Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.11.2019

Zum Monatsspruch Oktober

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Spät am Abend klingelt die Polizei an der Tür. "Wir haben leider eine sehr schlimme Nachricht für sie. Ihr Mann...."

Hiobsnachrichten, wo sie uns erreichen, bekommt das Lebensgebäude tiefe Risse und droht einzustürzen, der Boden unter den Füßen beginnt zu wanken. Tiefgreifende Fragen kommen auf, auch die nach der Gerechtigkeit Gottes.
Hiob ging es nicht anders, von dem es im Alten Testament heißt, dass er fromm, rechtschaffend, gottesfürchtig war und das Böse mied. Obwohl oder gerade weil er diese Tugenden besitzt, wird er "Opfer" einer makabren Wette zwischen Gott und dem Teufel.


Francis Gruber: Hiob

Als wäre das Leben mit all seinen Schicksalsschlägen nicht schon schwer genug, stellt Gott Hiob auf die Probe, gibt dem Teufel freie Hand. Wie viel Leid kann er vertragen, und wie lange dauert es, bis er seinen Glauben aufgibt und sich von Gott abwendet?

Hiob verliert alles: seinen Besitz und seine Kinder. Und schließlich wird er selbst mit Krankheit geschlagen. Wetten, dass Hiob Gott ins Gesicht fluchen wird, wenn es an ihn selbst geht.
Das legt ihm sogar seine Frau nahe, sie stützt unbewusst die Teufelswette. "Hältst du noch immerfest an deiner Frömmigkeit. Sag Gott ab und stirb!" Hiobs Antwort: Haben wir Gutes von Gott empfangen – und sollten das Böse nicht auch annehmen?

Eine Antwort, die vielleicht nur schwer zu ertragen ist. Warum bricht es nicht aus ihm heraus? O doch. Als sich Hiobs Freunde zu ihm setzen; einfach da sind und schweigen, verflucht er nach langem Schweigen den Tag seiner Geburt, sein ganzes Leben, alles, was ihn selbst ausmacht. Aber an Gott hält er doch fest, sagt nicht ab vom Glauben an den Gott Israels.

Auch nicht als drei seiner Freunde sich bemühen, ihm zu beweisen, dass er leidet, weil er in Schuld verstrickt ist. Und auch nicht als ein Vierter auftaucht, der das Rätsel des Leids durch den Hinweis auf den erzieherischen Wert des Leidens zu lösen versucht.

Die frommen Worte und Erklärungsversuche seiner Freunde helfen ihm nicht; er wendet sich in Klage und Anklage, hilferufend und zornig, bittend und flehend, an Gott selbst.

Im Rechtsstreit, den Hiob nun führt, hat Gott wohl die gewaltigeren, nicht aber die stärkeren Argumente. So sieht es der Dichter der Hioberzählung. Aber ungeachtet dieser Argumentationslage wendet Gott sich selbst auf einen neuen Weg. "... denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob."
Recht redete Hiob, dass Böses und Gutes in Gottes Hand liegen. Recht auch, dass damit fertig zu werden keine Gedankenlösung befriedigend und ausreichend ist.
Hiob erkennt schließlich die überragende Schöpfermacht Gottes an, der als Herr der Geschichte und des Lebens unser Menschenleben prägt, auch wenn wir das oft nicht verstehen.

Auf die leidenschaftliche Frage nach dem "Warum?" erhält Hiob keine Antwort und anerkennt dennoch und gerade deshalb Gott als Herrn – und erhält schließlich alles Verlorene ersetzt.

Das ist vielleicht auch das Tröstliche an diesem Wort, dass Gott ein treuer Gott ist, mit dem wir auch streiten können, an dem wir zweifeln können, der es aushält, wenn wir uns von ihm abwenden. Er weiß, dass wir die entscheidende Frage nach dem "Warum" nicht beantwortet bekommen und deshalb hat auch das Klagen einen wichtigen Stellenwert bei ihm.

Michael Busch

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