ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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26.3.2019

Erlebte Freude weitertragen
Gedanken zum Osterfest

von Pfrn. Susanne Peters-Streu


Maria Magdalena berichtet den Jüngern vom leeren Grab – Alban-Psalter, Hildesheim, 12. Jahrhundert

Das Johannes Evangelium erzählt: Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.
Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.
Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.
Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!
Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt. Johannes 20, 11-18

Plötzlich hört Maria die Stimme, die ihr so vertraut war. Wie wird sie das angerührt haben. Voller Traurigkeit im Herzen war sie zum Grab gekommen. Sie weint. Sie ist wie betäubt von all dem, was sie in den letzten Tage erlebt hat. Ihr Blick ist wie mit einem Schleier verhangen, sie erkennt nicht, wer ihr begegnet.
Da hört sie: "Maria!" Es klingt vertraut, wie sie mit ihrem Namen angesprochen wird. Es ist als richte sie einer auf, als öffne einer ihr Herz, als rüttele sie einer wach. "Marie!" Da kann sie nicht ruhig stehen bleiben, möchte Jesus in die Arme schließen, ihn berühren, ihm ganz nahe sein.
"Rühre mich nicht an", scharf und ist zurückweisend sind seine Worte. Ich frage mich warum, warum ist der Auferstandene nicht mit Händen zu greifen?
Aber was wäre dann anders?

Ostern lässt sich nicht dingfest machen. Ostern ist von uns nicht mit den Händen zu greifen. Ostern verwandelt die Herzen und Sinne. Es setzt mich in Bewegung, mein Leben in dieser Welt neu wahrzunehmen. Ostern kommt aus dem Schauen und Hören, nicht aus dem Anfassen und Greifen. Und Maria geht los und verkündigt was sie erlebt hat. Sie erzählt weiter, was sie erfahren hat und was ihr das Herz füllt. Sie findet Kraft loszugehen und nicht hängen zu bleiben in der Traurigkeit. Die Trauer bleibt unverrückbar ihre Erfahrung, aber die lähmende Macht, die auf ihr lag, verliert ihre Kraft.

Ostern ist das Erleben, dass Tod, Leid und Not nicht die letzten Mächte sind, denen ich im Leben gegenüberstehe, dass Verzweiflung nicht ewig bleibt. Ich spüre Dankbarkeit und Freude in mir, wenn ich nach einer tiefen Krise verändert aufstehen kann. Wenn mir Kraft zuwächst langsam Schritt für Schritt das Leben wieder in die Hand zunehmen, Beziehungen zu klären, Konflikten nicht auszuweichen, Fühlen und Denken wieder dichter aneinander zu rücken. Das Leben steckt voller Wunder und Geheimnisse, auf die ich dankbar blicken kann. Ostern zu neuem Leben aufstehen. Lebensfreude spüren, Zuversicht gewinnen für das Leben in seiner ganzen Spannung zwischen Höhen und Tiefen, Anspannung und Entspannung, Glauben und Zweifel.

Ostern wird, wo Menschen erleben, dass sie aufgerichtet werden. Ostern wird, wo diese Erfahrungen weitergesagt werden. Wo erzählt wird von dem, was Menschen vor fast zweitausend Jahren erlebt haben. Dass ich diese Geschichten höre, dass ich sie glauben kann und darf, das weckt in mir die Freude sie weiter zu sagen und weiter zu geben.

Ich lebe von den Momenten und Erfahrungen des aufgeweckt Werdens. Sie lassen mich losgehen und aufmerksam werden für andere Menschen. Maria ist angesprochen worden mit ihrem Namen und der ist ja mehr als nur ein Wort. Wer so angesprochen wird, erlebt: Ich bin gesehen, wahrgenommen, einer erkennt mich.
Auch ich bin angesprochen worden, wahrgenommen worden durch andere Menschen, durch Gott. Ich habe durch sie erfahren vom Glauben und der Liebe und wie Maria kann ich dies weitertragen und weitersagen. Das ist Ostern. Erlebte Freude weitersagen, weitertragen, so werden wir zu Gefährten und Gefährtinnen der Hoffnung und der Liebe. Christus ist wahrhaftig auferstanden!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest

Pfrn. Susanne Peters-Streu