Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Gemeindezentrum CelsiusstraßeGemeindehaus Ostpreußendamm
Gemeindehaus ParallelstraßeDorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > September 2003

24.9.2019

Einen Faden neu anknüpfen
Partnerschaft mit der Gemeinde Haarlem in Südafrika

von Susanne Peters-Streu

Im vergangenen Jahr war eine Jugendgruppe aus Steglitz in Südafrika, nun haben acht südafrikanische Jugendliche und Pfarrer Kiewit drei Wochen lang Steglitzer Kirchengemeinden besucht.

Seit über zwanzig fast dreißig Jahren hat der Kirchenkreis Steglitz eine Partnerschaftliche Verbindung mit dem Kirchenkreis South-East-Cape in Südafrika. Unser ehemaliger Giesensdorfer Gemeindeteil pflegte eine Verbindung zur Gemeinde Haarlem. Besuche gingen hin und her, Briefe wurden geschrieben, finanzielle Unterstützung gesammelt und einmal im Jahr am Partnerschaftssonntag gab es einen Gottesdienst zu dem Predigten und Gebete ausgetauscht wurden. Durch Veränderungen hier und dort in der Gemeinde, Mitarbeiter haben gewechselt, unsere Gemeinden hatten unterdessen fusioniert – war der Kontakt zwischen beiden Südafrika und Berlin in einen länger andauernden Schlaf gefallen. Auch auf politischer Seite gab es einschneidende Veränderungen, die Mauer ist gefallen, die Apartheidspolitik ist beendet. Die vielfältigen Herausforderungen vor Ort haben zu einer stärkeren Orientierung auf eigene Belange geführt.
Die Aktivität der Jugendlichen hat uns ein bisschen aufgeweckt. Wir blinzeln sozusagen in den neuen Morgen, ob wir richtig wach werden und die Verbindung wieder intensiver wird?

Was ist das eigentlich Partnerschaft und was könnte das sein? Von Partnerschaft wird in unseren Tagen oft gesprochen. Alle wollen Partner sein: die EU mit den USA, die USA mit China, Länder, Kontinente, Wirtschaftsunternehmen mit einzelnen Arbeitnehmern, Mann und Frau, Eltern und Kinder... Ist doch eine gute Sache. Aber sind dies Beziehungen auf Augenhöhe, gleichberechtigt, fair zueinander und aufeinander angewiesen? Verdeckt das Wort Partnerschaft nur eine ungleiche Beziehung, Konflikte, Machtgefälle und Abhängigkeiten? Für mich ist das, was man mit Recht Partnerschaft nennen kann, immer ein sich auf den Weg machen zu echter Partnerschaft. Das heißt, man ist aufmerksam für Abhängigkeiten, Macht, Ungleichheiten. Partnerschaft, einen Weg gemeinsam zu entdecken, was das Leben in Freude und Traurigkeit, seiner ganzen Fülle ist. Partnerschaft bedeutet sich in den Hoffnungen zu stärken, sich anrühren zu lassen von der Not des anderen.

Jesus hat immer Grenzen überschritten, hat den Blick von Menschen geweitet und hat Menschen aneinander gewiesen. Was sehe ich, wenn ich mich einlasse, die Welt mit den Augen des anderen zu sehen? Das ist ja eine große Herausforderung und eine Kunst, die Wirklichkeit so wahrzunehmen wie ein anderer sie wahrnimmt. Partnerschaftsarbeit zwischen Christen aus Süd und Nord ist eine Chance eine andere Perspektive zu gewinnen.

Zunächst ist es: Sich kennenlernen, besuchen, hören, neugierig sein auf das Leben des anderen. Partnerschaft zwischen Nord und Süd ist im Zeitalter der Globalisierung auch ein Ort über die Abhängigkeiten und Strukturen in unserer Welt zu lernen. Was sind Ursachen von Armut und Krankheit, Ungerechte Verteilung von Arbeit und Reichtum? Der gemeinsame Glaube bahnt den Weg dafür, dass fremde Menschen sich begegnen, die sich sonst nie getroffen hätten. Die Hoffnung auf Gottes Reich der Gerechtigkeit und Liebe kann den Partnern den Blick für Ungerechtigkeit schärfen.

Der Besuch der Jugendgruppe hat uns wieder etwas aufmerksamer füreinander gemacht. Pfarrer Kiewit und Carmen haben uns im Gemeindebeirat besucht. Wir haben erzählt aus unserem Gemeindeleben. Im gemeinsam vorbereiteten Gottesdienst und in der Predigt, haben uns die Südafrikaner teilnehmen lassen an ihrer größten Sorge: Infektion mit HIV und Erkrankung an Aids von sehr, sehr vielen Menschen. Bei jedem Gottesdienst bei ihnen wird zu Beginn eine Kerze entzündet, um an die Aidserkrankten und ihre Familien zu denken. Es wird ein Gebet gesprochen, das die Not der Erkrankten, ihrer Familien und der Helfenden vor Gott bringt.

Deutlich war mir, dass wir die Problematik der Aids-Erkrankung anders oder auch gar nicht wahrnehmen. Leben wir mit der Haltung: Eigentlich ist das nicht unser Problem? Die Direktorin von Brot für die Welt Pfrn. C. Füllkrug-Weitzel sagte bei einer Podiumsdiskussion beim ökumenischen Kirchentag: "Die Kirchen haben eine ungeheure Verantwortung angesichts von Aids, weil sie als Hüterin der Moral, als Wertemittler gelten. Sie haben aufgrund dieser Autorität eine besondere Verantwortung und Chance dafür, die Krankheit vom Geruch der Sünde zu befreien und die Opfer endlich schuldfrei zu sprechen - so wie Jesus die Frage zurückgewiesen hat, ob der Blinde selbst schuld sei, oder seine Eltern. Keiner hat sich Aids ausgesucht und keiner hat die Krankheit 'verdient'.
Jesus klagt nicht an und grenzt nicht aus, er stellt vielmehr die Würde jedes Menschen wieder her und heilt zerbrochene und gestörte Gemeinschaften, er tritt ein für Gerechtigkeit. Wenn die Kirchen weltweit zur Lösung beitragen wollen und nicht länger Teil des Problems bleiben wollen, so müssen sie endlich umgekehrt die Ausgrenzung und Diskriminierung Sün-de nennen, weil diese gegen den Willen Gottes sind. Es ist an der Zeit, mit der Suche nach Schuldigen für diese Krankheit und mit Schuldzuweisungen an die Betroffenen aufzuhören und stattdessen das öffentliche Bewusstsein darauf zu lenken, welche gesellschaftlichen und kulturellen Mechanismen die rasende Verbreitung ermöglichen und Leute zu Opfern machen - besonders Frauen und Kinder. Es geht um das Überleben ganzer Nationen und Gesellschaften und deshalb auch um gesellschaftliche, ökonomische und politische Ursachenbekämpfung: Es geht weltweit um Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit, um Beendigung der internationalen Schuldenkrise, um den Kampf dagegen, dass die Preisgestaltung von Medikamenten für die Pandemie sich noch immer am Profit und weniger an der Überlebenssicherung orientiert, um ein Ende der Diskriminierung, Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen und der Gewalt gegen sie." Pfarrer Kiewit bat im Gottesdienst lasst uns als Partner zusammenstehen bei der Bekämpfung von Aids, lasst uns gemeinsam Sorge tragen für die Zukunft unserer Jugendlichen!

Die Jugendlichen haben im Gebet ausgesprochen, was ihnen in Bezug auf die Partnerschaft am Herzen liegt. Entdecken wir mit ihnen wie die Partnerschaft ein Weg sein kann.

Fürbittengebet

"Gott wir danken dir für diese Partnerschaft und für alle Menschen, die sie mit viel Arbeit und Geduld möglich gemacht haben. Und das du uns eine so schöne Zeit mit unseren Freunden geschenkt hast, sowohl in Südafrika als auch hier.
Gott wir bitten dich, dass diese Freundschaft noch lange bestehen bleibt und dass wir mit dieser Liebe Beispiel für andere sein können, um weltweite und multikulturelle Brücken des Glaubens und der Liebe zu bauen.
Gott, wir bitten dich, halte deine schützende Hand über unsere Freunde und lasse sie sicher und gesund in ihrer Heimat ankommen!

Aids ist eines dieser Themen, über das wir uns alle bestens informiert fühlen. Trotzdem sterben jährlich viele, viel zu viel Menschen an dieser Krankheit. Weil man sich selbst viel zu gern von der Möglichkeit betroffen zu werden ausschließt. Deshalb bitten wir dich Gott, gib uns die Kraft und den Mut diese Ignoranz zu überwinden und endlich die Augen für die Wahrheit zu öffnen.
Gott, wir danken dir, dass wir durch dich enge Freundschaften geschlossen haben und bitten dich noch mehr Menschen auf der Welt zu helfen die Unterschiede der verschiedenen Kulturen zu akzeptieren und zu respektieren um so ein friedlicheres zusammenleben möglich zu machen."

Pfrn. Susanne Peters-Streu

zum Seitenanfang   Übersicht der Themen   blättern