Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.11.2019

Bruce Allmächtig
Kinotip

von E-Mail

Eine Filmbesprechung gehört sicher nicht zu den üblichen Rubriken unseres Gemeindebriefes, aber es gibt Filme, für die sollte man einfach mal eine Ausnahme machen, obwohl der betreffende Film auch anderswo reichlich beworben und besprochen wird, so dass er der Aufmerksamkeit kaum entgehen kann.

Die Rede ist von "Bruce Allmächtig", der vor einiger Zeit in deutschen Kinos angelaufen ist.

Jim Carrey spielt hier einen midlifecrisisgeschüttelten Reporter, der sich von Gott mal die Allmacht ausborgen darf. Zu recht darf man sich bei der Besetzung der Hauptrolle auf eine Komödie freuen, aber in dem Film steckt mehr, was von der einen oder anderen Kritik bereits unangenehm bemerkt wurde, denn eigentlich ist der Film weniger ein Film über Reporter Bruce – das natürlich auch! – sondern über Gott. Das wird natürlich von einem Teil des Kino- und Kritikerpublikums als Zumutung aufgefasst. Dabei ist dieser Film weder "christlich-süßlich", noch "christlich-konservativ" wie zum Beispiel behauptet wurde.

Worum geht's?

Zu Beginn des Films lernen wir Bruce Nolan (Jim Carrey), der sich ungerecht behandelt fühlt. Von seinem Chef, seinen Mitmenschen, ja von Gott und der Welt im allgemeinen. Warum bekommt immer er die unspektakuläre Lokalberichterstattung? Warum werden dann gerade seine Berichte nicht ausgestrahlt? Warum hat er nicht längst einen bessern Posten, den ein talentierter Bursche wie er doch eigentlich verdient hätte? Und manchmal sieht es wirklich so aus, als hätte sich das Universum gegen ihn verschworen, beginnend bei seinem Hund, der hartnäckig an den Wohnzimmersessel pinkelt, über die Staus, die sich aus dem Nichts gerade vor seiner Nase zu bilden scheinen, bis zu den Pfützen, in die es seinen Fuß mit traumwandlerischer Sicherheit hineinzieht.

Dabei sind seine Mißgeschicke und alltäglichen Niederlagen so wunderbar komisch, aber auch anrührend, denn eigentlich ist Bruce ein netter Kerl. Er liebt seine Freundin (Jennifer Aniston), versucht, ein netter Mensch zu sein und selbst aus der drögesten Berichterstattung über den größten Keks von Buffalo noch etwas zu machen. Und spätestens als er von einer Gang zusammengeschlagen wird, weil er versucht, einem Bettler zu helfen, fragt er sich sehr nachdrücklich, was er eigentlich davon hat. Und er fragt sich, ob das immer nur dumme Zufälle sind. "Warum hasst Du mich?" schreit er zu Gott. Und Gott (Morgan Freeman) antwortet.
Natürlich will Bruce erstmal gar nicht auf ihn hören. Er ignoriert die mysteriösen Nachrichten, die auf seinem Pager ankommen, und erst, als der Pager ihm weiterhin penetrant immer wieder dieselbe Nummer ausspruckt, selbst nachdem er von Bruce in einem Wutanfall in tausend Teile zerlegt wurde, gibt das unserem Helden zu denken. In einem leerstehenden Lagerhaus, zu dem man ihn bestellt hat, trifft er einen älteren Herren, der hier offenbar den Dienst des Hausmeisters, Putzmannes und Geschäftsführer ausübt. Und Bruce dann noch offenbart er sei Gott. Bruce ist zunächst skeptisch, kann sich gewissen Beweisen dann aber schwer entziehen. Nachdem Bruce so große Unzufriedenheit darüber geäußert hat, wie Gott seinen Job macht, bietet dieser ihm an, doch mal einfach die Urlaubsvertretung für ihn zu übernehmen. Und so wird Bruce allmächtig.

Zuerst glaubt er es nicht. Dann genießt er es in vollen Zügen. Und dann geht ihm auf, dass es mit der Allmacht doch nicht so einfach ist. Denn wenn er sie einfach benutzt, um sich die Dinge zu holen, von denen er der Meinung ist, dass er sie längst verdient hätte – den besseren Job und den Sportwagen – dann hat es eigentlich noch nichts besser gemacht als der Gott, mit dem er hadert, denn was hätte er denn bisher für einen anderen Menschen in seiner Not getan? So fängt er an, auf die Gebete der Menschen zu hören, aber weil das mehrere Millionen am Tag sind, beschließt er einfach, alle Wünsche zu erfüllen. Für einen kurzen Moment kann er sich in dem Gefühl sonne, ein guter und erfolgreicher Mensch unter anderen guten und erfolgreichen Menschen zu sein, aber schnell kommt das böse Erwachen. Tausende von Menschen habe im Lotto gewonnen, was die Auszahlungssumme auf lächerliche 17,50 Dollar herabdrückt. Es kommt zu bürgerkriegsartigen Ausschreitungen. Und Bruce weiß, dass er das versiebt hat. Und als seine Freundin ihn verlässt, ist das Unglück perfekt, denn bei der Frage, wie man jemanden dazu bringt, einen zu lieben, muss selbst Gott mit den Schultern zucken, denn hier liegen die Grenzen der Allmacht.

Nachdem Bruce dieses Wechselbad von Ephorie und höchster Verzweiflung ausgekostet hat, kommt er schließlich an den Punkt, wo er bereit ist, die Welt und sein Leben so zu akzeptieren, wie sie sind. Egal, ob seine Freundin ihn verlässt oder nicht und ob er den begehrten Job bekommt oder nicht. An diesem Punkt setzt die Wende zum Guten ein. Natürlich bekommt er seine Freundin wieder. Den Job gibt er zurück, aber den Sportwagen behält er. Aber vor allem ist er mit sich und seinem Leben im Reinen. Ein Leben, das ihn nicht immer auf Rosen bettet, aber das sein Leben ist und gut ist, wie es ist.

Natürlich drängt sich da die Frage auf, ob der Film nicht eigentlich nur ruhig stellen will, ob seine Botschaft nicht lautet. "Bleib bei Deinen Leisten und hör auf zu meckern." Aber dabei würde man eines übersehen, dass nämlich eine alles entscheidende Wende eingetreten ist: Bruce ist jetzt zufrieden. Aber diese Zufriedenheit hat er nur selber erfahren können, niemand hätte ihm das aufdrücken können. Wenn seine Freundin vorher am schlimmsten Tag seines Lebens (O-Ton Bruce) zu ihm sagt, er solle froh sein, dass es ihm gut geht – schließlich hätte er auch schwer verletzt im Krankenhaus landen können – kann er das nur als Hohn empfinden. Und zu recht. Selbst wenn Gott persönlich es ihm gesagt hätte, hätte es ihm nicht helfen können. Sinn oder Zufriedenheit kann man eben nur selber erfahren und sich nicht von anderen aufschwatzen lassen.

Das wundervollste an dem Film aber ist Morgan Freeman als Gott. Er ist so gut, weil er einerseits genau unseren gängigen Vorstellungen von Gott entspricht: Er ist ein älterer Mann mit Bart, ist gütig und weise. Und dann ist er auch wieder ganz anders; ist schwarz und hat eine gute Portion Humor. Zu seinen sonstigen Stärken gehört vor allem Geduld, denn die braucht man sicher in geradezu göttlichem Ausmaß, um mit einem frustrierten Häufchen Elend wie Bruce klar zu kommen. Es ist diese Vision von Gott, die verhindert, dass der Film ins "christlich-süßlich-klebrige" abgleitet, denn es ist dieser Gott und manchmal auch der Querkopf Bruce, die mit den gängige Vorstellungen spielen und sie dabei häufig auch pointiert in Frage stellen. "Wenn du dich mitten auf einem Highway hinkniest, kannst Du nicht erwarten, das zu überleben", sagt dieser Gott zu Bruce. Ganz logisch. Wer sich vor einen LKW wirft, kommt davon um, egal ob er ein gläubiger oder ungläubiger, frommer oder unfrommer Mensch ist, und Gott hat damit reichlich wenig zu tun. Er macht aus dem Film mehr als eine witzige Komödie – und das ist er, ich wüsste nicht, wann ich das letzte mal im Kino so gelacht habe – einen geistreichen Kommentar über Gott und die Welt, die Allmacht und das Wesen von Wundern, den Sinn des Lebens und das, was wirklich wichtig ist, und das gerade im Alltäglichen. Oder um mit Gott zu reden: "Die Tomatensuppe in deinem Teller zu teilen, das war kein Wunder. Das war ein Zaubertrick. Aber eine alleinerzeihende Mutter, die einen Job hat, aber immer noch die Zeit findet, ihre Kinder zum Fußballtraining zu fahren – das ist ein Wunder!"

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