Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Südafrika – Vergangenheit und Gegenwart
Über Südafrika

von Pfarrer Kiewit

Als Südafrikaner und Sohn der Erde war mein Suchen im Leben immer ausgerichtet auf den Anbruch des Endes der Apartheid. Vor 1994 war Südafrika ein Staat, in dem die Rassentrennung die Tagesordnung bestimmte. Reservierungsschilder waren überall sichtbar. In den Transportmitteln – Nur Weiße. Schulen nur für Weiße, Toiletten – Nur Weiße, Wohngebiete nur für Weiße, Verschiedene Eingange in Krankenhäusern und Restaurants, Banken stellten nur Weiße an, bestimmte Strände waren für Weiße reserviert und Eheschließungen waren nur innerhalb der eigenen Farbe gestattet.

Die Aufstande begannen 1976, als die Regierung des späteren Primeministers John Voster die Schwarzen in den Schulen zwang, Afrikaans zu sprechen. Viele Schwarze wurden verhaftet oder getötet. Eine größere Zahl floh aus Südafrika und suchte Zuflucht in Ländern wie Russland, in Europa, in Botswana, Lusaka u.s.w. Aber der Kampf ging weiter mit vielen Menschen, die im Untergrund arbeiteten. In den frühen achtziger Jahren wurde die Vereinigte Demokratische Front (UDF) gegründet. An der Spitze stand Pfarrer Allan Boesak ( früher Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen – ÖRK) und er bezeichnete die Apartheid öffentlich als Häresie, ebenso sagte es Ebrahim Rasool ( Jetziger Minister für Finanzen in der Westlichen Kap Provinz und Leiter des Afrikanischen Nationalkongresses ANC in der Provinz West Kap.

Es gab viele Demonstrationen, Menschen suchten Wege wie die Regierung damals von Premierminister Botha von der Beendigung der Apartheid-Politik überzeugt werden konnte. In dieser Zeit verloren viele ihr Leben, viele wurden gefangen genommen. Einige konnten erfolgreich fliehen, andere waren nicht so glücklich.
Als Frederik de Klerk Präsident in Südafrika wurde, waren alle Augen auf ihn gerichtet. Er begann mit Unterredungen mit Nelson Mandela auf der Gefängnis Insel Robben Island. Durch diese Dialoge wurde eine ganze Zahl von politischen Gefangen freigelassen, z.B. Walter Sisulu, Govan Mbeki (Vater unseres jetzigen Präsidenten) u.a.

Der Durchbruch kam 1990 als Nelson Mandela in das Gefängnis in Paarl, Victor Verster verlegt wurde. Es muss noch einmal betont werden, es war immer noch ein Verbrechen offen über den Afrikanischen Nationalkongress ANC zu sprechen oder Bilder von Nelson Mandela zu zeigen. Am 11. Februar 1990 ging Nelson Mandela nach 27 Jahren hinter Gittern als ein freier Mann aus dem Gefängnis. Ein langer Weg zur Freiheit kam nicht einfach über Nacht. Eine Menge Verhandlungen hatte es gegeben. Es gab eine Zahl von Weißen, die nicht einverstanden waren mit diesen Gesprächen. Eine Zahl von traurigen Vorfällen geschah, religiöse Institutionen wurden Zielscheiben. Das Khotso Haus in Johannesburg, Sitz des Südafrikanischen Christenrates und Büro der Evangelisch Lutherischen Kirche in Südafrika wurde bombardiert. Chris Hani, der Führer der Südafrikanischen Kommunistischen Partei wurde ermordet. Ein Anglikanischer Priester verlor beide Hände durch eine Paketbombe.

Am 27 April 1994 gab es die ersten freien und fairen Wahlen, die der ANC gewann. Das neue Südafrika war geboren mit Nelson Mandela als erstem schwarzen Präsidenten. Die Apartheid wurde systematisch abgebaut und Menschen können entscheiden, wo sie wohnen wollen, wo sie ihre Kinder zur Schule schicken wollen, öffentliche Plätze sind offen für alle, die Reservierungsschilder wurden abgebaut, um einiges zu erwähnen.

Der Prozess stoppte hier nicht. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission wurde geboren. All die Menschen, die verantwortlich waren für bestimmte Verbrechen während der Apartheid erhielten die Möglichkeit um Vergebung zu bitten. Viele erhielten Amnestie, andere nicht. Eugene de Kock erhielt lebenslänglich. Eine der Wissenschaftler des alten Regimes Dr. Wouter Basson gewann seinen Prozess für angebliche Verbrechen während der Apartheid Ära.

Zehn Jahre sind vergangen und im nächsten Jahr wird es die dritten Wahlen in Südafrika geben. Südafrika ist immer noch auf dem Weg der Heilung der Wunden, die die Apartheid verursacht hat. Aber eine Menge Änderungen sind vollzogen. Alle Rassen freuen sich an den Früchten der Freiheit. Dies ist ein kleiner Beitrag des Guten, was sichtbar ist seit dem Ende der Apartheid.

Als Kind der Erde Afrikas, bin ich stolz, Teil eines Landes wie Südafrika zu sein. Die Kirchen Südafrikas sind dicht miteinander verbunden. Gegenwärtig anders als in der Vergangenheit, sind Kirchen auch im Parlament repräsentiert. Man kann sagen die Regierung braucht die Kirchen um Menschen aller Rassen zu überzeugen einander zu akzeptieren.

Mein Gebet ist, das der Allmächtige uns leite und schütze solange wir auf dieser Erde leben.

Pfarrer Kiewit
aus dem Englischen von Pfrn. Susanne Peters-Streu

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