Für den 6. Mai haben wir Treffen mit Schülern und den Gästen geplant. Am 7. Mai wollen wir das ehemalige Frauen-KZ Ravensbrück besuchen.

Sie alle sind herzlich eingeladen, am Sonnabend, den 8. Mai 2004, gemeinsam mit den Gästen, Botschaftsangehörigen aus ca. 15 Ländern, dem Auswärtigen Amt, den Vertretern der politischen Parteien unseres Bezirkes und vielen Schülern von 10.30 bis ca. 12 Uhr an der Feierstunde an der "Säule der Gefangenen" in der Wismarer Straße im Ortsteil Lichterfelde teilzunehmen.
Am selben Abend ab 17.30 Uhr richten die Mitglieder der Johann-Sebastian-Bach-Gemeinde einen "Abend der Begegnung" in ihrem Gemeindehaus in der Luzerner Str. 10–12 aus.
Mitglieder des Lehrerkollegiums des Oberstufenzentrums für Wirtschaft und Verwaltung aus der Lippstädter Straße werden für die musikalische Umrahmung sorgen, und Sie können sich mit den Häftlingen gedanklich austauschen. Dolmetscher werden anwesend sein.

Am 9. Mai werden wir als Gäste der Botschaft der Russischen Föderation an deren Feierlichkeiten im Gedenken an ihre Opfer, die sie auch für Deutschland gebracht haben, teilnehmen und am 10. Mai werden alle Gäste wieder die Heimreise antreten und hoffentlich vom guten Deutschland in ihrer Heimat berichten.

Auch wenn der 8. Mai dieses Jahr ein Sonnabend ist, sollten alle demokratisch gesinnten Steglitz-Zehlendorfer Bürger zeigen, dass wir nicht gewillt sind, uns die Demokratie durch Unverbesserliche zerstören zu lassen.

Herzlichst

Ihr Klaus Leutner von der Initiative
KZ-Außenlager Lichterfelde

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