ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.5.2019

Unsere Dorfkirche
Teil 1: Ghiselbrechtstorp und die ersten Bewohner

von Torsten Lüdtke


Dorfkirche Giesensdorf heute

An der Einmündung der Osdorfer Straße in den Ostpreußendamm steht – von einer dicken Mauer geschützt – die alte, aus Feldsteinen gemauerte Giesensdorfer Dorfkirche. Verkehrslärm und die Hochhäuser der Thermometer-Siedlung lassen nur noch wenig von dem vor über 700 Jahren gegründeten Giesensdorf erahnen, lediglich das kleine Kirchlein weist in die Gründungszeit des Dorfes im 13. Jahrhundert zurück.

Giesensdorf wurde – wie viele andere Orte in Brandenburg auch – an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet, die im Zuge der sogenannten deutschen Ostsiedlung in die nur dünn von slawischen Stämmen besiedelte und in großen Teilen noch von Wald, Heide und Sümpfen bedeckte Mark einwandern. Lokatoren führten die Trecks der vor allem in Flandern, Westfalen und Niedersachsen angeworbenen Bauern bei ihrem tagelangen, entbehrungsreichen Marsch zu den neuen Siedlungsplätzen an; diese Lokatoren waren es auch, die – durch landesherrliche Urkunden zum Ortsgründer bestellt – die Landnahme und die Landverteilung organisierten und oft sogar dem neugegründeten Dorf ihren Namen gaben. Auch Giesensdorf hat wahrscheinlich so seinen Namen erhalten:, Als "Ghiselbrechtstorp" wird Giesensdorf 1299 in einer Urkunde des Markgrafen Herrmann erstmals erwähnt; ein Mann namens Gieselbrecht ist daher wohl als Lokator und Gründer des Dorfes anzunehmen.

Mit der Gründung des Dorfes östlich der Bäke am Lichterfelder See ging der Bau einer Kapelle oder Kirche durch die Siedler einher. Als Baumaterial dienten Findlinge, wie sie sich in großer Zahl auf den urbar zu machenden Äckern fanden. Mit der Ostseite, die nur eine Breite von rund sieben Metern aufweist,wurde gegen 1250 der Bau begonnen; hier wurde auch der Altar aufgestellt, der sich ungefähr da befand, wo auch heute noch der Altartisch steht. Die Kapelle erhielt kleine Fenster und eine nur enge Pforte, denn wie so viele andere Kirchen in der Mark diente der einzige Steinbau des Dorfes den Dorfbewohnern als letzter Verteidigungs- und Zufluchtsort.


Urkunde von 1299

Um 1300 wird das winzige Gotteshaus erweitert; der Anschluß ist im Inneren durch die schwächer werdende Mauer – wie auch von Außen durch das nachlässigere Mauerwerk zu erkennen. An der Nordseite der Kirche sind links von der Sakristei und auch schräg darüber die Fenster des Ursprünglichen Baus zu sehen. Unmittelbar rechts von der Sakristei erkennt man auch den Übergang vom frühen Mauerwerk zu den nachlässiger versetzten Steinen der Erweiterungsbaues.
Der Erweiterungsbau erhielt ebenfalls schmale, an Schießscharten erinnernde Fenster, doch wurden diese – wie auf der Südseite sichtbar – spitzbogig in Backstein gemauert, doch waren die schmalen Fenster damals nicht verglast; lediglich Gitter – und möglicherweise Holzläden – schützten das Kircheninnere. Über den Raumeindruck, der sich damals bot, können wir nur spekulieren; jedoch kann als verhältnismäßig sicher ein in großen Teilen lediglich gekalkter, flachgedeckter Raum mit leicht erhöhtem, steingepflastertem Altarbezirk angenommen werden.

Einen Turm hat die Kirche nicht erhalten; die geringe Größe des Kirchenschiffes lässt eher einen hölzernen Dachreiter mit kleiner Glocke wahrscheinlich erscheinen – doch könnten auch bei der relativen Armut des Dorfes diese ganz fehlen.

Beim Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg hat man sich stark an diesen – für das ausgehende Mittelalter typischen – Befunden bei der Innen- wie auch Außengestaltung orientiert, und so präsentiert sich die Dorfkirche in ihrer heutigen Gestalt fast ganz so wie vor rund siebenhundert Jahren.
Auch wenn wir von den ersten Bewohnern Giesensdorfs nicht viel wissen, so können wir noch heute ihre Spuren sehen.

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