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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Dezember 2003/Januar 2004 |
19.5.2012 |
Aber in diese Freude schleicht sich vielleicht auch mehr und mehr Unbehagen. Weit vor der Adventszeit tauchen die ersten Vorboten in den Geschäften auf. Längst scheinen wir uns dem massiven Konsumterror zu Advent und Weihnachten und der von Jahr zu Jahr zunehmenden Verramschung des Weihnachtsfestes ergeben zu haben. Zu keiner Zeit des Jahres lässt sich so wie im November und Dezember die ewige Wiederkehr des Gleichen beklagen. Und ich frage mich, ob nicht längst aus Advent und Weihnachten so etwas geworden ist wie die ständige Wiederholung alter Fernsehfilme? Es war das jüdische Volk, das seit Jahrhunderten auf den endgültigen Befreier gewartet hat, auf denjenigen, der die gute Schöpfung Gottes in ursprünglicher Schönheit wiederbringt. In den wechselhaften Zeiten des jüdischen Volkes ist es nur zu verständlich, dass diese glühende Hoffnung immer wieder zu Situationen führte, in denen man glaubte: Jetzt ist er gekommen! Aber immer wieder relativierte sich diese Hoffnung auch. So wie es eine alte chassidische Legende erzählt: "Die Schüler eines Rabbis in Jerusalem brachten ihm eines Morgens die Nachricht: `Der Messias ist gekommen!' Der Rabbi stand auf, ging ans Fenster, kam zurück und setzte sich wieder. `Was sollen wir nun tun?' fragten die Schüler. `Ruhig weiter lernen sollt ihr', sagte der Rabbi und fuhr fort: `Wie kann denn der Messias gekommen sein, wenn nichts in der Welt sich erneuert hat?` Das ist bis heute die entscheidende Frage der Juden an die Christen: "Wie kann der Messias gekommen sein, wenn nichts in der Welt sich erneuert hat?"
Alles, was in den nächsten Wochen bis Weihnachten auf den Weg gebracht wird, das Hilfreiche und das Hilflose, das Wertvolle und das Kitschige, das Geheimnisvolle und das Marktschreierische – alles hat seinen Ursprung in der Geburt des Sohnes der Maria und des Josef aus Galiläa, von dem Christen glauben mit ihm den Beauftragten Gottes unter sich zu haben, heute und darüber hinaus. Aber geraten nicht damit Advent und Weihnachten in ein widersprüchliches Licht? Sollen wir auf etwas warten, das schon gekommen ist? Oder sollen wir warten, dass Gott am Ende der Zeiten erscheint? Wer die Geschichten der hebräischen Bibel, dem Alten Testaments liest, der wird feststellen, dass alles an Gott ein Kommen ist. Auch Jesus spricht ständig vom Kommen. Bis zu seinem Tod hat er das Kommen, das Hereinbrechen der Gottesherrschaft gepredigt. Ein konkreter Termin ist damit nicht gemeint. Die Wochen der Adventszeit sind deshalb nicht einfach "Wartewochen" auf Weihnachten bei Kerzenschein und Glühwein. Sie sind vielmehr Erinnerung und Mahnung: Macht Gott weder zu einem alten Mann im Himmel noch zu einem Christkindchen, das jährlich aus dem Karton geholt wird. Denn alles an ihm ist Kommen. Immer kommt er auf uns zu. Ständig ist er aus der Zukunft zu uns auf dem Weg. Christen bekennen, dass in der Person Jesu von Nazareth Frieden und Gerechtigkeit schon begonnen haben und weiter wachsen. Juden können so nicht denken und reden. Für sie steht alles noch aus. Christen glauben, dass Gott in dem Juden Jesus von Nazareth in diese Welt gekommen ist, und dennoch können sie gleichzeitig nicht so tun, als wäre schon alles erfüllt. Juden können uns deshalb durch ihre Geschichte lehren, zu klagen und zu hoffen und zu warten auf das endgültige Heilwerden dieser unheilen Welt. Gerade in dieser Adventszeit sollte uns diese Spannung zwischen dem Gegenwärtigen und dem Kommenden anspornen: Ungeduld und Sehnsucht auf das, was noch aussteht, so als wäre das Alte schon vergangen, und gleichzeitig täglich gerechter und rücksichtsvoller mit dieser Erde und den Menschen, die darauf wohnen, umgehen, als käme nichts Neues mehr nach. Eine hoffnungsvolle Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Michael Busch
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