Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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7.12.2019

"Vor 2000 Jahren sagte eine Stimme aus Betlehem, dass alle Menschen gleich sind"
Vor 75 Jahren wurde Martin Luther King geboren

von Christian Feldmann

Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.

Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.

Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird.

Die rauen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen.

Martin Luther King
(*15.1.1929 †4.4.1968)
Aus seiner weltberühmten Rede
"I have a dream", Washington 1963

Es begann 1954 in Montgomery, der Hauptstadt des US-Staates Alabama, einer Bastion der Rassentrennung. Farbige und Weiße durften nicht zusammen im Taxi fahren, in den Bussen waren die Sitze streng voneinander getrennt. Wenn allerdings die Plätze für die Weißen nicht ausreichten, mussten ihnen die schwarzen Fahrgäste Platz machen, andernfalls drohte ihnen die Verhaftung.

Doch 1954 geschah etwas Unerhörtes: Die farbige Näherin Rosa Parks, eine freundliche, ruhige Frau mittleren Alters, wurde inhaftiert, weil sie sich geweigert hatte, einem weißen Fahrgast ihren Sitzplatz abzutreten. Und plötzlich begannen sich die Schwarzen Montgomerys zu wehren.

381 Tage lang gingen sie zu Fuß, fuhren per Anhalter, ritten manchmal sogar auf Maultieren zur Arbeit. Die Autobesitzer gründeten eine Beförderungsgesellschaft. 381 Tage hielten die Schwarzen ihren Boykott eisern durch, dann war das Busunternehmen am Rand des Ruins. Und das Oberste Bundesgericht erklärte die Rassentrennung in den Bussen für verfassungswidrig.

Führungsfigur dieser Protestbewegung, die auf ganz Amerika übergreifen und die Gesellschaft nachhaltig verändern sollte, war der damals 26-jährige Baptistenpastor Martin Luther King – am 15. Januar 2004 wäre er 75 geworden. Ein eher scheuer, ernster Mensch, zur Melancholie neigend. An der Universität war er ein eleganter Student gewesen, ein guter Tänzer und mitreißender Redner.
Die Bibel war ihm eine empörende Lektüre. King: "Vor 2000 Jahren sagte eine Stimme aus Betlehem, dass alle Menschen gleich sind. Sie sagte, Recht werde triumphieren."

Doch warum nahm man diese Botschaft nicht ernst? Warum sperrte man die schwarzen Brüder aus den weißen Kirchen und die Kinder der Farbigen aus dem weißen Religionsunterricht aus?

Voll im Evangelium wurzelte Kings Idee der Gewaltlosigkeit. Der Gegner sollte nicht vernichtet, sondern zum Nachdenken gebracht werden. "Bedingungslose Liebe" sei die einzige Möglichkeit, die tödliche Spirale von Hass und wieder Hass, Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen.

In Memphis im Bundesstaat Tennessee wurde der 39-jährige Martin Luther King am 4. April 1968 von einem jungen Weißen erschossen. Seine Botschaft erscheint dreieinhalb Jahrzehnte nach seinem Tod – leider oder Gott sei Dank? – unverändert aktuell.

Christian Feldmann

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